Donnerstag, 28. Mai 2015

Quinceanera

Guten Morgen, oder Guten Abend!
Vielleicht bricht bei einigen ja schon die Nacht an. ;)

Willkommen zurück auf meinem Blog!
Wie ihr sicherlich wisst, werde ich in einigen Tagen meine Schule hier beenden und in vier Wochen bin ich wieder in Deutschland. Doch bevor ich meine letzten Einträge auf meiner Seite veröffentliche, möchte ich euch noch von einer brasilianischen Quinceanera berichten, an welcher ich teilgenommen habe,. Natürlich möchte ich euch noch ein wenig unterhalten, bevor alles hier sich zum Ende neigt. Wenn ihr euch jetzt fragt, was eine Quinceanera ist, dann kann ich euch gerne ein bisschen darüber erzählen.

Eine Quinceanera kommt aus dem Spanischen, wird in Ländern wie Spanien, Argentinien und Brasilien am 15. Geburtstag eines Mädchen gefeiert. (Hoffentlich ist das jetzt richtig, man sagt, Google weiß alles!)
Es ist eine große Ehrenparty für die Eltern der nun jungen Dame, für die Großeltern und auch für die Paten. Es ist wie ein Mix aus der „Sweet 16“-Party in Amerika und kann mit dieser verglichen werden. Es gibt teure Geschenke, schöne Kleider, leckeres Essen und es wird bis zum Morgengrauen getanzt. Dieser besondere Tag wird gefeiert, da das Mädchen zu einer Frau hinübertritt und nun Heiratsfähig ist. Es ist ein unglaublich großes und traumhaftes Fest, meine Süßen!

Da am Freitag, dem 22 Mai, die Party meiner brasilianischen Freundin Larissa stattfinden sollte, kam Lina nach der Schule sogleich zu mir, sodass wir uns gemeinsam fertig machen konnten. Unsere beiden Wochenenden waren komplett mit Terminen zu geplant. Nach der Feier würde Lina zum Freizeitpark „Universal“ fahren, während ich das Wochenende mit meiner Liason-Familie verbringen, meinen Koffer packen und in der Sonne liegen würde (mit der Hoffnung floridianisch braun zu werden, was aber doch nur in einem Sonnenbrand endete!)
Nachdem Lina und ich uns so gut es ging vorbereitet hatten, sollten wir pünktlich um 19 Uhr am Saal sein. Meine lieben Leser; 19 Uhr in der amerikanischen oder europäischen Zeit bedeutet nicht 19 Uhr in der brasilianischen. Brasilianer, oder eben Südamerikaner (wird zumindest hier gesagt), mögen es sich zu verspäten. Und das kann zwischen 30 Minuten und 2 Stunden sein. Deshalb waren wir fast die Ersten, die überhaupt auf der Party waren. Der Rest ist dann in den nächsten zwei Stunden langsam eingetrudelt.

Das erste, was wir natürlich gemacht haben; Fotos schießen! Immerhin brauche ich einige unüberbietbaren Erinnerungen an meine Zeit hier.
Der Ballsaal war festlich geschmückt; runde Tische standen verstreut in Raum, die Wände waren hellblau und wohin man auch sah, sah man Blumen. Die Torte hatte mehrere Stockwerke und ein anderer Tisch war nur für die Geschenke gedacht. Von der Decke hingen Kronleuchter und gegenüber des Eingangs waren Spiegel. Die Tanzfläche war klein, aber groß genug, sodass auch wirklich alle hätten tanzen können. Meistens werden in diesem Saal Hochzeiten oder ähnliche Feiern gefeiert.













Nachdem tausende von Photographien entstanden sind, kam auch endlich Larissa. Der Ballsaal war auch endlich mit Menschen gefüllt. Nach Begrüßungsumarmungen und Küsschen recht und links auf die Wange, wurde ein Video für Larissa gestartet. Ihre Freunde und Familienmitglieder erzählten ihr von Erinnerungen und beglückten sie mit Geburtstagswünschen. Es war ein rührender Moment. Naja, wie man es nehmen kann. Das meiste war jedoch auf Portugiesisch. Da leider weder Lina, noch ich, noch Michelle, Lillian oder Joanne irgendetwas verstanden haben, saßen wir einfach dort und haben mit Larissa mitgefühlt – soweit man eben mitfühlen konnte. Nachdem auch die letzten Tänze mit ihrem Vater, Großvater und auch mit ihren kleinen Brüdern endete, brachte man uns das Essen.
Auf den Tischen standen immer Gläser mit eiskaltem Wasser. Man konnte sich alkoholfreie Getränke an der Bar holen und als Snacks wurden Frühlingsrollen und Hühnchen serviert. Als Vorspeise gab es Salat. Die Hauptmahlzeit bestand aus weiterem Hühnchen und Fisch, sowohl gab es auch Kartoffeln, Nudeln und gekochtes Gemüse. Es hört sich alles sehr schlicht an, was es auch war, jedoch war die Gestaltung des Essens eine ganz andere, als es man normalerweise kennt.

Nach dem Essen wurden die Beine auf die Tanzfläche geschwungen. Bis genau Mitternacht ging die Feier, danach hat mich eine Freundin Zuhause abgesetzt, sodass ich um 1:30 im Bett lag. Für viele klingt es wahrscheinlich gar nicht so spät, doch wenn man bedenkt, dass ich schon am nächsten Morgen um 8 Uhr aufstehen musste, dann kann man sich das Bild von mir als Vampir recht gut vorstellen.

Am Samstag habe ich dann meinen Tag mit meiner Liason verbracht – meiner zweiten Gastfamilie, falls ich mit meiner richtigen Schwierigkeiten hätte haben können. Wir haben uns eigentlich nur verabschieden und ein wenig die Zeit genossen. Das restliche Wochenende habe ich eben damit verbracht meinen Koffer zu packen, da ich am 04. Juni nach Schule nach North Carolina für eine Woche fahre und danach nach Indiana für 2,5 Wochen. Ich werde in meinem nächsten Post es genauer beschreiben, damit man eine bessere und detaillierte Sicht hat. :)

Mit ganz lieben Grüßen,
Emilia

Dienstag, 19. Mai 2015

Sweet Life

Ich schicke ein "Hallo" ans andere Ende der Welt!
Heya, meine Süßen. Bestimmt sitzt ihr gerade vor eurem Computer und fragt euch, was eine Austauschschülerin in den letzten Wochen ihres Aufenthaltes in Amerika macht, bevor sie ins Flugzeug steigt und ihr Heimatland wieder unsicher macht. Diese Frage wird euch ganz einfach beantwortet; feiern, nicht viel schlafen und andere Staaten des Landes besuchen!
Da meine Gastfamilie und ich am 04. Juni sofort nach der Schule durch Georgia nach North Carolina fahren, dort 5 Tage verbringen und danach weiter durch Kentucky und Tennessee nach Indiana segeln, wo ich auch die restliche Zeit verbleiben werde, bleibt mir leider keine Zeit eine Abschiedsfeier zu schmeißen.
Weshalb noch weitere Tränen versgießen? Aus genau diesem Grund habe ich einfach etwas ganz anderes gemacht; anstatt einer Abschiedsparty habe ich einfach meinen Geburtstag vorgefeiert. Eine Vor-Geburtstagsparty geschmießen!
Am Freitag, dem 15.Mai, haben wir eine kleine Beach Party steigen lassen.
Meine lieben Freunde, Verwandte, fremde und doch wundervolle Menschen, die diesen Block verfolgen; ich glaube, ich habe euch schon erzählt, dass das Wort "feiern" eine andere Definition hat, als für die Meisten. Deshalb gibt es nun eine typische Emilia-Was-läuft-schief-Geschichte. :)

Um 5 Uhr abends sollten wir, Mikayla, Larissa, Orel, Michelle, Lina, Annie, Kayla, Lillian und ich, uns am Strand trefen, uns ein bisschen entspannen und ein wenig Zeit mit einander verbringen. 


Nachdem wir auch alle angekommen waren, war fast alles perfekt; Annie hatte Ballons mitgebracht, um eine wirkliche festliche "Happy Birthday"- Stimmung zu erschaffen. Im Sand saßen wir alle im Kreis, haben von Chocolate Chip Cookies genascht, Oreo Kekse gegessen und Cupcakes verspeist. Die Sonne schien breit am Himmel, das Wasser war hell und klar, das Salz konnte man aus der Luft heraus schmecken. Gutaussehende Menschen lagen verstreut am Strand von Boca, sonnten sich und genoßen ihr floridianisches Leben. Es war das traumhafte Wetter für ein paar gute Bilder. Jeder konnte schön am Strand faullenzen und wir konnten gemeinsam durch Naschereien zunehmen, bis.... es angefangen hat wie aus Kübeln zu regnen.
Ganz auf einmal und unerwartet erschien ein graues Monstrum am Himmel, das uns verspeisen wollte. Die eigene Hand konnte man vor lauter Regen auch nicht mehr wirklich sehen. Die Surfer zogen hinaus in die Wellen, um uns ihre spektakulären Tricks zu zeigen und uns vor Neid erblassen zu lassen, während wir unter einer Abdeckung standen und warteten, dass sich alles wieder in Luft auflösen würde.

"Aber was macht man, wenn das Leben einem Zitronen gibt? Man macht Limonade daraus!"

Daraufhin hat mich Lina mit in die herabfallenden Strömungen gezogen, bis wir klitschnass unter dem Wolkenhimmel standen und uns kaum wieder erkannten. Nach 20 Minuten löste sich das kurze Umwetter jedoch auf, und wir konnten weiterfeiern. Zwar war dies am Anfang schwierig, da eine Locken sich zu einer schwimmenden Brühe verwandelt hatte und meine Kleidung wortwörtlich im Regen schwamm.
Und so wie mich die meisten kennen; ja, natürlich war ich total panisch, dass wir plötzlich im Regen stehen würden und nach Hause gehen müssten. Es würde als Disaster enden. Meine Mädels würden verschwinden und ich würde aus Verzweiflung heulen und irgendwie abkratzen...
Aber es ist nichts davon passiert! Da jedoch der Strand und der Sand nass war, haben wir uns entschieden Pizza essen zu gehen; ein weiterer Punkt auf meiner "Vor-Geburtstagsfeier-Liste". Nachdem es keine Spuren mehr vom Regen gab, dachte ich, wir könnten uns einen schönen Abend in einer Pizzeria machen, uns vollstopfen und die verbleibende Zeit genießen. Aber weil diese Geschichte nicht meine Geschichte wäre, wenn nichts anderes passiert wäre, musste natürlich irgendetwas anderes geschehen; die Pizzeria war zu. Ich meine nicht zu, wie das "Geschlossen"-Schild hang an der Tür. Nein. Die Fenster waren verdeckt, die Tür verriegelt und das ganze Geschäft war wie weggeblasen. Zum Glück war gleich nebenan eine andere Pizzeria, in der uns Zwillingsbrüder bedienten.
Annie hatte am Ende noch leckere, brötchenartige, süße Gebäcke gekauft und diese als mein "Geburtstagskuchen" mir gegeben. Natürlich wurde noch "Happy Birthday" gesungen und daraufhin verschwanden wir wieder am Strand um Bilder zu schießen. Falls es einige noch nicht mitbekommen haben; wenn man ein Jahr in Amerika verbringt, bekommt man doch von der Verrückheit der Amis etwas ab. Wie ihr sicherlich hier sehen könnt.
Am Strand sind dann folgende Bilder entstanden. Süß, oder?












Als wir nach unserer Fotosetion am Strand saßen, und irgendwie alle durcheinander geredet haben, musste ich anfangen zu weinen. Für alle zukünftigen Austauschschüler, für alle meine Freunde, um die es auch hauptsächlich in diesem Eintrag geht. Über meine Familie werde ich in einem anderen Eintrag berichten. :)
An alle Menschen, die genauso gute und wundervolle Freunde haben, wie ich sie in diesem Auslandsjahr gemacht habe. Es gibt Gründe, weshalb man sich entscheidet ein Auslandsjahr zu machen. Die Sprache, man ist interessiert an der Kultur, man möchte einen Schritt weiter für sich gehen, erwachsen werden und einen anderen Teil von sich selbst kennenlernen. Sich selbst auf die Probe stellen. Ich stimme allen diesen Dingen zu, doch ohne meine Freunde hier und in Deutschland, hätte ich niemals so viele Erfahrungen sammeln können.
Meine Freunde hier haben mich durch mein ganzes Auslandsjahr begleitet. Mein erster Tag war schrecklich an der Spanish River High gewesen. Niemand hat mit mir geredet, ich bin nach Hause gekommen und am Abend habe ich geheult, weil ich Heimweh hatte. Die Vorstellung von einer Schule ohne Freunde hat mir Angst gemacht. Jetzt, nach mehr als neun Monaten in den Staaten, breche ich in Tränen aus, wenn ich daran denke, dass ich gehen werde und mir nicht einmal sicher bin, ob ich sie jemals wiedersehe!
Eine Gastfamilie steuert sehr viel zu eurem Auslandsjahr zu, doch eure Freunde in der Schule und in den verschiedenen Klubs sind der Grund, weshalb ihr ein Auslandsjahr nicht abbrechen werdet. Ihr findet jemanden zum Reden, zum Spaßen, zum Ausgehen, zum Blödsinn anstellen. Nachdem ich meine Freunde gefunden hatte, und ich kann es euch sagen, dass es lange gedauert hat, hab ich mich hier vollständig gefühlt. Ich dachte nicht mehr daran, dass ich nur für ein Jahr hier bin. Meine Freunde hier haben mich durch die verschiedensten Tiefen und Höhen begleitet. Sie mussten mich ertragen, als ich geweint, geschwärmt, gekreischt, getrauert und rumgemault habe. Wenn ich daran zurück denke, was die Menschen durch dieses Jahr mit mir durchgemacht und vor Allem zu wem sie mich gemacht haben, dann kann ich es nicht in Worte fassen, wie glücklich ich bin. Ich bin glücklich, dass ich diese Menschen getroffen habe, dass sie mir die amerikanische, junge Kultur näher gezeigt haben, als nur von Außen, dass sie mit mir gegangen sind und dass sie da waren.
Das Leben kann so göttlich sein, wenn man jemanden findet, der genauso viel zu etwas beiträgt, wie eine Gastfamilie. Der Nebeneffekt bei diesen Freundschaften ist jedoch der, dass man sie nicht mehr los wird. Man kann immer wieder kommen und man wird sich an die gemeinsame Zeit erinnern, die man hier hatte. Leute, so etwas kann man nicht vergleichen. Man kann es nur erleben und erlernen.


Und trotzdem freue ich mich meine Freunde in Deutschland wieder zu sehen und sie in die Arme nehmen zu können, auch wenn ich weiss, dass sich vieles verändert hat. Nur noch 40 Tage!
In Liebe, Emilia

Montag, 4. Mai 2015

AFS Orientation

Liebes Tagebuch,

mittlerweile sind es nur noch 56 Tage, bis ich nach Hause nach Deutschland fliege, meine Freunde und Familie wieder sehe. Meine Gefühle? Ein verrückter Mix aus zu vielen Sachen; Am liebsten würde ich an den Strand ziehen und ein Leben als Fisch führen. Und gleichzeitig würde ich gerne meine Koffer packen und nach Hause fliegen. Aus diesem Grund gab es auch die Prereturn Orientiation am 01.-03. Mai in Camp Joy, Apopka nahe Orlando.



 
Freitag nach der Schule ging es los.
Zusammen mit Harold, Jorge und Go würde ich 3,5 Stunden lang im Auto sitzen, die Musik des letzten Sommers hören und den Highway entlang fahren.
Während der ganzen Fahrt haben wir hauptsächlich nur über eins geredet; was mit uns passieren wird, wenn wir wieder Zuhause sind und wie sehr uns doch unsere Freunde in den Staaten und unsere Gastfamilien vermissen werden.
In meinen Ohren hat es sich mehr als nur merkwürdig angehört. An diesem Wochenende war dies auch das wichtigste Thema; nicht nur wir haben uns verändert, sondern auch unsere Freunde Zuhause und unsere Familien. Was wird auf uns zu kommen? Was werden wir ein weiteres Mal meistern müssen? Was wird passieren? Und vor allem WIE WIRD ES NACH ALLEM WEITER GEHEN?
Diese und auch mehrere Fragen schwirrten und summten uns seit Tagen oder Wochen im Kopf herum. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr übrig. Bald werden wir unsere Koffer packen müssen, zum Flughafen fahren und dann... abhauen? Gehen? Für eine Zeit verreisen? Zurückkehren oder doch im Untergrund abtauchen?
Nach einigen Minuten haben wir uns entschieden uns von diesem Thema zu verabschieden, da es uns doch mulmig in der Magengrube wurde (oder war es doch nur der Hunger gewesen?).
Nachdem Go's chinesischen Kekse in allen Mündern verschwunden waren, fing Harold an von Burgern und Pommes zu schwärmen. Wie gut doch gegrilltes Fleisch riecht, wenn es frisch gebraten serviert aus der Pfanne kommt. Nachdem uns langsam auch der Sabber aus den Mündern lief, entschlossen wir uns kurz anzuhalten und zu essen. Natürlich Burger, so wie es sich gehört. Nachdem wir allerdings schon ziemlich satt waren, hat uns Harold noch mit Donuts gefüttert. Auf AFS Wochenenden kann man eben nicht auf Diät sein. Auch als wir ankamen, gab es noch genügend Pizza und Cola für alle. Doch zu erst mussten wir überhaupt das Camp finden, in dem wir die nächsten zwei Nächte verbringen würden...

Und „Oh my Gosh“!
Einen Horrormovie kann man nicht mehr mit der Nacht vergleichen, in der sich unser Leben veränderte... (Ich sollte wirklich anfangen Bücher zu schreiben!)
Der Mond war zu seiner vollen Größe gewachsen, strahlte die dunklen Wälder um uns herum an, während er gleichzeitig den Weg zu Camp Joy erleuchtete. Doch sollte es wirklich ein Camp der Freude werden? Es lag im Mitten eines Naturreservates, umgeben von Rehen, Wildschweinen und auch Schwarzbären. Oder waren dort noch andere Gestalten im Wald verborgen, von denen niemand ahnte? Ob wir die Nacht überleben würde, wusste keiner. (Ich sag's dir, Tagebuch. Ich werde eine Bestsellerautorin) Mitten in der Dunkelheit stießen wir auf ein verschlossenes Tor – der Eingang in die Höhle des Löwen. Harold hatte seine Waffe nicht dabei und der Motor des Autos gab langsam den Geist auf. Der Benzintank war leer. Dies war der Punkt, an dem wir uns entschieden hatten uns aufzuteilen. (Jetzt wissen alle Horrormovie Experten, dass bald alle verschwinden und sterben werden.) Als Jorge versuchte das Tor gewaltsam und mit Mühe aufzumachen, geschah....
Nichts. Im Grunde ist nichts mehr passiert. Zwar hatten wir uns erst verfahren, aber alles hat tadellos funktioniert, und wenn mich ein Bär gegessen hätte, würde ich nicht am Computer sitzen und einen Bericht schreiben.
Nachdem sich alle begrüßt hatten, das eine oder andere Pizzastück verschwunden war und das Gepäck in den Zimmern verteilt wurde, sind wir nach zwei Stunden auch alle schlafen gegangen. In zwei Zimmer schliefen jeweils 11 Leute – Mädchen.
Die Jungs blieben NATÜRLICH getrennt von uns. Auch die Badezimmer mussten wir uns teilen. Auch wenn es mich überrascht; es gab keinen dritten Weltkrieg!
Am nächsten Morgen würde uns immerhin ein langer Tag bevorstehen.

Der Samstagmorgen war schlimm.
Ich rede nicht davon, dass wir einige Aufgaben hinter uns bringen mussten. Nein, wir waren müde. Totmüde und fast am Schlafen. Nach dem Frühstück wurden wir an schließlich in Gruppen aufgeteilt, damit wir vier Kapitel hinter uns bringen konnten.
Das erste Kapitel handelte darüber, was Austauschschüler in der letzten Zeit vor ihrem Abflug tun. Immerhin sind es nur noch 8 Wochen bis zu unserem Abflug, natürlich macht man dann eben Dinge, um noch einmal die letzte Chance zu ergreifen. Man geht feiern, eine amerikanische Party besuchen, Drogen nehmen, vielleicht auch ab und zu mal klauen. Vielleicht lässt man sich auch ein Tattoo stechen, um eine unvergessliche Erinnerung an das Auslandsjahr zu haben. Man tut es, weil es die letzte Chance ist.
Und möchtest du, liebes Tagebuch, jetzt den wahren Grund wissen, weshalb Austauschschüler manche Dinge wirklich machen? Ich möchte zukünftige Austauschschüler vorbereiten. Wir tun es nicht, weil wir eine Chance ergreifen möchten. Ein kurzer, wütender und schmerzloser Abschied tut meistens weniger weh, als alles andere. Auf einmal verfliegt die Angst nach Hause gesendet zu werden, denn wir wissen, wenn wir jetzt etwas tun, gibt es kein langes Verabschieden. Keine Schmerzen. Keinen Kummer.

Das zweite Kapitel handelte darüber, wie wir uns verändert haben. Wir sind erwachsener geworden, vielleicht reifer. Unser Charakter hat sich verändert (und nicht nur unsere Kleidergröße). Wir haben ganz viel darüber gesprochen, wie wir uns in diesem Jahr positiv, vielleicht auch irgendwo negativ, verändert haben. Kaum zu glauben, aber ein Jahr kann eine lange Zeit sein.
Im dritten Kapitel haben wir einzelne Sachen besprochen, wie eine To-Do-Liste führen, bevor wir nach Hause gehen. Das Fitnessstudio kündigen, die Telefongesellschaft, Abschiedsbriefe schreiben, eine Abschiedsparty schmeißen, und, und, und...
Im vierten und somit letztem Kapitel für diesen Tag ging es hauptsächlich um ein Thema; wie hat sich unsere Perspektive auf die Dinge verändert. Auf die Welt, Religionen, Menschen, Kulturen, Länder und Traditionen. Was haben wir für uns eingenommen und daraus gelernt?

Nach diesen Kapitel sind wir an schließlich zu den nahegelegenen Springs gefahren, die ungefähr nur fünf Minuten von uns entfernt lagen. Mit großen Schwimmreifen flossen wir durch den Fluss, einfach ein bisschen vor uns hin geträumt, die Aussicht und den Sommer genossen.


Da es das letzte Treffen war, wurden nicht die Regeln aufgelistet, die wir befolgen müssen. Es wurde nichts wiederholt, das wir normalerweise immer wiederholt hatten. Keine Regeln, keine Gesetzte. Alles war zur Routine geworden. Bekannt und Aufgenommen. Es war durch das Jahr zu einer Gewohnheitssache mutiert. Etwas, was man immer in Gedanken hatte.

Nachdem wir wieder im Camp waren, wurde ein Lagerfeuer angezündet, sodass wir den Tag mit ein paar wunderschönen Stunden beenden konnten...
Liebes Tagebuch, siehst du die Bilder hier? Wir sehen glücklich aus, oder? Das sind wir auch, um die Wahrheit zu sagen.
Auch wenn wir beide wissen, dass wir in einige Wochen zurück in unser Heimland gehen werden, kann ich nicht verleugnen, dass wir an diesem Abend glücklich waren. Der Himmel glänzte mit Sternen und der Mond schien hell über unseren Köpfen hinweg. Aus dem Wald kamen Geräusche. Vielleicht ein Reh, das sich dort verirrt hatte. Oder doch ein Bär, der Austauschschüler als sein nächstes Essen betrachtete. Das Lagerfeuer erhitzte unsere Gesichter, während die Schokolade der Smores über den Flammen schmolz. Auf einmal packte Toni seine Gitarre aus, und nebenbei zehn weitere Instrumente, und spielte Lieder. Leider keine amerikanischen Countrysongs, aber dafür konnten wir alle 'Blank Space' von Taylor Swift singen.




 

Und irgendwie dann passierte es. Zumindest nicht bei mir, aber bei drei anderen Mädels. Schluchzend fielen sie sich um den Hals, während wir schweigend am Feuer saßen. Ich konnte ihre Trauer nachvollziehen, aber selbst habe ich das Gefühl nicht verspürt. Vielleicht lag es auch daran, dass ich nie viel mit den Austauschschülern meiner Gruppe gemacht habe. Meine Freunde habe ich in der Schule gefunden. Oder die meiste Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht. Aber ich habe gewusst, wie sie sich fühlten.

Am nächsten Morgen wurde das Frühstück früher serviert, denn die letzte Aufgabe stand uns bevor; Was wird passieren, wenn wir zurück in unserem Heimatland sind?
Ich werde alle Punkte aufrichten, die an diesem Morgen gefallen waren und auf die ich auch treffen werde. Ich werde nicht meine Lösungen oder Vorschläge verraten, da es noch nicht so weit für mich ist. Und ich glaube, ich möchte mir dieser Sache noch nicht so ganz bewusst werden. Manchmal ist das Ignorieren einfacher als die Realität.
Zuhause werde ich auf diese Punkte stoßen:
  • Familie
  • Freunde
  • Schule
  • Zukunft
  • Heimatland
  • Ich Selbst

Auf einmal bekam jeder Angst, Panik und wurde sichtlich nervös.
Nachdem wir uns ein Leben in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgebaut hatten, sollten wir es jetzt einfach so verlassen? Einen Teil von uns selbst irgendwo vergessen? Wegwerfen?
Und genau das war der knackende Punkt. Man macht kein Auslandsjahr nur um auf seinen Zeugnis gut auszusehen oder um sich bei einer Universität zu bewerben. Man wird auch aufgenommen, ohne irgendwohin gegangen zu sein. Falls es manche zukünftigen Austauschis noch nicht realisiert haben; hier steckt so viel mehr, als nur die Sprache lernen. Ich gebe zu. Am Anfang ging es mir hauptsächlich darum, weshalb ich mich auch für die USA entschieden habe. Aber nach einer Zeit, in der man Freunde gefunden hat, Lehrer, die einem begeistern und man sogar als „große Tochter“ bezeichnet wird, geht es einem nicht nur mehr darum eine Sprache zu lernen.
So sehr ich mich auch auf Zuhause freue, endlich meiner Mama und meinem Papa wieder auf die Nerven gehen will, es kaum erwarten kann meine Freunde zu tyrannisieren, bin ich ein Teil einer Gemeinschaft geworden, von der ich vor einem Jahr noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt.
Ich habe in diesem Jahr viele Menschen kennengelernt, ich bin durch Situationen gegangen, die ich von Zuhause nicht kannte, ich habe, wie jeder gerne einmal sagt, meinen Horizont erweitert. Ich bin mir bewusst, dass sich die Erde in Deutschland nicht aufgehört hat zu drehen, seit ich hier bin. Menschen werden geboren, Menschen sterben. Menschen ziehen um, kriegen eine neue Arbeitsstelle. Freunde gehen auseinander und neue Gruppen entstehen. Die Stufe hat sich verändert, seit ich hier bin. Natürlich habe ich Angst und ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, wie es in Deutschland gerade ist. Ich sehe nur Regen und graue Wolken. Aber ich sehe sie nur, weil ich noch unvorbereitet auf die Heimkehr bin. Ich weiß nicht, wie es wird. Ich habe keine Ahnung. Nicht einmal eine Vorstellung. Aber in einigen Wochen werde ich dazu bereit sein nach Hause zu kehren, aber bis dahin freue ich mich über die Zeit, die mir für die bislang beste Verwirklichung meiner Träume bleibt.

Ich werde meine Freunde hier aber auch vermissen. Die Momente, in denen wir uns schlapp gelacht haben, in denen wir zusammen geweint haben. Ich werde meine Gastfamilie vermissen und auch meine Gastgeschwister, obwohl sie mir manchmal auf die Nerven gehen. Ich werde es vermissen über den amerikanischen Highway zu fahren, in Dunkin Donuts zu essen und fett zu werden mit der Ausrede, dass ich alles ausprobieren muss.
Ich werde einen Teil meines Lebens vermissen – einen Teil, der nur in einem Jahr statt gefunden und mich komplett verändert hat.

In Liebe,
Emilia