Ich
glaube, viele Menschen, vor allem die, die nicht an einem
Thanksgiving Dinner in den Staaten teilgenommen haben, wissen nicht
wirklich, wie es aussieht.
Essen.
Essen und noch mehr Essen.
Essen,
bis man nicht mehr kann, aber an diesem Tag ist nur essen erlaubt.
Köstliches
Essen.
Da
werde ich ja wieder hungrig.
Früh
am Morgen bin ich Fahrrad fahren gegangen, da mich meine
Gastschwester gewarnt hatte, dass am diesen Tag das Hauptthema nur
Essen wäre.
Thanksgiving
wurde in meiner Gastfamilie nicht wirklich groß gefeiert. Am Morgen
hat jeder etwas für sich gemacht, und wir standen nicht alle in der
Küche und haben mitgeholfen. Zwar haben wir einige Vorspeisen
zusammen vorbereitet, aber die meiste Zeit saß Debbie in der Küche
und hat irgendetwas vor sich hin gekocht. Während ich also Sport
getrieben habe, haben meine Gastgeschwister mit den Nachbarskindern
gespielt und Steve war auch mit seinem Bus beschäftigt.
Ich
habe leider auch keine richtige Thanksgiving Stimmung gespürt, da es
nicht wirklich alles so abläuft, wie man es von den amerikanischen
Filme Zuhause kennt. Während wir alle denken, dass man sich hier die
meiste Zeit auf das Familienleben konzentriert und alles dafür gibt,
um beim Familiendinner dabei zu sein, sah es zumindest bei meiner
Familie anders aus. Wir haben uns nicht wirklich in feine Kleidung
geschmissen, sondern haben eher den ganzen Tag in Jogginghose
und
T-Shirt verbracht. Auch war bei uns nicht die gesamte Familie im
Haus; Debbie's Schwester lebt oben in New York, während Steve's
Familie in Indiana sitzt. Auch sind alle Großeltern von meinen
Gastgeschwistern verstorben. Debbie und Steve hatten beide keine
richtigen Traditionen im Hause, da ihre Eltern niemals darauf
geachtet haben. Aus diesem Grund gibt es auch im Hause Thompson keine
richtigen Traditionen, da es beide nicht wirklich von Zuhause kennen.
Zwar hat uns Debbie's Bruder John besucht, jedoch waren wir immer
noch wirklich klein am Tisch vertreten. Ich denke, dass es in anderen
Gastfamilien anders aussah, während bei mir es einfach wie ein ganz
normales Dinner erschien. Vielleicht hat auch einfach nur die
Stimmung gefehlt, da in Florida nie Schnee fällt und manche Menschen
noch niemals Schnee gesehen haben. Zwar werden die Tage kürzer und
kälter, doch wirklich Winter ist hier nie zu spüren. Vielleicht ein
Cocktail von der Frische des Frühlings und den Farben des Herbstes
kann man hier finden, aber wirklich Winter? Nein.
Um
ca.12 Uhr haben wir allerdings wirklich zusammen in der Küche
geholfen und alles auf die Beine gestellt, damit wir auch um 1 Uhr
essen konnten. Wir haben wirklich früh gegessen, aber es hat mir
zumindest nichts ausgemacht. Die letzten Vorbereitungen wurden
getroffen, der Tisch wurde gedeckt, die Speisen wurden aufgerichtet
und wir haben uns alle fertig gemacht. Sogar die Weihnachtsdekoration
wurde zur Hälfte ausgepackt und wir konnten einige Geschenke schon
unter den Weihnachtsbaum legen.
Es ist hier typisch, dass man nach
Thanksgiving schon herrlich geschmückte Häuser sieht. Aber davon
erzähle ich euch später! Ich bin mir sicher, dass ihr gerne wissen
würdet, wie viel Kilos ich an diesem Tag zugelegt habe. Ich habe
keine Ahnung, aber von den köstlichen Speisen konnte man wirklich
zunehmen;
- Truthahn
- Maisbrot
- Kürbisbrot
- Erdbeeren
- Äpfel
- Kartoffeln
- Möhren
- Schokoladenkekse
Bevor
wir allerdings angefangen haben zu essen, haben wir wie üblich
gebetet und gesagt, für welche Dinge wir in unserem Leben dankbar
sind. Nachdem Essen sind meine Gastgeschwister zu deren Freunden
gegangen, haben gespielt und im Grunde war der Tag ein wirklicher
Pyjamatag. Man hat nicht wirklich etwas gemacht. Am Abend sind wir
noch ans Lagerfeuer von Freunden gegangen, haben geredet oder – wie
ich – sind fast eingeschlummert, da man müde vom Nichts tun war.
Einige
Background-Infos;
Weshalb
wir dieses Fest feiern und es als größtes Familienfest in den United
States of America gilt? Thanksgiving wird immer am letzten
Donnerstag im Jahr gefeiert. In Kanada ist es schon der zweite Montag
im Oktober, und beide Thangsgivingfeste haben nicht viel mit einander
zu tun.
Viele
Menschen aus Europa sind nach Amerika gekommen und wollten hier ein
neues Leben aufbauen. Amerika hat viele neue Ressource geboten und
die Menschen haben neue Länder und Kontinente gesucht. Diese
sogenannten Menschen werden auch als Pilgerväter beschrieben. Das
Problem war allerdings, dass sie auf den neuen Kontinenten auch auf
neue Umstände trafen.
Nachdem
viele Menschen in der „Neuen Welt“ wegen Hungersnöten gestorben
sind, haben sie Hilfe bei den Indianern, auch Native Americans,
gesucht. Diese haben ihnen gezeigt, wie man einheimische Pflanzen
pflanzt. Ein Jahr darauf gab es eine gute Ernte, worauf das
Erntedankfest gefeiert wurde und man die Früchte, das Gemüse und
das Fleisch miteinander teilte. Das erste bekannte Thanksgiving wurde
am 23.Mai 1541 in Texas gefeiert.
Diese
Geschichte wird allerdings nur uns Menschen vorgezeigt. Die Wahrheit
findet nur selten ihren Weg. Ihr müsst dabei beachten, auch wenn es
noch so traurig ist, dass hierbei auch eine andere Geschichte ihre
Rolle spielt. Die Einwanderer aus Europa haben nicht immer ihr Essen
mit den „Rothäutigen“ geteilt und haben weder an ihre Tür
geklopft, noch um Hilfe gebetet. Die Einwanderer haben Native
Americans versklavt, ihr Leben missbraucht und sie am Ende auch
getötet. Die Ureinwohner hatten keine andere Möglichkeiten als zu
helfen. Heute werden Amerikaner mit wirklichen Native American
Ursprung für diese Dinge entschädigt; sie müssen nicht alle
Gebühren (Merkwerkssteuern) bezahlen und auch der Staat gibt ihnen
eine gewisse Summe an Geld zurück. Aber wirklich die Zeit
zurücksetzen, kann man nicht.
Amerikaner
sind nicht wirklich verrückt nach Thanksgiving, sondern nach Black
Fridays. Meine Gastmama, Hannah, Hannah's Freundin Paula und ich sind
zum Einkaufen in die Mall gefahren und wurden von der größten
Menschenmenge überhaupt begrüßt. Dieser Tag ist einfach bekannt
dafür, dass man haufenweise Geld für Geschenke oder für sich
selbst ausgibt. Überall gibt es Rabatte, die Preise werden gesenkt
und man kauft alles, was man im Endeffekt niemals brauchen, benutzen
oder auch nur anziehen wird.
Am
Freitag wurde dann auch die restliche Dekoration für den Winter und
für Weihnachten in meiner Nachtbarschaft aufgestellt. Meine Nachbarn
sind von ihren Lichtern unglaublich begeistert, wobei ich in meinen
Kopf nur einen kleinen Hilfeschrei aus mir heraus bringen konnte. Es
ist einfach nicht typisch für mich so viele grelle Lichter auf
einmal zu sehen. Jim, ein großer, kräftiger Feuerwehrmann mit
dessen Sohn ich im Bus fahre, hat mich sogar zwei mal gefragt, ob es
nicht zu wenig Lichter seien. Obwohl ich zwei mal betont wiederholt
habe, dass das Haus wunderschön genug aussieht, hat er einen Karton
nach dem anderen herausgeholt, um auch die kleinste Ecke des Hauses
mit Lichtern zu schmücken!
Es gibt aber auch andere Häuser in der
Nachbarschaft, die mich von den Socken reißen – und zwar nicht in
einer positiven Art und Weise.
Bislang
hat mich nur ein Haus wirklich begeistert und es war das, mit dem
funkelnden Lichterbaum. Schon von weiten kann man die Lichter sehen
und wenn man direkt darunter steht, ist es wie in einem Traum. Ich
liebe es. Aber vielleicht bekomme ich ja noch mehr vom
Weihnachtlichen Gefühl zu spüren. Die nächsten Bilder werden auf jeden Fall noch kommen! ;)
Bis
dahin, Emilia