Nein, unter den Sternen habe ich leider nicht geschlafen. Dies war
mir aber auch persönlich lieber, da ich selbst in Florida friere!
Vom 6 bis zum 9 November waren meine Gastfamilie und ich campen in
der Nähe von Dade City, an der Westküste Floridas, und was ich euch jetzt schon sagen kann; es
war eine unglaubliche Erfahrung!
Nachdem Dutchess zu Freunden gebracht worden war, wir unsere Kleidung
irgendwie verstaucht hatten, die Kochtöpfe und Pfannen auch in
irgendeiner Weise untergebracht waren, konnte unsere kleine Reise
beginnen. Meine Gastfamilie liebt es campen zu gehen, in der freien
Natur zu sein und einfach alles zu genießen. In dem ersten Moment,
in welchem ich vieles über meine Gastfamilie erfahren und die Akten
durchgelesen habe, war ich ein kleines bisschen schockiert und
beängstigt, da ich überhaupt nicht die Person bin, die man mit zu
einem Campingausflug mitnehmen sollte. Aber wenn ich ehrlich bin,
habe ich es genossen.
Nebenbei müsst Ihr erfahren, dass ich – Emilia Nowak, die
Streberin höchstpersönlich – sogar (freiwillig und ungezwungen)
die Schule geschwänzt habe, um mir einen ganz persönlichen Traum
erfüllen zu können. Am 6. November sind wir früh aufgestanden, da
es zwei Stunden dauern würde, bis wir unsere erste Station erreichen
würden; Disney World.
Meine Gasteltern wollten mir zumindest einen kleinen Teil Floridas
zeigen und natürlich den Mittelpunkt des Sonnenschein-Staates
schlechthin. Der Campingplatz würde uns erst um ca. 17 Uhr aufnehmen
und daher hatten wir auch Zeit um durch den Ort zu schlendern, an
welchem Träume wahr werden. Ich war aufgeregt. Ich saß quietschend
wie ein Reifenwagen in unserem Auto und als ich dann auch endlich das
Disneyzeichen gesehen habe, konnte ich es einfach nicht mehr erwarten
endlich da zu sein. Wir sind nicht in den Park gegangen, da ich mit
meiner Organisation gehen werde. Dafür waren wir in Downtown Disney.
Es ist ein unglaubliches Gefühl nach Disney zu gehen – von überall
könnt ihr die Soundtracks verschiedener Disneyfilme hören, kleine
Prinzessinnen laufen mit ihren Krönchen umher, Statuen von allen
Charaktären sind zu sehen. Es ist eine Welt – eine Welt für sich
und für niemand anderen. Es ist ein Traum, in den ihr eintauchen
könnt. Ihr könnt wieder Kind werden und es muss niemanden peinlich
sein, denn niemand ist zu alt für Disney. Der Geruch von Fantasie
treibt euch an mitzumachen und einfach alle Gedanken fallen zu
lassen. Die Musik von so vielen geliebten Geschichten setzt euch zu
und ihr könnt nicht anders. Ihr könnt einfach nichts dagegen tun,
als euch in den Bann fallen zu lassen.
Ihr könnt die Lieder mitsingen, ihr könnt vorgeben eine Prinzessin
zu sein, die auf ihren Prinzen wartet und ihr könnt einfach vor euch
hinträumen, weil es niemanden interessiert, was ihr macht, denn alle
anderen Menschen in Disney tun es auch. Und seid bitte ehrlich zu
euch selbst und für mich; wer zum Kuckuck würde denn nicht gerne
durch die Luft mit einem Teppich sausen und mit sprechenden Kerzen
durch die Gegend tanzen? Na also, da haben wir es doch! Innerlich
würde doch jeder einmal gerne mit Elsa Schlitten fahren und ein Date
mit Prinz Eric haben wollen. ;) Schämt euch nicht – ich glaube,
alle würden vor Eifersucht betrunken sein! Und falls euch
irgendjemand damit aufzieht, dass ihr Disney mögt, verwandelt diese
Person doch einfach in eine Kröte. Wer weiß, wie lange es dauern
würde, bis diese von einem Auto überfahren wird. :D
In Rainforest Cafe haben wir unser Mittagessen gegessen. Das
Restaurant ist einfach nur berauschend – ihr könnt Gorillas in den
Ästen sitzen sehen, Affen, die sich vom Baum zu Baum schwingen,
Jaguars, die auf ihre Beute warten und andere wilde Tiere. Durch die
Dekoration habt ihr das Gefühl im Urwald zu stecken und kaum die
Möglichkeit zu haben dort lebendig heraus zu kommen. Alles schimmert
und glänzt in waldgrünen Farben und niemals zuvor gesehenen
Pflanzen. Es ist eine Show für sich dort essen gehen zu können.
Auch die Hotels dort sind überirdisch schön. Sie sind mehr als nur
traumhaft. Aber dafür auch für Leute gemacht, die es sich leisten
können in Disney für mehrere Tage zu bleiben, falls man denn auch
die anderen Parks besuchen möchte. Disney World ist aufgebaut wie
eine Stadt. Es ist groß – wirklich groß! Und auch eben teuer.
Eine Nacht für eine Person.... ich könnte es mir nicht leisten dort
hinzugehen. Vielleicht später, wenn ihr älter aussehe, aber immer
noch verrückt nach Disney bin.
Nachdem wir unseren kleinen Shoppingtrip beendet haben, sind wir auch
weitergefahren.
Disney werde ich besser beschreiben, wenn ich wirklich im Park
gewesen bin und nicht nur von der Ferne das berauschende Schloss
gesehen habe! :)
In unserem Camp angekommen, haben Hannah und ich eine depressive
Kurzphase durchmachen müssen. Hannah ist praktisch im Auto
gestorben, während ich mich noch halbwegs über Wasser halten
konnte. Wir waren in der Mitte vom Nirgendwo. Falls ihr jemals den
Film 'Twilight' gesehen habt, dann wisst ihr genau wie die Stadt
Forks aussieht und beschrieben wird. Es gab keine Geschäfte und
Läden, jedes Haus hatte einen gigantischen Garten, es gab nur wenige
große Gebäude und überall war Wald. Es war grün, ein herrliches
Grün. Aber da war nichts anderes – es war einfach in der Mitte vom
Nirgendwo.
Die Nacht würden wir in einer kleinen Hütte verbringen. Während
meine Gasteltern und Gastgeschwister in kurzen Hosen und T-Shirts
schliefen, war ich eingepackt in langen Jogginghosen, den dicksten
Schlafsack, den meine Gastmama auftreiben konnte, da sie genau
wusste, dass ich frieren würde. Und natürlich einer warmen Jacke.
Auch wenn ihr es nicht glauben mögt, auch in Florida wird es kälter.
Zwar ist diese Kälte unserem Spätsommer oder Herbstanfang ähnlich,
aber trotzdem ist sie da.
Die Natur kann man nicht mit Deutschland vergleichen. Es sieht
einfach anders aus und es riecht auch anders. Die Bäume sind grüner
und die Luft ist dünner. Ihr spürt die Laute von wilden Tieren,
Eulen und Waschbären. Ihr hört die knackenden Äste unter euren
Schuhen und die knirschenden Steine. Für jede Person, die es liebt
zu schreiben; es war der perfekte Ort. Ihr könnt euch in den
Schatten der wachsenden Riesen hinsetzen und nichts anderes machen,
außer zu schreiben. Einfach alle Gedanken und Wahrnehmungen zu
Papier zu bringen und an nichts anderes zu denken, als an die Dinge,
die euch umkreisen. Wie ihr sieht, ich könnte mal wieder tausende
Liebesgeschichten zu Papier bringen, aber leider habe ich nicht die
Zeit dafür.
Und in der Nacht? Die Nächte in den Wäldern Floridas sind zum
Träumen gemacht. Alle Gruselgeschichten sind hier entstanden, das
Gefühl habe ich zumindest gehabt, als ich Mitten in der Nacht zum
Badezimmer musste. Der Mond zeigte mir seine volle Pracht; silbern
und hell. Neben unserer Kabine war eine kleine Kirche aus Holz. Das
'Exit'-Zeichen leuchtete so stark, dass das Innere der Kirche in
einen dunklem Rot erleuchtet war. Die Kirche hatte keine
Fenstergläser. Ich habe mich noch nie vor einer Kirche gefürchtet,
aber wenn ihr dies gesehen hätten, wäret ihr euch zitternd
weitergelaufen. Von überall konntet ihr irgendwelche Geräusche
hören – und natürlich hat euch eure Fantasie tausend Streiche
gespielt. Waschbären haben im Untergrund Laute produziert, die euch
bis zu den Knochen erschüttert hätten. Als ich dann auch noch eine
Eule und ein Reh gehört habe, bin ich gerannt. Und ihr seht mich nie
rennen! Aber zumindest hatte mich dieses kleine Abenteuer wieder zum
Träumen gebracht.
Gekocht und gegessen wurde in unserer Kabine, während es (NUR!) eine
Dusche gab, die man dann auch benutzten konnte. Wir haben
Fleischbällchen über einem Lagerfeuer gegrillt, heiße Schokolade
mit Marshmellows getrunken, zugenommen, Walking Takos gegessen,
Hotdogs, ganz viele Chocolate Chip Cookies verschlungen und noch mehr
zugenommen.
Am Sonntag, bevor wir abgereist sind, sind meine Gastfamilie und ich
die Wälder erforschen gegangen, wobei diese Bilder hier entstanden
sind.
Am Freitag waren wir schwimmen.
Aber da wir natürlich die Natur lieben, waren wir nicht am Meer,
sondern in den „Three Sisters Springs“, in welchen wir dann auch
Sehkühe und ihre Babys betrachten konnten. Die Bäume und der Fluss
waren... wie waren sie? Sie haben mich zum Nachdenken gebracht.
Natürlich fragt ihr euch, wie ich das meine.
Sie waren schön. Schön und beruhigend. Es war still und ich glaube,
das war mein Problem. Bevor ihr Austauschschüler seid, habt ihr
ungefähr eine Idee, was ihr später einmal machen möchtet. Ihr habt
einen ungefähren Plan. Mein Plan war es immer eine
Austauschschülerin zu sein und die englische Sprache zu lernen. Nach
dem Auslandsjahr würde ich mein Abitur machen, Psychologie studieren
und auswandern. Ich würde heiraten, drei Kinder haben und zwei
Dalmatiner. Ich würde in den Vereinigten Staaten von Amerika leben
und ein Haus besitzen. Vielleicht auch ein schönes Auto, was weiß
ich. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich das wirklich will.
Natürlich möchte ich die Schule beenden und studieren und
auswandern, aber was ist mit den anderen Dingen? Ich hatte immer nur
vor Augen, wann was passieren wird. 2017 – Abitur. 2022 –
Heiraten. 2024 – Doktortitel. 2026 – Auswandern. Aber kann man
alles im Leben planen? Nein.
Aber was, wenn Gott andere Pläne für mich hat, von denen ich
einfach noch nichts weiß? Ich weiß, was ich gerne tun würde, wie
ich mein Leben gestalten will, aber vielleicht ist da doch etwas, von
dem ich noch nichts weiß? Etwas kleines, praktisch Unsichtbares.
Während meiner fast dreimonatigen Zeit hier hatte ich nicht die Zeit
darüber nachzudenken, aber dort, an diesem einsamen Ort, wo alles
einfach so klar schien, konnte ich nachdenken. Ich habe meinen Plan A
gefunden, aber vielleicht brauche ich eben doch noch einen Plan B,
falls es doch nicht in die Richtung läuft, in die es laufen sollte.
Doch eine Sache kann ich allen zukünftigen Austauschschülern und
jedem raten;
ihr könnt planen so viel ihr möchtet, eure schulische Ausbildung,
euer Studium, wie ihr euren zukünftigen Partner findet, eure
Hochzeit (was ich schon gemacht habe), aber es wird immer anders
kommen, als ihr denkt. Wenn das Leben planbar wäre, wäre es
langweilig. Oder möchtet ihr schon alles wissen, was ihr erleben
werdet? Wer hätte gedacht, dass ich einmal einen Blog schreiben
werde über ein Auslandsjahr? Ich bin ehrlich; ich hätte nicht
einmal darüber fantasiert. Ihr solltet die Dinge genießen, die euch
in den Weg geworfen werden. Ob gut oder schlecht. Sie haben einen
Grund, weshalb sie da sind, denn sie gehören zu eurer persönlichen
Geschichten. Ihr werdet sie nie in einem Buch finden. Wartet nicht
darauf, genießt es, bevor es vorbei ist.
Eine Sache aber werde ich auf jeden Fall machen;
Mir einen VW BUS anschaffen! :D
Sorry Papa. Spare lieber für mein zukünftiges Auto!
Am Samstag waren wir nämlich auf einer Volkswagen Bus Show, da mein
Gastpapa total in diesen Dingern verliebt ist und fünf Zuhause in
Indiana stehen hat. Und welche es dort gab! In allen verschiedenen
Farben und großen und Ausstattung, von der ich noch nie was gehört
habe in meinem bisherigen Leben. Mein persönlicher Bus ist mir dann
ins Auge gesprungen, als ich umher geschlendert bin und ganz viele
Photos gemacht habe; mintgrün mit einer Couch im Inneren und Boxen,
um Musik zu hören. Aber...ABER!... Auf dem Dach gab es zwei süße
Schnuckelputzel, die mein Herz zum Beben gebracht haben; Surfboards!
Aber ich habe auch andere Busse gesehen mit Küchen und Betten im
Inneren. Die Auswahl war einfach mega! Nebenbei konnte man dann auch
noch T-Shirts, Jacken und Pullover kaufen. Steve hat sich aber
entschieden nur Einzelteile zu kaufen, anstatt meinen dunkelblauen VW
Bus mit einem Surfboard für mich.
(Ich glaube, die Person wusste, dass ich mich in dem Baby verlieben
würde!)
Wie ihr sehen könnt, mein Wochenende war sehr aufregend und
vielfältig! Nebenbei haben wir natürlich auch einen Abstecher an die Küste gemacht. Auf dem Bild könnt ihr meine Gastfamilie sehen und Steve's Bruder Rex und seine Lebensgefährtin Jackie.
Am Sonntag sind wir dann auch glücklich Zuhause angekommen –
traues Heim, Glück allein.
Für mich war dies einfach eine ganz andere Welt, da ich niemals
zuvor richtig campen war. Ein weiteres Mal würde ich es machen, und
auch ein drittes Mal, aber ich ziehe es doch schon eher vor an einem
Ort zu bleiben, an welchem ich meine ganz persönliche Dusche habe!
:D
Liebe Grüße, Emilia ;)
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