Mittwoch, 12. November 2014

Schlafen unter den Sternen Amerikas!

Nein, unter den Sternen habe ich leider nicht geschlafen. Dies war mir aber auch persönlich lieber, da ich selbst in Florida friere! Vom 6 bis zum 9 November waren meine Gastfamilie und ich campen in der Nähe von Dade City, an der Westküste Floridas, und was ich euch jetzt schon sagen kann; es war eine unglaubliche Erfahrung!

Nachdem Dutchess zu Freunden gebracht worden war, wir unsere Kleidung irgendwie verstaucht hatten, die Kochtöpfe und Pfannen auch in irgendeiner Weise untergebracht waren, konnte unsere kleine Reise beginnen. Meine Gastfamilie liebt es campen zu gehen, in der freien Natur zu sein und einfach alles zu genießen. In dem ersten Moment, in welchem ich vieles über meine Gastfamilie erfahren und die Akten durchgelesen habe, war ich ein kleines bisschen schockiert und beängstigt, da ich überhaupt nicht die Person bin, die man mit zu einem Campingausflug mitnehmen sollte. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich es genossen.

Nebenbei müsst Ihr erfahren, dass ich – Emilia Nowak, die Streberin höchstpersönlich – sogar (freiwillig und ungezwungen) die Schule geschwänzt habe, um mir einen ganz persönlichen Traum erfüllen zu können. Am 6. November sind wir früh aufgestanden, da es zwei Stunden dauern würde, bis wir unsere erste Station erreichen würden; Disney World.
Meine Gasteltern wollten mir zumindest einen kleinen Teil Floridas zeigen und natürlich den Mittelpunkt des Sonnenschein-Staates schlechthin. Der Campingplatz würde uns erst um ca. 17 Uhr aufnehmen und daher hatten wir auch Zeit um durch den Ort zu schlendern, an welchem Träume wahr werden. Ich war aufgeregt. Ich saß quietschend wie ein Reifenwagen in unserem Auto und als ich dann auch endlich das Disneyzeichen gesehen habe, konnte ich es einfach nicht mehr erwarten endlich da zu sein. Wir sind nicht in den Park gegangen, da ich mit meiner Organisation gehen werde. Dafür waren wir in Downtown Disney.






Es ist ein unglaubliches Gefühl nach Disney zu gehen – von überall könnt ihr die Soundtracks verschiedener Disneyfilme hören, kleine Prinzessinnen laufen mit ihren Krönchen umher, Statuen von allen Charaktären sind zu sehen. Es ist eine Welt – eine Welt für sich und für niemand anderen. Es ist ein Traum, in den ihr eintauchen könnt. Ihr könnt wieder Kind werden und es muss niemanden peinlich sein, denn niemand ist zu alt für Disney. Der Geruch von Fantasie treibt euch an mitzumachen und einfach alle Gedanken fallen zu lassen. Die Musik von so vielen geliebten Geschichten setzt euch zu und ihr könnt nicht anders. Ihr könnt einfach nichts dagegen tun, als euch in den Bann fallen zu lassen.
Ihr könnt die Lieder mitsingen, ihr könnt vorgeben eine Prinzessin zu sein, die auf ihren Prinzen wartet und ihr könnt einfach vor euch hinträumen, weil es niemanden interessiert, was ihr macht, denn alle anderen Menschen in Disney tun es auch. Und seid bitte ehrlich zu euch selbst und für mich; wer zum Kuckuck würde denn nicht gerne durch die Luft mit einem Teppich sausen und mit sprechenden Kerzen durch die Gegend tanzen? Na also, da haben wir es doch! Innerlich würde doch jeder einmal gerne mit Elsa Schlitten fahren und ein Date mit Prinz Eric haben wollen. ;) Schämt euch nicht – ich glaube, alle würden vor Eifersucht betrunken sein! Und falls euch irgendjemand damit aufzieht, dass ihr Disney mögt, verwandelt diese Person doch einfach in eine Kröte. Wer weiß, wie lange es dauern würde, bis diese von einem Auto überfahren wird. :D
In Rainforest Cafe haben wir unser Mittagessen gegessen. Das Restaurant ist einfach nur berauschend – ihr könnt Gorillas in den Ästen sitzen sehen, Affen, die sich vom Baum zu Baum schwingen, Jaguars, die auf ihre Beute warten und andere wilde Tiere. Durch die Dekoration habt ihr das Gefühl im Urwald zu stecken und kaum die Möglichkeit zu haben dort lebendig heraus zu kommen. Alles schimmert und glänzt in waldgrünen Farben und niemals zuvor gesehenen Pflanzen. Es ist eine Show für sich dort essen gehen zu können.





Auch die Hotels dort sind überirdisch schön. Sie sind mehr als nur traumhaft. Aber dafür auch für Leute gemacht, die es sich leisten können in Disney für mehrere Tage zu bleiben, falls man denn auch die anderen Parks besuchen möchte. Disney World ist aufgebaut wie eine Stadt. Es ist groß – wirklich groß! Und auch eben teuer. Eine Nacht für eine Person.... ich könnte es mir nicht leisten dort hinzugehen. Vielleicht später, wenn ihr älter aussehe, aber immer noch verrückt nach Disney bin.
Nachdem wir unseren kleinen Shoppingtrip beendet haben, sind wir auch weitergefahren.
Disney werde ich besser beschreiben, wenn ich wirklich im Park gewesen bin und nicht nur von der Ferne das berauschende Schloss gesehen habe! :)

In unserem Camp angekommen, haben Hannah und ich eine depressive Kurzphase durchmachen müssen. Hannah ist praktisch im Auto gestorben, während ich mich noch halbwegs über Wasser halten konnte. Wir waren in der Mitte vom Nirgendwo. Falls ihr jemals den Film 'Twilight' gesehen habt, dann wisst ihr genau wie die Stadt Forks aussieht und beschrieben wird. Es gab keine Geschäfte und Läden, jedes Haus hatte einen gigantischen Garten, es gab nur wenige große Gebäude und überall war Wald. Es war grün, ein herrliches Grün. Aber da war nichts anderes – es war einfach in der Mitte vom Nirgendwo.
Die Nacht würden wir in einer kleinen Hütte verbringen. Während meine Gasteltern und Gastgeschwister in kurzen Hosen und T-Shirts schliefen, war ich eingepackt in langen Jogginghosen, den dicksten Schlafsack, den meine Gastmama auftreiben konnte, da sie genau wusste, dass ich frieren würde. Und natürlich einer warmen Jacke. Auch wenn ihr es nicht glauben mögt, auch in Florida wird es kälter. Zwar ist diese Kälte unserem Spätsommer oder Herbstanfang ähnlich, aber trotzdem ist sie da.
Die Natur kann man nicht mit Deutschland vergleichen. Es sieht einfach anders aus und es riecht auch anders. Die Bäume sind grüner und die Luft ist dünner. Ihr spürt die Laute von wilden Tieren, Eulen und Waschbären. Ihr hört die knackenden Äste unter euren Schuhen und die knirschenden Steine. Für jede Person, die es liebt zu schreiben; es war der perfekte Ort. Ihr könnt euch in den Schatten der wachsenden Riesen hinsetzen und nichts anderes machen, außer zu schreiben. Einfach alle Gedanken und Wahrnehmungen zu Papier zu bringen und an nichts anderes zu denken, als an die Dinge, die euch umkreisen. Wie ihr sieht, ich könnte mal wieder tausende Liebesgeschichten zu Papier bringen, aber leider habe ich nicht die Zeit dafür.
Und in der Nacht? Die Nächte in den Wäldern Floridas sind zum Träumen gemacht. Alle Gruselgeschichten sind hier entstanden, das Gefühl habe ich zumindest gehabt, als ich Mitten in der Nacht zum Badezimmer musste. Der Mond zeigte mir seine volle Pracht; silbern und hell. Neben unserer Kabine war eine kleine Kirche aus Holz. Das 'Exit'-Zeichen leuchtete so stark, dass das Innere der Kirche in einen dunklem Rot erleuchtet war. Die Kirche hatte keine Fenstergläser. Ich habe mich noch nie vor einer Kirche gefürchtet, aber wenn ihr dies gesehen hätten, wäret ihr euch zitternd weitergelaufen. Von überall konntet ihr irgendwelche Geräusche hören – und natürlich hat euch eure Fantasie tausend Streiche gespielt. Waschbären haben im Untergrund Laute produziert, die euch bis zu den Knochen erschüttert hätten. Als ich dann auch noch eine Eule und ein Reh gehört habe, bin ich gerannt. Und ihr seht mich nie rennen! Aber zumindest hatte mich dieses kleine Abenteuer wieder zum Träumen gebracht.
Gekocht und gegessen wurde in unserer Kabine, während es (NUR!) eine Dusche gab, die man dann auch benutzten konnte. Wir haben Fleischbällchen über einem Lagerfeuer gegrillt, heiße Schokolade mit Marshmellows getrunken, zugenommen, Walking Takos gegessen, Hotdogs, ganz viele Chocolate Chip Cookies verschlungen und noch mehr zugenommen.
Am Sonntag, bevor wir abgereist sind, sind meine Gastfamilie und ich die Wälder erforschen gegangen, wobei diese Bilder hier entstanden sind.










Am Freitag waren wir schwimmen.
Aber da wir natürlich die Natur lieben, waren wir nicht am Meer, sondern in den „Three Sisters Springs“, in welchen wir dann auch Sehkühe und ihre Babys betrachten konnten. Die Bäume und der Fluss waren... wie waren sie? Sie haben mich zum Nachdenken gebracht. Natürlich fragt ihr euch, wie ich das meine.
Sie waren schön. Schön und beruhigend. Es war still und ich glaube, das war mein Problem. Bevor ihr Austauschschüler seid, habt ihr ungefähr eine Idee, was ihr später einmal machen möchtet. Ihr habt einen ungefähren Plan. Mein Plan war es immer eine Austauschschülerin zu sein und die englische Sprache zu lernen. Nach dem Auslandsjahr würde ich mein Abitur machen, Psychologie studieren und auswandern. Ich würde heiraten, drei Kinder haben und zwei Dalmatiner. Ich würde in den Vereinigten Staaten von Amerika leben und ein Haus besitzen. Vielleicht auch ein schönes Auto, was weiß ich. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich das wirklich will. Natürlich möchte ich die Schule beenden und studieren und auswandern, aber was ist mit den anderen Dingen? Ich hatte immer nur vor Augen, wann was passieren wird. 2017 – Abitur. 2022 – Heiraten. 2024 – Doktortitel. 2026 – Auswandern. Aber kann man alles im Leben planen? Nein.








Aber was, wenn Gott andere Pläne für mich hat, von denen ich einfach noch nichts weiß? Ich weiß, was ich gerne tun würde, wie ich mein Leben gestalten will, aber vielleicht ist da doch etwas, von dem ich noch nichts weiß? Etwas kleines, praktisch Unsichtbares. Während meiner fast dreimonatigen Zeit hier hatte ich nicht die Zeit darüber nachzudenken, aber dort, an diesem einsamen Ort, wo alles einfach so klar schien, konnte ich nachdenken. Ich habe meinen Plan A gefunden, aber vielleicht brauche ich eben doch noch einen Plan B, falls es doch nicht in die Richtung läuft, in die es laufen sollte. Doch eine Sache kann ich allen zukünftigen Austauschschülern und jedem raten;
ihr könnt planen so viel ihr möchtet, eure schulische Ausbildung, euer Studium, wie ihr euren zukünftigen Partner findet, eure Hochzeit (was ich schon gemacht habe), aber es wird immer anders kommen, als ihr denkt. Wenn das Leben planbar wäre, wäre es langweilig. Oder möchtet ihr schon alles wissen, was ihr erleben werdet? Wer hätte gedacht, dass ich einmal einen Blog schreiben werde über ein Auslandsjahr? Ich bin ehrlich; ich hätte nicht einmal darüber fantasiert. Ihr solltet die Dinge genießen, die euch in den Weg geworfen werden. Ob gut oder schlecht. Sie haben einen Grund, weshalb sie da sind, denn sie gehören zu eurer persönlichen Geschichten. Ihr werdet sie nie in einem Buch finden. Wartet nicht darauf, genießt es, bevor es vorbei ist.

Eine Sache aber werde ich auf jeden Fall machen;
Mir einen VW BUS anschaffen! :D
Sorry Papa. Spare lieber für mein zukünftiges Auto!
Am Samstag waren wir nämlich auf einer Volkswagen Bus Show, da mein Gastpapa total in diesen Dingern verliebt ist und fünf Zuhause in Indiana stehen hat. Und welche es dort gab! In allen verschiedenen Farben und großen und Ausstattung, von der ich noch nie was gehört habe in meinem bisherigen Leben. Mein persönlicher Bus ist mir dann ins Auge gesprungen, als ich umher geschlendert bin und ganz viele Photos gemacht habe; mintgrün mit einer Couch im Inneren und Boxen, um Musik zu hören. Aber...ABER!... Auf dem Dach gab es zwei süße Schnuckelputzel, die mein Herz zum Beben gebracht haben; Surfboards!
Aber ich habe auch andere Busse gesehen mit Küchen und Betten im Inneren. Die Auswahl war einfach mega! Nebenbei konnte man dann auch noch T-Shirts, Jacken und Pullover kaufen. Steve hat sich aber entschieden nur Einzelteile zu kaufen, anstatt meinen dunkelblauen VW Bus mit einem Surfboard für mich.
(Ich glaube, die Person wusste, dass ich mich in dem Baby verlieben würde!)







Wie ihr sehen könnt, mein Wochenende war sehr aufregend und vielfältig! Nebenbei haben wir natürlich auch einen Abstecher an die Küste gemacht. Auf dem Bild könnt ihr meine Gastfamilie sehen und Steve's Bruder Rex und seine Lebensgefährtin Jackie.
 
Am Sonntag sind wir dann auch glücklich Zuhause angekommen – traues Heim, Glück allein.
Für mich war dies einfach eine ganz andere Welt, da ich niemals zuvor richtig campen war. Ein weiteres Mal würde ich es machen, und auch ein drittes Mal, aber ich ziehe es doch schon eher vor an einem Ort zu bleiben, an welchem ich meine ganz persönliche Dusche habe! :D

Liebe Grüße, Emilia ;)

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