Wie ihr es schon von meiner Gastfamilie kennt, waren wir wieder einmal campen vom 18.02. bis zum 23.02. Diesmal in Mount Dora, einer kleinen, ländlichen Stadt in mitten Floridas.
Wie ihr es schon vermutlich von meinen anderen Campingtrip Berichten kennt, wurde ich auch dieses mal, mehr oder weniger, von der Schule befreit. Es ist viel Arbeit den Camper auf und ab zu bauen, weshalb es sich mehr lohnt einige Tage wegzugehen, anstatt nur ein Wochenende. Da die Schule hier anders aber funktioniert als in Deutschland, werde ich alle Hausaufgaben aufholen müssen, sobald ich wieder in Boca bin.
Sehr früh am Morgen haben wir einen Abstecher in Dunkin Donuts gemacht, haben uns Donuts geholt (Gosh, ich liebe diesen Shop und ich empfehle jeden zukünftigen, amerikanischen Austauschschüler dorthin zu gehen!) und sind dann weitergefahren. Während mein Gastvater zu unserem Campground gefahren ist, um alles aufzubauen, sind meine Gastmutter, Gastgeschwister und ich nach Downtown Disney gesegelt, wo man sich die Zeit in Souvenirläden vertreiben kann.
Das Erste, was wir aufgefallen ist, war die zuckersüße Stimmung, welche in der Luft wie Zuckerwatte schwebte; Disneysongs wurden abgespielt, altbekannte Charakterfiguren sah man lächelnd an den Wänden stehen und man fühlte sich wieder wie eine kleine Prinzessin. Ich glaube, genau dies ist das Besondere an Disney. Es spielt keine Rolle, wie alt man ist; man findet immer wieder den Weg zurück. Nachdem reichlich eingekauft und von dem Prinzen auf dem weißen Ross geträumt wurde, haben wir uns wieder auf unserem Weg zum Campground gemacht.
Als wir angekommen sind, erstreckte sich vor unseren Augen eine wunderschöne Waldlandschaft und ein endloser See. Es war nicht wie das erste Mal, in welchen wir am Ende der Welt waren und man jedes mal Angstzustände bekam, wenn man nachts auf die Toilette musste. Der Campground war alles andere als leer, jedoch nicht von allen Seiten besetzt. Der Campingplatz war auch wesentlich kleiner als der in Chassahowitzka. Es gab überall Bäume, die mit spanischen Moos besetzt waren, einen Boardwalk, ein Holzweg inmitten des Sumpfes, umrandet bei exotischen und mir unbekannten Pflanzen, auf welchen man spazieren konnte und natürlich einen Pfad durch den Wald.
Es war so schön kurz vor der Abenddämmerung wandern zu gehen, die Stille zu genießen und nichts anderes zu machen, als wieder diese frische Luft einzuatmen, die man in der Großstadt nicht finden kann. Es war stiller. Nicht wurde durch Autohupen unterbrochen, man hörte keine Fernsehgeräusche, keine schreienden Kinder, kein etwas, was die Stimmung vermieste. Man konnte eher seine eigenen Gedanken Räder schlagen hören, das eigene Herzklopfen und die Natur; singende Vögel, raschelnde Blätter und das beruhigende Geräusch des Sees hinter dem Rücken. Obwohl ich keine richtige Campingperson bin, und doch meine eigenen vier Wände bevorzuge, konnte ich auch einmal entspannen. Für die Außenwelt war ich für einige Tage nicht erreichbar. Einfach verschollen.
Es war so anders, wieder tagträumen zu können, wenn man durch die dichten Wälder lief, am Boardwalk entlang schlenderte und nichts anderes tat, als den eigenen Gedanken nachzugehen. Vielleicht mag es sich für euch verrückt anhören, aber ihr müsst es auch einmal probieren. Einfach mal die Augen schließen, durchatmen und den Rest der Welt vergessen. Blendet für einige Sekunden die Menschen um euch herum aus, vergesst, dass sie existieren. Vergesst die Schule, die Hausaufgaben, die ihr noch machen müsst und die Klausuren, für die ihr Nächtelang lernen werdet. Nur für zehn Minuten. Oder auch nur für fünf. Wenn ich das gemacht habt, dann wisst ihr, wie entspannend die Wildnis sein kann.
Vorallem aber, was mir aufgefallen ist, war es viel, viel kälter. Nachts fiel die Temperatur unter den Gefrierpunkt, und wir schliefen mit zwei paar Hosen und Jacken. Es hört sich merkwürdig für Florida an, oder? Vor allem, da man sich immer die Palmen, den Strand und die unausgesprochene und manchmal wirklich nervende Hitze vorstellt. Aber ja, es gibt auch hier einen (nennen wir es) Winter.
Es war nur günstig, dass wir am Mittwochabend nach Downtown Mount Dora gingen, wo ich mir sogleich eine Mütze und einen Schal kaufte, um nicht in der Kälte Floridas zu erfrieren.
Die Stadt selbst ist so klein und niedlich, dass man sich sogleich in sie verliebt. Alle Geschäfte, kleine Souvenirläden und Häuser sind dicht bei einander gebaut wurden, die Fassaden wurden erneuert, aber man kann ihnen immer noch die Spuren der Zeit anmerken. Die Häuser sind rustikal, altmodisch und - eben wie alles hier - ländlich. Hier gibt es selbst ernannte Kleidungsmärkte, keine Einkaufszentren oder Malls, wie man sie aus der Stadt kennt. Wenn man auch zu Publix oder Marshells fahren möchte, muss man aus der Stadt raus. Hier kennt jeder jeden, nichts ist ein großes Geheimnis und die Stadt wird von Touristen um schwirrt - wie Blumen von Bienen. Es riecht in allen Ecken nach selbstgemachten Keksen und Kaffee.
Weiter außerhalb der Stadt, auf dem Land, gibt es größere und prachtvolle Häuser, Villen oder sogar kleine Schlösser. Auf dem Land kostet alles nur zum halben Preis, man kann sich mehr leisten und man hat das starke Gefühl, dass auch die Menschen hier viel netter sind, während man in der Großstadt nur auf griesgrämige Grimassen antrifft. Das einzige Problem in einer Kleinstadt; großes Geld kann man nicht machen. Alle Geschäfte werden von Kindern und Enkelkindern übernommen. Eine Karriere kann man in Mount Dora nicht starten, aber man kann zumindest das Leben genießen.
Am Freitagmorgen sind wir zu den De Lion Springs gefahren um einschließlich selbstgemachte Pfannkuchen mit Blaubeeren und Schokotropfen zu essen. Richtig genießen konnten wir es jedoch am Ende, als wir nicht mehr mit den Zähnen knirschen mussten. Der Anblick raubte dennoch uns den Atem; das kleine Frühstücksrestaurant war in einer alten Mühle gebaut worden. Diese befand sich wieder an einem See, in welchem zu der Winterzeit das Zuhause der Seekühe ist. Eingeschlossen wird die Mühle und der See von Wäldern.
Auch sind wir zu einer kleinen Insel am Nachmittag gefahren, auf welche wir mit einem Schiff hinüber getragen werden mussten. Anstatt zum Camper zu fahren, haben wir dort unseren Tag mit einem Picknick in den Wäldern verbracht. Gesehen haben wir wilde Gürteltiere und auch Nester von Habichten oder Falken. Sogar unser Bootsmann hat versucht ein Gürteltier, welches wir Boris benannt haben, zu fangen. Leider war Boris aber doch schon weg, bevor er ihn auch nur berühren konnte.
Am Sonntag, da meine Gastmutter Geburtstag hatte, sind wir in ein 4,5 Sterne Frühstückscafé frühstücken gegangen. Und man, schmeckte das verdammt gut! Anstatt wirklich fein essen zu gehen, hatten meine Gasteltern beschlossen den Tag anders zu verbringen. Ein nettes Frühstück und den Rest des Tages verbrachten wir auf dem Flohmarkt, an welchem auch Steve teilnahm.
Ich habe euch doch schon bestimmt erzählt, dass mein Gastvater eine ausgeprägte Leidenschaft fürs Sammeln pflegt. Er liebt alte Volkswagen-Hippie-Busse, aber auch alte Spielzeuge aus vergessenen Zeiten. Dies war auch der Grund, weshalb wir in Mount Dora campen waren. Jeden Tag war Steve von morgens bis mittags, oder sogar früh am Abend, dort geblieben und hat seine Lieblinge und Schätze verkauft. Im Haus meiner Gasteltern stehen ebenfalls mehrere Vitrinen überfüllt mit alten Spielzeugen. Für mich wäre es auf keinen Fall gar nichts, aber mein Hobby ist es nicht!
Vorfinden konnte man auf dem Markt natürlich alles; von alten, schönen Möbeln, Spielzeugen, Kleidern bis zu exotischen Kunstwerken, Essen oder auch Büchern war alles dabei. Man glaubt gar nicht, für was alles Menschen ihr Geld ausgeben; Mannsgroßen, aus Stahl gebauten Dinosauriern, verwesenden Meerjungfrauen bis zu Damenunterwäsche aus dem 19.Jahrhundert. Wer hat schon vermutet, dass auch so etwas heiß begehrt ist?
Am Montag, der letzte Tag in Mount Dora, haben wir den Camper über zwei Stunden lang wieder abgebaut und sind dann nach Boca zurück gefahren.
Wie ihr sehen könnt, war es ein gelungener Campingausflug, kein großes Abenteuer. :)
Liebe Grüße, Emilia

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