Der
Anfang des Abenteuers
"And
I'll make a wish, take a chance, make a change
And breakaway
Out of the darkness and into the sun
But I won't forget all the ones that I loved
I'll take a risk, take a chance, make a change
And breakaway"
And breakaway
Out of the darkness and into the sun
But I won't forget all the ones that I loved
I'll take a risk, take a chance, make a change
And breakaway"
Kelly Clarkson, Breakaway
Als
eine Schülerin, die normalerweise in Deutsch immer aufgepasst hat,
sollte ich die Reihenfolge der Dinge beachten und sie genauso
aufführen – sachlich und präzise – wie sie eben sind. Aber das
würde nicht der Wahrheit entsprechen und ich möchte Euch
keinesfalls anlügen.
Um
0.45 Uhr am 14. August sprang ich wortwörtlich aus dem Bett. Nicht
deshalb, weil ich aufgeregt und überaus glücklich war, sondern weil
mein Magen die physikalischen Gesetze vernachlässigte.
Ihr
müsst wissen, dass wir Austauschschüler uns schon auf unser
Abenteuer freuen, doch irgendwann kommen wir zu dem Punkt und erleben
einen gewissen Moment, in welchen wir uns fragen, was für eine
Scheiße wir dort eigentlich treiben. In genau diesem Moment befand
ich mich. Ich sah nicht nur die positiven und rosaroten Dinge, die
auf mich bestimmt irgendwann zukommen würden. Das Einzige, was ich
wirklich sah, war, wie ich einen Weg finden würde, unser Auto zu
klauen, das einem Ort zu verstecken, an dem meine Eltern es später
finden würden und mir eine plausible Ausrede einfallen zu lassen,
wie Diebe so geschickt ein Auto klauen können. Ich realisierte nicht
zum ersten Mal, dass das Leben keine Stopptaste bietet, welche man
nach Lust und Laune drücken kann. Das Leben würde in Dortmund
weitergehen – ohne mich. Ich habe mich nicht gefreut. Panik, Angst,
Nervosität breitete sich eher in mir aus. Und mit diesem Schmerz
kämpfte ich den ganzen Morgen lang.
Nachdem
ich ein paar Trauben allerdings heruntergewürgt und meine von Tränen
geschwollenen Wangen überschminkt hatte, wobei ich mich im
Badezimmer einschloss und vor lauter Aufregung vergass, wie man die
Badezimmertür wieder öffnete und ich die nächsten zwei Minuten
eine Herzattacke überlebte, fuhren wir zwei Stunden zum Frankfurter
Airport. Mama, Papa, Onkel Mirek, Delia und (leider) ich.
Mein
Flug nach New York sollte um 8.30 Uhr starten. 3,5 Stunden sollten
wir uns vorher auf dem Flughafen befinden. Mit 80 AFSern (den
Austauschschülern) und noch dazu 5 AFS-Mitarbeitern waren wir nicht
wenige, die sich auf die Reise ihres Lebens vorbereiteten. Doch bevor
wir irgendwohin fliegen konnten, wurden unsere Namen abgehakt, unsere
halben Flugzeugtickets ausgehändigt und die letzten 10 Minuten des
Verabschiedens trafen an. Wie auf Komando weinten wir wie aus Kübeln
und Taschentücher wurden durch die Luft geschmissen. Natürlich habe
ich geweint, denn man kann ganze 10 Monate nicht in 10 Minuten
unterbringen.
Nachdem
wir eingecheckt und unsere Koffer weggebracht hatten, hatten wir nun
unsere Tickets und somit fing der ganze Spaß erst einmal richtig an.
Gefühlte 100 Mal mussten wir unseren Reisepass kontrollieren lassen,
damit auch wirklich alles – und mit alles meine ich jeden
Buchstaben – stimmte. Irgendwann konnten wir auf ungestellte Fragen
die Antworten liefern.
Im
Flugzeug endlich angekommen, wurde unser bisher größter Wunsch
erfüllt; Essen. Wir bekamen das, was wir angegeben hatten.
Vegetarisch oder nicht vegetarisch. Wir bekamen die verschiedenste
Auswahl an Getränken; Cola, Sprite, Fanta, Tee, Wasser, Kaffee,
Apfel- oder Orangensaft. Dazu ein Brötchen und Marmelade und Butter.
Obst und Gemüse, und natürlich einen kleinen Nachtisch – Kuchen.
Das Hauptgericht waren eine Wurst und ein Omlet mit Kartoffeln,
sowohl waren auch Pilze auf dem Teller. Zum Mittag hatten wir
ebenfalls das Glück mit Essen beliefert zu werden; wie immer Obst
und Gemüse, ein Brötchen, und Kuchen. Und alles war mit im Preis
enthalen. So lecker das Essen auch aussah, so konnte ich kein Bissen
davon runterschlucken. Die Nervosität lag mir im Magen und obwohl
ich fast am Verhungern war, war es einfach nur quälend.
Da
wir mit einer der größten Fluggesellschaften (Singapore Airlines)
flogen, konnten wir uns nicht beschweren. Zur Auswahl standen viele
Dinge, die mich ablenken konnten, es doch nicht geschafft haben.
Filme, wie "die Schöne und das Biest", Musik, sogar alle
Soundtracks aus dem Film "Das Schicksal ist ein mieser
Verräter", verschiedene Serien oder man schlief einfach nur,
was ich auch im Endeffekt getan habe, da ich wahrscheinlich sonst im
Stehen eingeschlafen wäre. Immer wieder habe ich mir die Anzeige
angesehen, wie weit wir nun waren und wie viele Stunden wir nach New
York noch brauchen würden.
Im Flugzeug hatte ich einen weiteren,
erleuchtenden Moment. Heimweh hatte ich keinen, langsam bereitete
sich das Gefühl von Vorfreude aus. Endlich am Boden zu sein und zu
wissen, wie es weiter geht. Denn dort oben am Himmel hatte ich keine
Informationen, wie ich zu meiner Gastfamilie kommen würde, welchen
Flug ich nehmen würde und was mit mir passierte.
Neben
acht Stunden Flug, schloss ich neue Freundschaften und tauschte
Nummern aus – so wie es sich für eine Austauschschülerin eben
gehört.
(Liebe
Grüße an Maria, falls sie das lesen sollte :))
In
New York angekommen, wurden wir erst einmal alle durch verschiedene
Schalter gejackt, damit die fürsorglichen und immer aufpassenden
Amis uns ein weiteres Mal durchchecken konnten. Obwohl meine Blase
damals schon am Platzen war, mussten wir eine geschlagene Stunde
warten, bis wir unsere Koffer abholen durften. Falls ihr euch fragt,
was wir eigentlich mitnehmen durften; einen Koffer mit bis zu 23
Kilo, einen Laptop in einer Laptoptasche und Handgepäck bis zu 7
Kilo. Als wir nach 1,5 Stunden mit dem Indentifizieren fertig waren,
wurden wir unseren neuen Flügen und AFS USA zugeteilt.
Schock.
Meines. Bisherigen. Lebens.
Da
ich die einzige Auserwählte war, die in dem kleinen Örtchen Boca
Raton leben würde, musste ich von New York aus nach Fort Lauderdale,
wo mich meine Gastfamilie auch abholte, alleine fliegen. Ich checkte
ein weiteres Mal mit vier anderen Austauschschülern, die allerdings
nach Orlando flogen, ein, brachte mein Gepäck weg und folgte den
gelben Pfeilen zum Gate 22. Die zwei restlichen Stunden verbrachte
ich damit ein Schokobrötchen zu essen und Wasser zu trinken, tausend
Male auf's Klo zu gehen und zu warten. Nebenbei rief ich meine Eltern
an, um ihnen zu versichern, dass ich lebte und schrieb meinen
Freunden. Als der Flug dann endlich los ging, war ich ruhig. Die
Wartezeit und meine Müdigkeit hatten mich bis zum letzten Zeh
ausgepowert und nichts war mir lieber, als endlich von meiner
Gastfamilie empfangen zu werden. Nach drei Stunden Flug und nachdem
ich Leute gefragt hatte, wo ich nun mein Koffer abholen konnte, wurde
ich auf halben Wege von meiner Gastfamilie abgefangen, herzlich mit
Umarmungen und Blumen begrüßt und danach fuhren wir endlich –
nach 24 Stunden Reise – in mein neues Zuhause für 10 Monate.
Zuhause rief ich dann meine Eltern an, wobei ich wieder anfangen
musste zu heulen, packte nur die wichtigsten Sachen zum Schlafen aus
und begab mich dann in mein neues Bett.
Meine
Gefühle von Nervosität, Panik, Angst, Schrecken und dem Gefühl,
nicht gehen zu wollen, veränderten sich schlagartig. Ich war bereit
für etwas Neues, für etwas Waghalsiges, für etwas, was mein Leben
und meine Sicht für immer ändern würde. Ich hatte kein Heimweh.
Das Gefühl von Freude übergoss mich sehlichst und ich schlief ein.
In
Liebe, Emilia
Ps:
Bald kommt wieder ein neuer Eintrag, muss ihn nur noch zu Ende
schreiben. :))
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