Meine lieben Freunde der Nacht!
Während ihr euren Schlaf nachholt und im Land der Träume versinkt, bin ich gerade dabei einen neuen Blogeintrag auf Papier zu bringen.
Nachdem ich Donnerstag total kaputt und sprachlos aus dem Flieger gestiegen bin, und wirklich, ich konnte kaum sprechen, hatte ich erst am Freitag und am Samstag die Zeit meine neue Heimat zu begutachten. Deshalb gibt es hier einige neue Erkenntnisse. Ich hoffe, sie gefallen euch! Viel Spaß!
Ich glaube, es ist am Besten, wenn ich einfach mal die ganze Lage beschreibe und ein wenig von meinem Alltag erzähle. Die erste Hürde an diesen Morgen war die Dusche. Wieso, fragt ihr euch bestimmt. Ich hoffe, ich kann jedem weiteren Austauschschüler, der zufällig bald ein Jahr in den USA verbringen wird, helfen. Die Duschen sehen folgendermaßen aus; ihr habt einen Knopf, den ihr ganz nach links drehen müsst, damit warmes Wasser kommt. Dies habe ich allerdings so spät bemerkt, dass ich schon beinahe Eiswürfel aus meinem Ohr hätte ziehen können. Aber dies passierte erst, als mir nach 10 Minuten einfiel, wie man überhaupt das Ding benutzt. Also; ganz nach LINKS drehen! Die nächste Hürde war Zähneputzen. Diesmal wusste ich ebenfalls nicht, wie man überhaupt Wasser laufen lässt. Gefühlte 30 Minuten habe ich alles ausprobiert; gedrückt, gedreht, bis ich entdeckt habe, dass man den Knopf auch ziehen kann. Wie ihr sehen könnt, das Abenteuer fängt schon bei kleinen Dingen an. :)
Da eins der Badezimmer nur selten benutzt wird, habe ich das große Glück es "Meins" nennen zu können. Ebenfalls habe ich ein eigenes Zimmer mit Schreibtisch und einem Hochbett.
Das Haus meiner Gasteltern ist mega groß. Mein Bruder hat ein eigenes Zimmer, genau wie meine Schwester. Wir haben einen überdimensionalen großen Fernseher in dem Wohnzimmer, eine Küche und noch ein Esszimmer. Nebenbei haben wir einen kleinen, grünen Garten. Hier ist jeder Rasen perfekt grün, obwohl man eigentlich wegen der Hitze etwas anderes erwartet hätte. Selbst einen kleinen Fitnessraum mit Sportgeräten gibt es hier. Da ich auf keinen Fall durch den Flughafen rollend zurückkommen möchte, hat meine Gastmutter Debbie mir sofort angeboten, ohne das ich hätte etwas sagen müssen, die Sportgeräte zu zeigen. Die Wohngegend ist bekannt für ihre Sicherheit, weshalb auch meine Gasteltern weder das Haus, noch das Auto abschließen. Natürlich war ich ein bisschen entsetzt, aber ich fand es auch bewundernswert, denn in Deutschland hätte man viel zu viel Angst beklaut und beraubt zu werden.
Auch das Frühstück verlief anders, als erwartet. Gestern hatte ich French Toast mit Erdbeeren, heute morgen Spiegelei. Zum Mittag gab es einmal Teigtaschen mit Spinat und einmal Sandwiches mit Käse / Schinken, und dazu noch Kartoffelchips. Diese Speise ist hier sehr beliebt, auch wenn man sich erst daran gewöhnen muss. Nur am Freitagabend hatten wir Pizza, da wir eigentlich vorhatten zum Strand zu fahren, der von meinem Haus aus höchsten 15 Minuten entfernt ist. (Jaa, ein wenig eifersüchtig muss ich euch leider schon machen. Aber das zeigt nur, dass ich euch wirklich mag. :P) Wenn es in Florida anfängt zu regnen, dann ist alles vorbei. Ich meine wirklich alles ALLES. Die Leute gehen nach Hause und erledigen ihre Dinge. Es sind keine leichten Sommergewitter, wie ihr es aus Deutschland kennt, nein, hier geht die Welt halbwegs unter und die Straßen werden überflutet. Die Schwüle dagegen ist unglaublich! Ihr geht nach Draußen und ihr seid nass. Ihr schwitzt nicht, sondern ihr seid einfach nur nass, als hättet ihr gerade geduscht. Doch zurück zu dem Essen, bevor ich hier euch noch ganz verwirre. :D
Deshalb sagt niemals, Amerikaner essen nur Hamburger! Es kommt wirklich darauf an, auf welche Gastfamilie ihr stößt, denn meine versucht immer gesund zu essen. Aus diesem Grund hatte ich seid drei Tagen auch keine Süßigkeit im Mund. (Ihr könnt mir gerne Schokolade schicken, denn hier schmeckt die Schokolade gar nicht!)
An diesem Tag stand so einiges auf der Liste; zu erst musste ich einen Physicaltest beim Doktor erledigen, um meine Schule überhaupt besuchen zu können. Hier in den Staaten braucht man einige der Impfungen, um an einer High School angenommen zu werden. Aus diesem Grund unterrichtet meine Gastmutter meine Gastgeschwister Zuhaue. Sie ist der Meinung, dass man nicht alle diese Impfungen braucht. An sich werden zu viele Drogen verkauft, die die Menschen eher schwächen, als stärken. Natürlich kann ich ihre Meinung nachvollziehen, aber gerne Zuhause unterrichtet zu werden, wäre niemals mein Traum.
Hannahlora, Debbie und ich sind heute ebenfalls zu einem der Stores (Geschäfte) gefahren, doch davor musste Debbie Geld abheben. Wir haben eine Tankstellenbank besucht. Es sieht aus wie eine Tankstelle, doch anstatt von Benzin habt ihr einen großen Behälter. Was genau passiert, kann ich leider auch nicht sagen. Dieser Behälter wird in die Bank hineingesaugt und am Ende wird er zurückgeschickt mit dem, was ihr braucht. Auf die Frage, weshalb man so etwas baue, sagte mir meine Gastmutter, dass Amerikaner zu faul seien, um auszusteigen. Manche aber, die zum Beispiel entweder einer Behinderung unterliegen, oder dem Alter entsprechend lieber im Auto bleiben möchten, nütze dieses Erfindung sehr, sehr viel. Es geht einfach schneller und ersparrt so manche Nerven.
Als ich einen der Läden nach dieser Aktion betreten habe, dachte ich mir nur eins; WOW. Es gab dort wirklich jede menge Sachen zu sehen; von Fernsehern, die nicht einmal in einen LKW hineinpassen würden, bis zu gebratenen Hühnchen. Ihr könnt dort sogar Kleidung und Kosmetiksachen kaufen, was ich im Endeffekt auch getan habe. Als wir dann nach draußen gegangen sind, in die brennende Schwüle von Florida, fielen mir Einkaufswagen auf, die Mitten im Weg standen. Hier kann man die Wagen irgendwo stehen lassen. Die Menschen werden hier sogar dafür bezahlt, um diese wegzuräumen. Das ist typisch amerikanisch.
Nachdem dies erledigt war, habe ich nur noch schnell mein Handy USA tauglich gemacht, damit ich mit neuen Menschen in Kontakt treten kann, wenn ich am Montag zum ersten Mal zur Schule gehen werde.
Falls ihr meine neue Handynummer braucht, schreibt mir bitte. Ich habe einen Vertrag für 35 Dollar und kann so viel schreiben und telefonieren in den Staaten, wie ich will. Aber leider kann ich nicht mehr nach Europa telefonieren, weshalb mir nur noch mailen und skypen bleibt. Bitte versucht es zu verstehen. Danke.
Wo war ich stehen geblieben? :)
Am Abend haben wir "Marley und ich" geschaut. Falls ihr gerne wissen wollt, wie der Flughafen von Fort Lauderdale aussieht, oder wie schön Boca Raton von Oben ist, schaut euch den Film an. Genau dort kann man sogar sehen, an welcher Stelle mich meine Gastfamilie abgeholt hat.
Ebenso haben wir am Abend sehr viel geredet, über die deutsche und die polnische Kultur, über meine Freunde und über Dinge an sich. Hierbei muss ich zugeben, dass ich nicht alles im Englischen verstehe. Amerikaner quaseln manchmal sehr, sehr schnell. Die Freundin meiner Gastmutter sprach so unglaublich schnell (und laut), dass ich nur ein paar Einzelheiten verstanden haben. Das Sprechen an sich fällt mir nur manchmal schwer, da ich nicht alle Worte kenne, sie aber langsam immer mehr lerne. Vielleicht könnt ihr euch nicht daran erinnern, wie ich das Alphabet gelernt habt, aber als ihr euren ersten Text, euer erstes Gedicht oder eure erste Geschichte gelesen habt, war das nicht ein wunderschöner Moment?
Und genau so fühle ich mich. Zwar kann ich es immer noch nicht glauben, dass ich in Florida sitze und eine Austauschschülerin bin, aber es ist wie ein Geschenk. Versetzt euch in die Lage, ihr bettelt eure Eltern um ein Haustier an; um einen Hund. Eure Eltern sagen euch "Nein". Ihr könnt eure Lage nicht ändern und die Situation wendet sich nicht. Eure Eltern sind weiterhin der Meinung, ihr seid zu unreif, zu klein, vielleicht sogar zu dumm um für einen Kötter zu sorgen. Fest in dem Glauben, dass eure Eltern nicht einmal der Teufel persönlich zu einem Wundern bewegen kann, kommt ihr nach Hause und sieht auf einmal einen kleinen Welpen in eurem Zimmer sitzen, der euer Lieblingskissen angeknabbert hat. Was wäre eure Reaktion? Würdet ihr aus dem Fenster springen, weil ihr nicht glaubt, dass es echt ist, oder würdet ihr euch denken: "Ja, es ist ein Traum – ein Traum, aus dem ich nicht aufwachen möchte."?
Denkt darüber nach. Denn genau so fühlt sich jeder Tag eines Austauschschülers an.
In Liebe, Emilia
Ps: Ich werde versuchen Etwas über meine Schule in Erfahrung zu bringen, mehr Informationen, damit ihr am Montag etwas zu lesen habt. Erst einmal hofft für mich, dass ich den Tag überstehe. Am Sonntag hat mein Gastpapa Geburtstag und ich habe mein Arrival Camp :) Was sind eure Pläne? Hat irgendwer Lust mir davon zu erzählen? Ich bin für alles offen!
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