Meine
geliebten Tänzer und Tänzerinnen!
Es
tut mir Leid für den späten Eintrag. Ich weiß, er hätte schon am
Sonntag in meinem Blog erscheinen sollen, aber wegen des
Homecominggames und wegen des Tanzes war ich so kaputt, dass ich erst
einmal das Wochenende durchschlafen musste, um wieder laufen zu
können.
Ich
hoffe diese Geschichte wird euch gefallen. Viel Spaß beim Lesen! :)
Vom
13 bis zum 17 Oktober war Homecomingweek.
Was
das bedeutet? Kennt ihr die Abiwoche, welche alle Abiturienten
machen, wenn sie kurz vor ihren Prüfungen stehen? So sieht ungefähr
unsere Homecomingwoche aus. Ein Homecomingteam nimmt Vorschläge
entgegen und beantwortet Fragen, falls welche aufkommen. Hier dürfen
sich jedoch alle Schüler verkleiden und wirklich alle am School
Spirit teilnehmen. Diese Aktion präsentiert das Kommen „nach
Hause“. Vielleicht hört es sich für die meisten von euch etwas
merkwürdig an, wenn ich die Schule als ein Zuhause bezeichne, jedoch
ist das amerikanische Leben als Teenager etwas anders, als man es in
Deutschland kennt.
Hier
spielt es eine große Rolle, welche High School man besucht. Jede
Schule hat seinen eigenen Namen hier und wird wiedererkannt. Es
spielt eine Rolle, auf welcher Schule man ist. Man feuert hier keine
anderen Schulen bei einem Footballspiel an. Man bleibt bei seiner
Mannschaft, denn man ist Mitglied. Man ist stolz auf seine Schule und
man zeigt es hier. Eine der wichtigsten Sachen, die man zu Beginn
einer Bekanntschaft fragt, ist, zu welcher Schule man gehört.
Spanish
River High School hatte dieses Jahr das Thema „Disney“
ausgewählt. Ich war am Anfang unglaublich aufgeregt gewesen, da ich
dachte, dass sich jeder Schüler von den beinahe dreitausend
verkleiden würde. Aber da SRHS eher auf dem Schwerpunkt „Zu cool,
um etwas zu machen“ liegt, haben sich nur einige der Schüler
verkleidet und entschlossen ein Kostüm zu tragen. Man konnte nicht
jeden in einer Peter-Pan-Uniform entdecken oder das Biest durch die
Schulgänge laufen sehen. Zwar konnte man oft halbwegs verkleidete
Menschen entdecken, aber es war nicht das Gleiche wie in Deutschland.
In Deutschland versteckt sich jeder Abiturient in einem
unverkennbaren Kostüm, während man hier eher die Themen überfliegt.
Vielleicht liegt es auch daran, dass man jedes Jahr Homecomingweek
hat und nicht nur einmal im Leben. Ich fand es auf jeden Fall schade,
da ich mich wirklich darauf gefreut habe alle in schillernden
Kleidern zu betrachten!
Jeder
Tag der Homecomingweek hat sein eigenes Thema;
Montag
- Lieblings Disney Charakter
Dienstag
- Lieblings Peter Pan Charakter
Mittwoch
- Trage eine Toga
Donnerstag
- Lieblings Toy Story Charakter
Freitag
- Pep Relly
Doch
der amerikanische Chaostag ist weit aus besser, als der in
Deutschland. (Leider) geht dieser Punkt an die Amis. Sorry, Guys! ;)
Am
Freitag mussten sich alle Schüler in ihren Farben verkleiden.
Freshmen
- weiß
Sophmores
- schwarz
Juniors
- rot
Seniors
- silber, gold, blau
Da
ich ein Junior bin, durfte ich mich in der Farbe rot zur Schau
stellen. :D
In
der vierten Stunde wurden alle Schüler – und mit alle, meine ich
diesmal wirklich ALLE – in die Sporthalle gerufen. Und ja, wir
hatten kaum Platz. Ein Orchester hat nebenbei Songs gespielt. Und es
war laut. Leute, ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich mit dem
Wort „laut“ beschreibe. Meine Ohren sind mir wortwörtlich
abgefallen. Jede Note hat sie explodieren lassen. Es war wie ein
Gewitter in einem Marmeladenglas.
Schwarz
bei Schwarz. Rot bei Rot. Blau bei Silber und Gold. Weiß bei Weiß.
Jede einzelne Stufe hatte ihren eigenen Platz und hat diesen auch mit
starken Stimmen vertreten. Ich habe geschrien und für zehn Minuten
meine Stimme verloren. Die Sporthalle ist förmlich vor School Spirit
aufgebrochen. Es war einfach unglaublich! Noch nie habe ich so etwas
miterlebt. Wir waren einfach ein Team, eine Mannschaft, eine Schule.
Diese Dazugehörigkeit. Dieses Gefühl. Es war einfach mega cool, um
ehrlich zu sein.
Das
Footballteam hat einen Tanz vorgeführt, das Dancingteam hat
getwerkt, die Cheerleader haben uns gezeigt, wie beweglich sie sind,
wobei ich sehr glücklich war, dass ich in keine der Mannschaften
war, da ich mir sicher alle Knochen nach der Reihe gebrochen hätte.
Die möglichen Homecoming Königinnen und Könige wurden vorgestellt,
Schüler wurden geehrt und es wurde gefeiert. Es war unglaublich. Es
wurde eine Show abgezogen, wie man sie von Zuhause nicht kennt. Musik
wurde gespielt und man hat einfach sich selbst gefeiert. Ein paar
Spiele wurden gespielt, um die Menge zu unterhalten und Spaß zu
verbreiten. Viel zu schnell war die Pep Relly zu ende.
Es
ist wie ein Chaostag, jedoch zehn mal besser.
Am
Abend sind Annie und ich zum Spiel gegangen, wobei unser Team
natürlich einmal wieder verloren hat – wie jeden Spiel. Unser
Footballteam ist nun einmal grottenschlecht, anders kann man es
leider nicht beschreiben. Als wir in den letzten zehn Jahren einmal
gewonnen haben, war der Sieg sogar im Fernsehen zu sehen, da es als
achtes Weltwunder gelten konnte.
Hier
wurden auch wieder Tänze vorgeführt, Fahnen geschwungen und die
Königin und der König des Homecomings geehrt. Da es aber so
langweilig war und wir zu 100% wussten, dass wir verlieren würden,
sind wir nach Hause gegangen. Da es für mich das erste Spiel war, habe ich wirklich mehr Begeisterung erwartet.
Das einzig Schöne war, dass wir unsere
Freunde getroffen und ein wenig Zeit mir ihnen verbracht haben. Wir
waren auch nebenbei die Einzigen, die sich in den Farben unserer
Schule angemalt haben, um den Geist der High School zu
repräsentieren. Aber im Endeffekt, war uns das beiden auch egal,
denn diesmal hat der Spaß gezählt und die Stunden, die wir damit
verbracht haben, haben uns als Freundinnen unglaublich nahe gebracht!
Homecoming
Dance – Cinderella's Night
Und
plötzlich. Plötzlich hatte ich wieder dieses Gefühl im Bauch.
Panik. Aufregung. Vorfreude. Auch an diesem Samstag sind Debbie,
Steve, Hannah, Zachy und ich früh aufgestanden, haben gefrühstückt
und sind zu Hannah's Spiel gefahren. Es hat sich angehört wie ein
ganz normaler Samstagmorgen. Doch es war die Nacht des Balls. Ich war
nicht wirklich aufgeregt zu der Zeit. Ich habe nichts gefühlt, denn
ich habe es nicht realisiert. Es war wie der Tag vor dem Abflug. Ich
habe es nicht in mich aufgenommen. Aber es wurde wahr. Ein weiterer
Traum ist mit einem Augenzwinkern zur Realität geworden.
Am
Nachtmittag ist meine Familie zum Oktoberfest gefahren, während ich
Zuhause geblieben bin. Ich war einerseits traurig, da ich liebend
gerne mitbekommen hätte wie Amerikaner das Oktoberfest feiern,
andererseits freute ich mich aufs Tanzen und mit meinen Freunden
zusammen zu sein. Ich bin Zuhause geblieben und habe darauf gewartet,
dass mich Annie abholt und in eine Schneekönigin verwandelt. Ich
hatte keine Verabredung für den Tanz, denn ich wurde nicht gefragt.
Annie war mein Date. ;)
Als
ich nebenbei auf sie gewartet habe, sind meine Nerven wieder einmal
mit mir durchgegangen. Auf einen Schlag war ich wieder so aufgeregt,
dass ich jede gefühlte fünf Sekunden auf die Uhr geschaut habe, um
mich zu versichern, dass ich nicht zu spät bin. Ich habe tausende
Male meine Tasche gepackt, um zu sehen, ob ich wirklich alles mit mir
habe. Schuhe. Deo. Kamera. Kleid. Ticket. Ticket? Wo war das Ticket?!
In der Seitentasche.
Ich glaube, ich habe noch nie so viel mit mir
selbst diskutiert, wie an diesem Tag. Da ich die ganze Zeit draußen
verbracht und mit Dutchess gespielt habe, müssen meine Nachbarn wohl
jetzt denken, dass sie eine verrückte 16-Jährige neben sich wohnen
haben.
Als
mich dann Annie auch endlich abgeholt hat, war ich schon praktisch am
Durchdrehen. Durchdrehen vor Glück und Aufregung. In den nächsten
drei Stunden hat Annie aus mir einen Schwan gemacht. Ihre Hände sind
pures Gold! Und ich danke ihr so sehr dafür.
Sie
hat mich ebenfalls mit der Maske überrascht. Es war ein Geschenk.
Ein Geschenk für den Ball und für die Nacht einer Prinzessin. Denn
ich glaube, an diesem Tag war irgendein Teil von mir eine kleine
Prinzessin. So wie es sich jedes Mädchen einmal wünscht.
Nachdem
ihr Vater uns dann auch in der Schule abgesetzt hatte, wir den
Securitycheck wohlbehalten überstanden und wir die festlich
geschmückte Sporthalle betreten haben, begann etwas
Unbeschreibliches.
Die
Musik war betäubend. Die Töne waren stechend wie Wespen und die
Worte waren unüberhörbar. Es war wie eine Impfung, die schmerzte
und Blut gefrieren ließ. Und wisst ihr, was das Gefährliche daran
war? Es tat höllisch gut den Bass auf der Haut zu spüren und sich
in einen traumlosen Tanz gleiten zu lassen. Es spielte keine Rolle,
wie hoch die Absätze waren, wie stark die Kleider über den Boden
schwangen, oder wie die Haare fielen und ob das Make-Up perfekt saß.
Es war alles egal, solange man einfach nur die Musik in sich aufnahm.
Die
Sporthalle war nur in einzelnen Teilen geschmückt, jedoch war dies
einfach nur ein unnötiger Punkt. Niemand kümmerte sich um die
kleinen Schlösser auf den Tischen, oder die baumelnden Lichter in
den Farben Blau, Rot und Grün. Es war einfach da, weil es da sein
musste. Was wirklich eine Rolle spielte, waren die Menschen um dich
herum. Du hast getanzt, so wie du noch nie getanzt hast. Plötzlich
haben sich über 200 Menschen in dem gleichen Rhythmus bewegt. Alle
nach Rechts. Zwei Schritte nach Vorne. Ein Schritt nach Hinten.
Drehen. Schwingen. Hände in die Höhe reißen. Atmen. Leben.
Haare
flogen umher. Schweiß rann den Nacken hinunter. Es war Winter und
Sommer zur selben Zeit, wobei Zeit keinen Gedanken kreuzte. Minuten
waren Sekunden. Stunden waren Augenblicke, die man nicht einmal
richtig gefasst hatte. Es war wie ein großes Feuer. Es war so warm
und angenehm, wie an den kalten Tagen, die man am Liebsten im Bett
verbringen würde. Es war traumhaft. Es war genau das, was ich mir so
lange gewünscht habe. Es war alles, was ich jemals wollte. Aber es
war nicht vollständig. Irgendetwas fehlte. Irgendetwas, was zu mir
gehörte. Und plötzlich war ich glücklich und traurig. Ihr habt mir
gefehlt. Meine Freunde. Ihr konntet mich nicht sehen. Bilder zeigen
viel, aber nie die Gefühle, die dahinter stecken. Es waren meine
Freunde, mit denen ich getanzt habe, aber es waren Andere. Es waren
nicht die Leute, die mich vor zwei Monaten in den Arm genommen haben
und mir gesagt haben, dass sie mich vermissen werden. Es war
unglaublich schön, aber ein Teil von mir wäre glücklicher gewesen,
wenn ihr dort gewesen wäret – mit euren Tipps und Tricks. Mit
eurem aufmunternden Lächeln, dass ich auf meinen Schuhen nicht
sterben werde.
Während
ich meine Füße nicht mehr spüren konnte und die berauschenden
Düfte der Nacht einfach eingeatmet habe, wurde mir so viel bewusst.
So vieles, wofür ich unendlich dankbar bin. Es war, als würde man
in einem Raum mit einem zerbrochenen Spiegel stehen. Scherben über
Scherben liegen auf dem Boden, bis sich der Spiegel von alleine
repariert, als wäre nie etwas gewesen. Als hätte man einfach die
Vergangenheit und schlechte Zeit ausgelöscht. Und genau da, da wurde
es mir bewusst. Ich hätte niemals hier tanzen können unter der
aufreißenden Decke der Lichter, zwischen den umherwirbelnden Paaren
und den überhörten Takten, wenn ihr mir nicht erlaubt hättet zu
gehen. Ich kann mich so gut an den Abschied erinnern, als plötzlich
einer der AFS Menschen meinte, dass wir nur noch zehn Minuten zum
Verabschieden haben. Ich habe euch vermisst, als ich mit meinen
Freunden getanzt habe. Ich habe euch vermisst und ich war für kurze
Sekunden traurig, weil Du nicht mit mir das Kleid ausgesucht hast,
mich nicht beraten konntest, mir nicht gesagt hast hast, dass die
Schuhe zu hoch sind. Und ich habe es vermisst, dass Du mich nicht
anweisen konntest auf mich Acht zu geben und jeden Jungen den Arm
abzureißen, falls er mir zu Nahe kommen würde. Aber es war die
richtige Entscheidung mich gehen zu lassen, denn ich hätte niemals
so glücklich in Deutschland sein können. Und ich danke Euch beiden
so sehr dafür.
Auch
wenn es einer der schönsten Abende meines Lebens war, habt ihr mir
gefehlt, Mama und Papa.
Ich
habe keine Fotos gemacht. Wenn ihr euch fragt wieso, ich habe hier
eine Antwort. Manche Momente kann man festhalten auf Fotos. Ihr könnt
euch sie immer und immer wieder ansehen, die Menschen auf den Bildern
anlächeln und euch nach einer Weile fragen, was mit ihnen geschehen
ist. Und manche Momente sollte man für sich behalten, sie ins Herz
lassen und keinem anderen zeigen. Dieser Ball war einer dieser
Momente, die ich hier erleben durfte, dank Euch. Es war ein Moment in
dieser kleinen Unendlichkeit.
Danke,
Mama und Papa!
In
Liebe, Emilia






