Montag, 4. Mai 2015

AFS Orientation

Liebes Tagebuch,

mittlerweile sind es nur noch 56 Tage, bis ich nach Hause nach Deutschland fliege, meine Freunde und Familie wieder sehe. Meine Gefühle? Ein verrückter Mix aus zu vielen Sachen; Am liebsten würde ich an den Strand ziehen und ein Leben als Fisch führen. Und gleichzeitig würde ich gerne meine Koffer packen und nach Hause fliegen. Aus diesem Grund gab es auch die Prereturn Orientiation am 01.-03. Mai in Camp Joy, Apopka nahe Orlando.



 
Freitag nach der Schule ging es los.
Zusammen mit Harold, Jorge und Go würde ich 3,5 Stunden lang im Auto sitzen, die Musik des letzten Sommers hören und den Highway entlang fahren.
Während der ganzen Fahrt haben wir hauptsächlich nur über eins geredet; was mit uns passieren wird, wenn wir wieder Zuhause sind und wie sehr uns doch unsere Freunde in den Staaten und unsere Gastfamilien vermissen werden.
In meinen Ohren hat es sich mehr als nur merkwürdig angehört. An diesem Wochenende war dies auch das wichtigste Thema; nicht nur wir haben uns verändert, sondern auch unsere Freunde Zuhause und unsere Familien. Was wird auf uns zu kommen? Was werden wir ein weiteres Mal meistern müssen? Was wird passieren? Und vor allem WIE WIRD ES NACH ALLEM WEITER GEHEN?
Diese und auch mehrere Fragen schwirrten und summten uns seit Tagen oder Wochen im Kopf herum. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr übrig. Bald werden wir unsere Koffer packen müssen, zum Flughafen fahren und dann... abhauen? Gehen? Für eine Zeit verreisen? Zurückkehren oder doch im Untergrund abtauchen?
Nach einigen Minuten haben wir uns entschieden uns von diesem Thema zu verabschieden, da es uns doch mulmig in der Magengrube wurde (oder war es doch nur der Hunger gewesen?).
Nachdem Go's chinesischen Kekse in allen Mündern verschwunden waren, fing Harold an von Burgern und Pommes zu schwärmen. Wie gut doch gegrilltes Fleisch riecht, wenn es frisch gebraten serviert aus der Pfanne kommt. Nachdem uns langsam auch der Sabber aus den Mündern lief, entschlossen wir uns kurz anzuhalten und zu essen. Natürlich Burger, so wie es sich gehört. Nachdem wir allerdings schon ziemlich satt waren, hat uns Harold noch mit Donuts gefüttert. Auf AFS Wochenenden kann man eben nicht auf Diät sein. Auch als wir ankamen, gab es noch genügend Pizza und Cola für alle. Doch zu erst mussten wir überhaupt das Camp finden, in dem wir die nächsten zwei Nächte verbringen würden...

Und „Oh my Gosh“!
Einen Horrormovie kann man nicht mehr mit der Nacht vergleichen, in der sich unser Leben veränderte... (Ich sollte wirklich anfangen Bücher zu schreiben!)
Der Mond war zu seiner vollen Größe gewachsen, strahlte die dunklen Wälder um uns herum an, während er gleichzeitig den Weg zu Camp Joy erleuchtete. Doch sollte es wirklich ein Camp der Freude werden? Es lag im Mitten eines Naturreservates, umgeben von Rehen, Wildschweinen und auch Schwarzbären. Oder waren dort noch andere Gestalten im Wald verborgen, von denen niemand ahnte? Ob wir die Nacht überleben würde, wusste keiner. (Ich sag's dir, Tagebuch. Ich werde eine Bestsellerautorin) Mitten in der Dunkelheit stießen wir auf ein verschlossenes Tor – der Eingang in die Höhle des Löwen. Harold hatte seine Waffe nicht dabei und der Motor des Autos gab langsam den Geist auf. Der Benzintank war leer. Dies war der Punkt, an dem wir uns entschieden hatten uns aufzuteilen. (Jetzt wissen alle Horrormovie Experten, dass bald alle verschwinden und sterben werden.) Als Jorge versuchte das Tor gewaltsam und mit Mühe aufzumachen, geschah....
Nichts. Im Grunde ist nichts mehr passiert. Zwar hatten wir uns erst verfahren, aber alles hat tadellos funktioniert, und wenn mich ein Bär gegessen hätte, würde ich nicht am Computer sitzen und einen Bericht schreiben.
Nachdem sich alle begrüßt hatten, das eine oder andere Pizzastück verschwunden war und das Gepäck in den Zimmern verteilt wurde, sind wir nach zwei Stunden auch alle schlafen gegangen. In zwei Zimmer schliefen jeweils 11 Leute – Mädchen.
Die Jungs blieben NATÜRLICH getrennt von uns. Auch die Badezimmer mussten wir uns teilen. Auch wenn es mich überrascht; es gab keinen dritten Weltkrieg!
Am nächsten Morgen würde uns immerhin ein langer Tag bevorstehen.

Der Samstagmorgen war schlimm.
Ich rede nicht davon, dass wir einige Aufgaben hinter uns bringen mussten. Nein, wir waren müde. Totmüde und fast am Schlafen. Nach dem Frühstück wurden wir an schließlich in Gruppen aufgeteilt, damit wir vier Kapitel hinter uns bringen konnten.
Das erste Kapitel handelte darüber, was Austauschschüler in der letzten Zeit vor ihrem Abflug tun. Immerhin sind es nur noch 8 Wochen bis zu unserem Abflug, natürlich macht man dann eben Dinge, um noch einmal die letzte Chance zu ergreifen. Man geht feiern, eine amerikanische Party besuchen, Drogen nehmen, vielleicht auch ab und zu mal klauen. Vielleicht lässt man sich auch ein Tattoo stechen, um eine unvergessliche Erinnerung an das Auslandsjahr zu haben. Man tut es, weil es die letzte Chance ist.
Und möchtest du, liebes Tagebuch, jetzt den wahren Grund wissen, weshalb Austauschschüler manche Dinge wirklich machen? Ich möchte zukünftige Austauschschüler vorbereiten. Wir tun es nicht, weil wir eine Chance ergreifen möchten. Ein kurzer, wütender und schmerzloser Abschied tut meistens weniger weh, als alles andere. Auf einmal verfliegt die Angst nach Hause gesendet zu werden, denn wir wissen, wenn wir jetzt etwas tun, gibt es kein langes Verabschieden. Keine Schmerzen. Keinen Kummer.

Das zweite Kapitel handelte darüber, wie wir uns verändert haben. Wir sind erwachsener geworden, vielleicht reifer. Unser Charakter hat sich verändert (und nicht nur unsere Kleidergröße). Wir haben ganz viel darüber gesprochen, wie wir uns in diesem Jahr positiv, vielleicht auch irgendwo negativ, verändert haben. Kaum zu glauben, aber ein Jahr kann eine lange Zeit sein.
Im dritten Kapitel haben wir einzelne Sachen besprochen, wie eine To-Do-Liste führen, bevor wir nach Hause gehen. Das Fitnessstudio kündigen, die Telefongesellschaft, Abschiedsbriefe schreiben, eine Abschiedsparty schmeißen, und, und, und...
Im vierten und somit letztem Kapitel für diesen Tag ging es hauptsächlich um ein Thema; wie hat sich unsere Perspektive auf die Dinge verändert. Auf die Welt, Religionen, Menschen, Kulturen, Länder und Traditionen. Was haben wir für uns eingenommen und daraus gelernt?

Nach diesen Kapitel sind wir an schließlich zu den nahegelegenen Springs gefahren, die ungefähr nur fünf Minuten von uns entfernt lagen. Mit großen Schwimmreifen flossen wir durch den Fluss, einfach ein bisschen vor uns hin geträumt, die Aussicht und den Sommer genossen.


Da es das letzte Treffen war, wurden nicht die Regeln aufgelistet, die wir befolgen müssen. Es wurde nichts wiederholt, das wir normalerweise immer wiederholt hatten. Keine Regeln, keine Gesetzte. Alles war zur Routine geworden. Bekannt und Aufgenommen. Es war durch das Jahr zu einer Gewohnheitssache mutiert. Etwas, was man immer in Gedanken hatte.

Nachdem wir wieder im Camp waren, wurde ein Lagerfeuer angezündet, sodass wir den Tag mit ein paar wunderschönen Stunden beenden konnten...
Liebes Tagebuch, siehst du die Bilder hier? Wir sehen glücklich aus, oder? Das sind wir auch, um die Wahrheit zu sagen.
Auch wenn wir beide wissen, dass wir in einige Wochen zurück in unser Heimland gehen werden, kann ich nicht verleugnen, dass wir an diesem Abend glücklich waren. Der Himmel glänzte mit Sternen und der Mond schien hell über unseren Köpfen hinweg. Aus dem Wald kamen Geräusche. Vielleicht ein Reh, das sich dort verirrt hatte. Oder doch ein Bär, der Austauschschüler als sein nächstes Essen betrachtete. Das Lagerfeuer erhitzte unsere Gesichter, während die Schokolade der Smores über den Flammen schmolz. Auf einmal packte Toni seine Gitarre aus, und nebenbei zehn weitere Instrumente, und spielte Lieder. Leider keine amerikanischen Countrysongs, aber dafür konnten wir alle 'Blank Space' von Taylor Swift singen.




 

Und irgendwie dann passierte es. Zumindest nicht bei mir, aber bei drei anderen Mädels. Schluchzend fielen sie sich um den Hals, während wir schweigend am Feuer saßen. Ich konnte ihre Trauer nachvollziehen, aber selbst habe ich das Gefühl nicht verspürt. Vielleicht lag es auch daran, dass ich nie viel mit den Austauschschülern meiner Gruppe gemacht habe. Meine Freunde habe ich in der Schule gefunden. Oder die meiste Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht. Aber ich habe gewusst, wie sie sich fühlten.

Am nächsten Morgen wurde das Frühstück früher serviert, denn die letzte Aufgabe stand uns bevor; Was wird passieren, wenn wir zurück in unserem Heimatland sind?
Ich werde alle Punkte aufrichten, die an diesem Morgen gefallen waren und auf die ich auch treffen werde. Ich werde nicht meine Lösungen oder Vorschläge verraten, da es noch nicht so weit für mich ist. Und ich glaube, ich möchte mir dieser Sache noch nicht so ganz bewusst werden. Manchmal ist das Ignorieren einfacher als die Realität.
Zuhause werde ich auf diese Punkte stoßen:
  • Familie
  • Freunde
  • Schule
  • Zukunft
  • Heimatland
  • Ich Selbst

Auf einmal bekam jeder Angst, Panik und wurde sichtlich nervös.
Nachdem wir uns ein Leben in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgebaut hatten, sollten wir es jetzt einfach so verlassen? Einen Teil von uns selbst irgendwo vergessen? Wegwerfen?
Und genau das war der knackende Punkt. Man macht kein Auslandsjahr nur um auf seinen Zeugnis gut auszusehen oder um sich bei einer Universität zu bewerben. Man wird auch aufgenommen, ohne irgendwohin gegangen zu sein. Falls es manche zukünftigen Austauschis noch nicht realisiert haben; hier steckt so viel mehr, als nur die Sprache lernen. Ich gebe zu. Am Anfang ging es mir hauptsächlich darum, weshalb ich mich auch für die USA entschieden habe. Aber nach einer Zeit, in der man Freunde gefunden hat, Lehrer, die einem begeistern und man sogar als „große Tochter“ bezeichnet wird, geht es einem nicht nur mehr darum eine Sprache zu lernen.
So sehr ich mich auch auf Zuhause freue, endlich meiner Mama und meinem Papa wieder auf die Nerven gehen will, es kaum erwarten kann meine Freunde zu tyrannisieren, bin ich ein Teil einer Gemeinschaft geworden, von der ich vor einem Jahr noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt.
Ich habe in diesem Jahr viele Menschen kennengelernt, ich bin durch Situationen gegangen, die ich von Zuhause nicht kannte, ich habe, wie jeder gerne einmal sagt, meinen Horizont erweitert. Ich bin mir bewusst, dass sich die Erde in Deutschland nicht aufgehört hat zu drehen, seit ich hier bin. Menschen werden geboren, Menschen sterben. Menschen ziehen um, kriegen eine neue Arbeitsstelle. Freunde gehen auseinander und neue Gruppen entstehen. Die Stufe hat sich verändert, seit ich hier bin. Natürlich habe ich Angst und ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, wie es in Deutschland gerade ist. Ich sehe nur Regen und graue Wolken. Aber ich sehe sie nur, weil ich noch unvorbereitet auf die Heimkehr bin. Ich weiß nicht, wie es wird. Ich habe keine Ahnung. Nicht einmal eine Vorstellung. Aber in einigen Wochen werde ich dazu bereit sein nach Hause zu kehren, aber bis dahin freue ich mich über die Zeit, die mir für die bislang beste Verwirklichung meiner Träume bleibt.

Ich werde meine Freunde hier aber auch vermissen. Die Momente, in denen wir uns schlapp gelacht haben, in denen wir zusammen geweint haben. Ich werde meine Gastfamilie vermissen und auch meine Gastgeschwister, obwohl sie mir manchmal auf die Nerven gehen. Ich werde es vermissen über den amerikanischen Highway zu fahren, in Dunkin Donuts zu essen und fett zu werden mit der Ausrede, dass ich alles ausprobieren muss.
Ich werde einen Teil meines Lebens vermissen – einen Teil, der nur in einem Jahr statt gefunden und mich komplett verändert hat.

In Liebe,
Emilia

Montag, 13. April 2015

A Night To Remember

„It's gonna be a night (can't wait)
To remember (aw man)
Come on now, big fun (alright)
It's gonna be the night (I guess)
To last forever (lucky us)
We'll never ever ever forget“

High School Musical 3 
„A night to remember“


Hallo, meine Lieben!
Vielleicht könnt ihr euch noch an diesen Song erinnern, falls ihr damals auch wie ich mit süßen 8 Jahren ein „High School Musical“-Fan gewesen seid. Vielleicht könnt ihr euch auch an den dritten Teil der Filme erinnern. Da ich mich wirklich lange nicht mehr gemeldet habe (und hier kaum etwas los ist), möchte ich euch von der unvergesslichsten und unglaublichsten Nacht eines High School Student's detailliert berichten; The Prom.

Ich habe mich nicht nur wegen der Kultur und der Sprache für die vereinigten Staaten von Amerika entschieden. Ich wollte eine Sache auf meiner Liste abhacken; auf den amerikanischen Abschlussball gehen.
Genug Filme kennt jeder, welche über dieses Thema handeln. Große Erwartungen hat man doch sowieso, immerhin sprechen wir hier über die USA. Was soll denn schon jemand erwarten? Eine kleine Party im Keller eher nicht. Deshalb möchte ich euch gerne über in meinen Prom, der am 11.04.2015 statt fand, einen Ausblick verschaffen. Vielleicht werdet ihr diesen genauso genießen, wie ich es getan habe.

Am Donnerstag war ich aufgeregt. Nicht nur aufgeregt.
Ich bin wie eine Durchgeknallte durch die Gänge meiner Schule gelaufen, habe höchstwahrscheinlich mit mir selbst darüber gesprochen, wie unglaublich es doch ist, dass ich auf den Ball gehen darf. Aufhören zu lächeln konnte ich auch wirklich nicht. Meinen Freunden lag ich stundenlang in den Ohren, dass es in 48 Stunden so weit sein würde. Immerhin würde mein Traum war werden! Am Abend packte ich alle meine Sachen zusammen. Wenn ihr mich doch nur gesehen hättet... meine wichtigste Kleidung in die Tasche schmeißend bin ich durch das Haus gehüpft und habe Freudenstänze aufgeführt. Wahrscheinlich kam auch meine Gastfamilie zu dem Schluss, dass ich mehr als aufgeregt war. Die Nacht vor dem Ball würde ich bei einer Freundin verbringen – bei meinem Prom Date.
Da ich in die 11. Klasse gehe, und somit kein Senior, sondern ein Junior bin, konnte ich nicht alleine auf den Prom gehen. Einladen konnte ich auch niemanden, da ich nicht wirklich viel mit Seniors zu tun habe. Meine Freundin Veronica ist jedoch ein Senior. Da sie kein Date hatte, nicht alleine gehen wollte, sondern mit jemanden, kamen wir zu dem Schluss zusammen zu gehen. Wir kannten uns durch andere Freunde und zusammen frühstücken in Dunkin Donuts waren wir auch. Unserem „romantischen“ Rendezvous konnte nichts mehr im Wege stehen.

Doch natürlich haben sich die Pläne fünf mal geändert, bis wir zu dem richtigen Schluss kamen und einen Weg fanden, um alle unsere Gastfamilien zu beruhigen. Während Steve in Indiana am Samstag sein würde, würde der Rest meiner Gastfamilie an ihrem Abschiedsabend ihrer CC-Homeschoolgroup teilnehmen. Außerdem wollte meine Gastmutter nicht den weiten Weg auf sich nehmen.
Am Donnerstag war ich schon aufgeregt gewesen, doch dies konnte man nicht mit der Panik, Nervosität und Vorfreude am Freitag vergleichen. Ich habe geschwitzt, gezittert und war am Realisieren, dass ich wirklich auf den Prom 2015 gehen würde. Es war kein Gedanke mehr. Es fühlte sich genauso an, bevor ich hierher gekommen war. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Sollte ich geschockt sein? Erwartungen haben oder doch lieber auf meine eigenen Sinne hören? Sollte ich darüber lesen, mich informieren, oder mich überraschen lassen? Ich fuhr direkt nach der Schule nach Hause, schnappte mir alle meine Sachen und meine Gastmutter brachte mich erneut zur Schule. Ich würde zusammen mit Veronica zu ihr nach Coral Springs fahren, das 30-50 Minuten entfernt lag. Ihre Gastmutter Mrs Martinez ist Kunstlehrerin in Spanish River High. Die Nacht würde ich in ihrem Haus verbringen, in welchem wir uns am nächsten Tag für den Ball fertig machen würden. Spät am Abend gingen wir aus – Abendessenszeit! Nach einem wundervollen mexikanischem Essen redeten und besprachen wir noch unsere Make-up Ideen, Frisuren und unseren Zeitplan, da wir am nächsten Morgen nicht ausschlafen konnten, sondern zu einer Fashionshow gehen würden. Um 1 Uhr morgens gingen wir doch ins Bett, nur im sicher zu stellen keine Augenringe zu haben.

Samstag war also der große Tag...
Doch wo war meine Panik geblieben? Und genau dies schockte mich. Ich hatte irgendwie keine Angst mehr. Keine Angst, dass meine Frisur nicht sitzen würde, mein Kleid verrutschte, oder gar nicht passte, dass ich in meinen Stöckelschuhen wie eine Ganz herumlief. Vielleicht war ich einfach nur zu müde gewesen, um darüber nachzudenken.
Nachdem wir die Fashionshow überstanden hatten, das Thema war nebenbei „Stay Green“ (Umweltschutz) gewesen, wurde die Zeit jedoch knapp.
Wir beide – Veronica und ich – hatten Angst zu spät zu sein. Und somit unseren Ball zu versäumen. Auf dem Weg zu ihr nach Hause fuhr ihre Gastmutter die kürzeren Wege entlang. Doch dann musste sie tanken und wir warteten gefühlte 30 Minuten auf sie. Danach fuhren wir weiter, wo wir auf die nächste Problemstelle ankamen; die Straße war gesperrt, da am Abend eine Kunstausstellung in Delray stattfinden sollte, wo auch unserer Prom angekündigt war. Um 15 Uhr kamen wir schließlich am Haus an, um uns endlich – endlich – fertig zu machen.
Das erste, was wir taten, waren unsere Haare. Meine ursprüngliche Idee war es meine Haare zu glätten und sie an den Spitzen zu locken. Schlicht und einfach. Das Kleid sollte im Vordergrund stehen. Doch da Mrs Martinez als Friseurin gearbeitet hatte, hat sie einfach unsere Haare gemacht. Kostenlos! Danach kam das Make up und am Ende als kommender Schluss; das Abendkleid.



 
 

 
Um 6 Uhr am Abend brachte uns Mrs Martinez schließlich zu Sarah, einer Freundin von Veronica. Dort angekommen habe ich nicht schlecht über die anderen Kleider der Mädels gestaunt. Ausgegeben haben sie auf jeden Fall viel Geld, das muss ich zugeben. Auch mit den Frisuren haben sie nichts außer Acht gelassen. Manche von ihnen hatten eine männliche Begleitung, während vier von uns Mädels mit keinem Jungen zum Prom gingen. Um 19 Uhr kam dann endlich auch unser Taxi – unsere Limousine.



Genau dann fing mein Zittern, meine Aufregung wieder an.
Ich glaube, als ich in der schwarzen Limousine saß, die wiederum auch ein Geschenk war, da ich ein weiteres Mal nichts bezahlen musste, habe ich realisiert, was ich dort eigentlich tat. Ich fuhr in einem rosaroten Ballkleid in einer schwarzen Limousine zu einem Abschlussball in Florida. Irgendwie hört sich dieser Satz bis heute nicht wirklich, real, für mich an. Vor Allem wenn man ihn auch ausspricht! Es ist, als wäre diese Story aus einem Buch genommen und irgendwo zwischen die Geschichte meines Auslandsjahres geschmissen worden. Aber es war real und genau dies machte mich so unbeschreiblich glücklich.
Wieso? Wenn deine Träume zur Realität werden, weißt du, dass du irgendetwas im Leben gut gemacht hast. Ich weiß nicht, was ich angestellt habe, aber irgendwie ist doch etwas Gutes dabei herausgekommen, findet ihr nicht?

Als die Limo dann am Marriott Hotel in Delray ankam, waren wir nicht die Ersten gewesen. Größere Limos rollten langsam in den Parkplatz. Boca eben. Nur das Beste wird für die Schüler bestellt und mehr als nur ein wenig Geld wird ausgegeben. Das Promticket allein hat 100$ gekostet. Normalerweise, da Männer Gentlemen sind und ihre Freundinnen glücklich machen möchten, wird fast alles von ihnen bezahlt. Das Essen, die Fahrt, das Ticket, die Blumen.
Bevor man in den Saal gehen konnte, wurde man aufgefordert das Ticket und die ID Karte zu präsentieren, damit man sicherstellte, dass man auch wirklich der war, für den man sich ausgab. Danach ging man durch diesen Kasten, durch den man auch auf den Flughäfen geht – um sicherzustellen, dass man auch keinen Alkohol, Waffen, Bomben oder Drogen bei sich trägt. Die Tasche wurde durchsucht. Amerika eben.
Das Thema des diesjährigen Prom war „Traveling“ gewesen. Reisen. Passt doch zu einer Austauschschülerin, oder?
Das Essen war wohlgemerkt auch unglaublich! Ja, ich liebe es. Ich gebe es zu. Auch wenn man am Ende nicht mehr in die alten Jeans passt; das Essen hier ist so gut, dass man am Liebsten nur darin schwimmen könnte. Die Auswahl bestand zwischen amerikanischen Mini-Burgern, verschiedenen Salatsorten, Chips, chinesischem Essen und brasilianischem. Von der Decke hingen Flaggen, auf den Wänden waren verschiedene Dekorationen zu verschiedenen Ländern aufgestellt worden. Der DJ spielte laute Musik, während nur wenige Menschen sich auf der Tanzfläche bewegten. Überall standen runde, große Tische mit Kugeln, die die Erde darstellen sollten. Durch Lichtspiele verwandelte sich der Saal zu einem Mix aus Blau und Grün – die Farben der Welt.




Und die Menschen!
Wie ich schon zuvor erwähnt habe, haben die Mädels Millionen an Dollar ausgeben um für ihren Abend perfekt auszusehen. Das haben sie mit 100% hinbekommen. Während die Mädels in langen Abendkleidern in den verschiedensten Farben glänzten, stachen die Männer mit schwarzen Anzügen hervor. Das Ausgeben an Geld hat sich für diesen Abend gelohnt. Bereut habe ich nichts. Rein gar nichts.
Auch nicht, dass Veronika und ich die Letzten waren, die auf der Tanzfläche getanzt haben. Es war uns egal, was der Rest der Menschheit von uns an diesem Abend dachte. Falls ihr euch jetzt bestimmt fragt, meine lieben Freunde, weshalb. Ich kann euch eine einfache, spontane, überdachte Antwort geben. Obwohl meine Füße bis zum Anschlag schmerzten, ich vor lauter Musik nichts mehr hören konnte und immer wieder meinen Freunden in die Ohren schreien musste, obwohl ich am nächsten Morgen wahrscheinlich wie ein Vampir ausgesehen habe, war es mein Abend gewesen. Der Abend, auf den ich mich seid meiner Ankunft gefreut hatte. Es war der Prom 2015, an dem ich als eine Austauschschülerin teilgenommen habe. Es kann ein Klischee sein, aber es ist mir egal. Denn ich habe auf diesen Abend, an welchem ich in diesem wundervollen Kleid tanzen würde, gewartet. Und es wäre eine Schande gewesen mich nicht zu freuen!
Ich kann es nun zugeben, es ist ein Teil von mir, von meiner Erfahrung und von meinem Abenteuer. Es war mein Abend gewesen zu tanzen, zu feiern, die Musik zu hören, die Zukunft für kurze Augenblicke zu vergessen. Es war ein kleiner Teil von einem Film, von Disney, von einem Buch, von einem Lied. An diesem Abend war es mir egal, was sein würde, wenn ich wieder in Deutschland bin, was geschehen wird, denn ich war wirklich hier. Für mich war es ein Beweis, dass ich nicht träume. An diesem Abend hat nur das Eine gezäht; das HIER und JETZT.

Während viele der Schüler mit ihren Freundinnen oder Freunden im Hotel blieben, oder auf eine After-Prom-Party gingen, mussten Veronica und ich nach Hause gehen. Im Hotel zu bleiben war keine Option, da es zu viel kosten würde. Und eine After-Prom-Party? Wenn man sich vielleicht betrinken möchte, um dann anschließend von der Polizei nach Hause gebracht zu werden, dann ja. Wenn man doch lieber den Rest seines Austausches genießen will, und nicht nach Hause geschickt werden möchte, dann nein. Da Veronica, obwohl sie ein Senior ist, und ich nicht viele Seniors kannten, war es auch schlechthin irgendwie nicht möglich bei einer Freundin zu übernachten. Am nächsten Morgen wären wir wahrscheinlich sowieso im Stehen wieder eingeschlafen.
Die Nacht und den Ball haben wir trotzdem genossen! Immerhin wird diese Nacht zu den Unvergesslichsten gehören.

Mit lieben Grüßen, Emilia
P.s.: Nur noch 78 Tage, dann könnt ihr mich wieder in die Arme schließen! :)

Donnerstag, 19. März 2015

Disney World und Kennedy Space Center

Gegrüßt seid Ihr, Könige und Königinnen aus fernen Ländern!
Prinzessinnen und Frösche, die wieder in einen Traumprinz verwandelt werden müssen! Liebreizende Damen und Herren!
Vom 27.Februar bis zum 1.März habe ich das Wochenende bei einer anderen Gastfamilie verbracht und bin zum sagenumwobenen Disney World Park gefahren und habe das Kennedy Space Center besucht.
Falls ihr euch natürlich fragt, weshalb ich so lange mit dem Bericht gebraucht habe; leider lag ich mit Schnupfen, Halsschmerzen und Husten im Bett. Zum Glück haben wir nun Spring Break – eine Woche frei. Falls ihr wissen wollt, wie diese Erkältung zu Stande gekommen ist, ließt einfach selbst. :)

Am Freitag wurde ich von meiner Gastmutter und meiner Gastschwester zu Starbucks gebracht, wo wir anschließend auch Go aus Japan und Jorge aus Spanien angetroffen haben. Zusammen mit ihnen, und Harold, einem weiteren Kopf von AFS, seinem Sohn, sind wir der 3,5 stündigen Fahrt nach Orlando angetreten, wo wir die Nacht über bei einer anderen Gastfamilie schlafen würden, um am nächsten Tag nach Disnet World gehen zu können. Und ja, in dem Auto war ich das einzige Mädchen. Aber keine Sorge, meine lieben Leser, nach dem kleinen Wochenendausflug war Harold kräftig von der Tatsache überzeugt, dass ich eine gute Überlebenskünstlerin war, was das Thema Fahren-mit-Jungs anbelangt. Während der ganzen Fahrt wurde geschnattert, was mich ziemlich überraschte, denn die Männer reden bekanntlich weniger als Frauen. Ein Mann, ein Wort. Eine Frau, ein Wörterbuch.
Dabei habe ich mal wieder etwas ganz Neues über AFS, meine Austauschorganisation, gelernt. Zwar war ich am Anfang schockiert, aber irgendwo schien es auch verständlich. Nach mittlerweile zwei stündiger Fahrt hat mir Harold gesagt, dass er vieles über mich wusste. Jetzt kriegt man doch normalerweise Angst, oder? Er ist nämlich derjenige, der die Schulen anruft und sich vergewissert, dass alle AFS Austauschschüler keinen Unfug anstellen. Er weiß alle Noten, alle Tage, an denen wir gefehlt haben und auch die Stunden, die wir nachsitzen mussten. Verheimlichen kann man hier nichts mehr.
Als wir dann auch bei unserer Gastfamilie angekommen sind, die dabei nur aus Mary Lo bestand, die selbst einmal eine Austauschschülerin gewesen war, haben wir sogleich unsere Betten bezogen und sind schlafen gegangen. Dabei hatte ich das größte Bett für mich selbst erwischt.

Samstag war dann der große Tag.
Früh am morgen sind wir aufgestanden, haben uns fertig gemacht und konnten im Land der Träume eintauchen. Erst einmal stand uns wieder eine Strecke von 1,5 Stunden entgegen. Der Himmel über uns war eine graue Wolkendecke und wir hofften schwer, dass sich das Düstere über uns verziehen würde, und wir einen schönen Tag haben würden. Immerhin war es Disney!
Ich zu meiner Seit war sehr aufgeregt. Falls es viele von euch nicht wissen; ich liebe Disney Filme. Wer bitte schön träumt nicht davon von einem Märchenprinzen wach geküsst zu werden? Wer möchte nicht mit Peter Pan nach Nimmerland fliegen? Wer würde denn nicht gerne das Biest aus seiner Gestalt befreien? Wer würde denn nicht gerne mit Jack Sparrow zu fernen Inseln segeln und vergrabene Schätze finden? Wer würde denn nicht gerne Nemo suchen? Wer würde denn nicht....? Gibt es doch zu; wenn jemand vorbeikommen und euch genau dies fragen würde, würdet ihr doch auch alles stehen und liegen lassen, um euch auf ein Abenteuer vorzubereiten!
Und auf einmal breitete sich das Schild aus – das „Willkommen in Disney“ Schild, worauf wir alle gewartet haben. Es war da. Es ist einfach so plötzlich erschienen.
Wenn ihr das Gefühl kennt, wenn ihr an Weihnachten als kleines Kind aufgewacht seid und all eure Geschenke unterm Baum aufblitzen sehen konntet, und euer Herz euch bis zum Hals schlug und fast explodieren konnte, weil es so unglaublich atemberaubend toll gewesen ist, genau jetzt könnt ihr mich verstehen, wie ich mich gefühlt habe. Es war wie mein Geburtstag, Weihnachten, Ostern und meine zukünftige Hochzeit zu gleich. Ich war aufgeregt. Mehr als aufgeregt!

Als wir uns dann auch alle vor dem Tor standen, wurde mir eins klar; Emilia, DU BIST IN DISNEY.



Nachdem wir eingetreten waren, ging unsere Expedition auch schon los.
In kleinen Grüppchen haben wir Disney's wunderbare Ortschaften entdeckt. Dabei bin ich mit Finja aus Deutschland, Romina aus Uruguay und Aruuke aus irgendeinem Land in Asien herumgelaufen. Da wir leider nicht alle Parks besuchen konnten, sind wir nur ins Magic Kingdom gegangen – der Park, in dem das Schloss steht.
Eins müsst ihr über Disney erfahren; es gibt dort keinen Dreck. Alles ist sauber. Ihr findet dort keinen einzigen Müll, kein Kaugummi, kein Haar am falschen Fleck. Es ist nicht nur sauber, sondern einfach perfekt. Jedes Haus, jede Attraktion, jede Straße, jedes der tausend Souvenirshops, jedes noch so kleine Detail wurde speziel eingeplant. Wie alles jedoch passiert, ohne entdeckt zu werden? Unter dem eigentlichen Park, in welchem alles scheint und glänzt, gibt es unterirdische Tunnel – eine ganze Stadt – nur um alles perfekt erscheinen zu lassen. Es hört sich an, wie ein großer Plan. Das ist es auch. Disney ist dafür bekannt. Jeden Tag strömen tausende von Menschen durch die Tore Disney's, um die verschiedensten Parke zu besuchen; Magic Kingdom, Animal Kingdom, Epcot, Hollywood Studios. Jedes Jahr werden Millionen von Dollar für Disney ausgegeben, und nach dem Besuch kann ich auch verstehen, wieso.
Die Häuser sahen aus, als wären sie aus den verschiedensten Disney Movies ausgeschnitten wurden. Nein. Sie wurden aus den Disney Filmen ausgeschnitten und an vielen Stellen platziert. Du hattest das Gefühl in eine Szene hineingesprungen zu sein, ohne jedoch das Gleichgewicht zwischen Wirklichkeit und Traum zu verlieren. Nichts hat sich unangenehm gefühlt. Es war alles so bekannt, so heimatlich, weil man doch mit Disney, Mickey Mouse, groß geworden war. Es war alles da. Alles, was man sich hätte jemals vorstellen können. Es wurde nichts vergessen. Rein gar nichts.

Doch. Doch leider musste es doch einen kleinen Hacken bei der ganzen Sache geben. Gibt es den nicht immer? In allen Filmen, Büchern, Geschichten, Abenteuern? Und den gab es auch. Als wir um 10 Uhr morgens angekommen waren, hat es angefangen zu regnen. Es hat nicht aufgehört. Den ganzen Tag lang, über acht Stunden lang, hat es geregnet. Mal stärker, mal schwächer. Aber es hat nicht aufgehört. Auf den Straßen bildeten sich große Pfützen und das ebenso perfekte Bild von dem Tag wurde verzerrt. Obwohl wir Regelmäntel hatten, hat es keinen Unterschied mehr gemacht. Wir waren durchnässt. Klitschnass. Wie ein Schwamm. Meine Socken konnten in meinen Schuhen schwimmen und jeder Versuch mich irgendwie zu trocknen, wurde wie Feuer im Regen ausgelöscht. Am Abend wurde es dann noch dazu kalt und wir mussten über eine Stunde in der Kälte warten, bis alle Austauschschüler sicher abgeholt wurden und wir dann auch komplett durchfroren waren.
Nebenbei bin ich auf verschiedenen Achterbahnen gefahren, wobei mein Magen genau in der Position blieb, in der er auch bleiben sollte. Gekauft habe ich auch ganz viel; für Freunde und auch für meine Familie.

Doch der Anblick des Schlosses bei Nacht konnte fast alles wieder gut machen. Aber nur fast.
Die Türme reckten sich in der Dunkelheit zum Himmel empor, glänzten im Licht der Sterne rötlich und rosa, als ständen sie in Flammen. Der Ballsaal schien lebendig geworden zu sein und ein merkwürdiges, jedoch vertrautes Gefühl machte sich im Bereich breit, wo doch eigentlich das Herz hätte sein sollen. Es war so einfach. So unbeschreiblich einfach zu erklären. Ich wusste nicht, was es bedeutet, von Schönheit geblendet zu sein. Blind zu sein. Auf einmal verstand ich es; es war das Schloss, das man von jedem Film kennt. Es war das Disney Schloss, was irgendwie mir den durch Regen versauten Tag rettete. Es war die Bestätigung, dass ich wirklich ganz da war. Keine Einbildung. Keine Fata Morgana. Keine Gespenster. Nur das Schloss, das zum Leben erweckt wurde.






Auf einmal konnte ich verstehen, weshalb Peter Pan nicht erwachsen werden wollte. Disney war keine Realität. Disney war irgendetwas zwischen Traum und Realität. Es wirkte alles so fern. So unberührbar. Einfach, als wäre es nicht richtig. Und dann, irgendwann, wird man wieder in die Realität geschleudert. Genau dann fragt man sich, was man mehr liebt; ein Teil eines unbeschreiblichen Traumes oder ein Teil einer unberechenbaren Realität zu sein?


Am nächsten Tag, dem 1. März, sind wir zum Kennedy Space Center gegangen.
Und was ich euch jetzt schon sagen kann; es gab keine Spuren vom Regen. Die Sonne schien hell am blauen, wolkenlosen Himmel. Es war warm, beinahe schwitzend heiß.


Falls ihr jemals nach Florida kommen solltet, was ich euch auch ehrlich gesagt vom ganzen Herzen wünsche, dann müsst ihr hierher kommen. Ich schwöre, dass ihr es nicht bereuen werdet!
Als wir durch den Eingang mit unserer ganzen Mannschaft spaziert sind, konnten wir schon von Weitem einen sogenannten Raketengarten sehen, in welchem sich eben alle Modelle von Raketen befanden, die in den Himmel gestartet sind und in Zukunft starten werden. Es wurde viel erzählt, jedoch wenig verstanden, da wir alle ziemlich müde waren. Lange schlafen konnten wir nicht, da das Kennedy Space Center eine lange Strecke von uns entfernt lag. In einem der vielen Gebäude haben wir einen Film über das Space Shuttle Atlantis gesehen.
Um das Raumschiff fertigzustellen, benötigten die Menschen rund 12 Jahre. Es wurde auf Dinge verzichtet werden, sie musste leicht sein. Am Ende wog die Atlantis 3200 kg weniger als ihre Vorfahren. Die Atlantis sollte starten wie eine Rakete, doch wiederkommen sollte sie wie ein Flugzeug. Wiederverwendbarkeit.
Die Raumfähre war 33 Mal in der Galaxie gewesen. 33 Mal war sie gestartet und sicher zurückgekommen.
Während des ganzen Filmes wurden auf den Wänden verschiedene Muster projektiert, wodurch mir und meiner Freunde einige Male schlecht wurde. Der ganze Raum hat sich gedreht und man fühle sich, als würde man durch den Weltall fliegen, fremde Sterne beobachten und ein kleines, grünes Marsmännchen sein. Auf einmal tauchte das Bild der Atlantis auf. Und plötzlich wurde die überdimensionale große Leinwand hoch gezogen und die echte Atlantis erschien vor unseren Gesichtern!




Es war einfach nur so unglaublich ein Teil der Geschichte mit den eigenen Augen zu sehen. Man hat sich irgendwie klein neben so einem großem Ding gefühlt.
Nach einigen Minuten ging es dann auch weiter. Mit einem Tourbus sind wir durch die verschiedensten Felder des Parks gefahren.
Wir haben das Gebäude mit der größten, aufgezeichneten Flagge der Welt gesehen (über 21 Stockwerke lang!), den Ort, an dem alle Raketen fertig gestellt und gebaut werden, die größten Türe der Welt und natürlich einige, herumlungernde Alligatoren. Auf die Umwelt wird natürlich auch dort geachtet. Die Tiere werden durch Schallwellen verscheucht, an schließlich kommen sie wieder.

Nach einem kleinen Picknick haben ein paar andere Austauschschüler und ich an einer Space Shuttle Übung teilgenommen. Erst einmal wurde natürlich viel erzählt; wie unsere Magen beeinflusst werden, dass man körperlich fit sein sollte und dass auch unglaublich viele Komplikationen entstehen können. Die Simulation war weit aus besser, als man am Anfang gedacht hätte.
In einem Raum mussten wir uns an Stühle anschnallen, die die Sitze im Raumschiff simulieren sollten. Die Türen wurden zugemacht und auf dem Bildschirm vor uns erschien der Weltraum. Plötzlich hat es angefangen von allen Seiten zu rütteln, der ganze Raum hat sich angefangen in Bewegung zu setzen. Wir wurden auf unsere Sitze gedrückt und um 90 Grad gedreht, sodass unsere Füße in der Luft schwebten und wir auf unseren Stühle lagen. Und natürlich hat es nur noch mehr angefangen zu rütteln. Dann wurde die Decke des Raumes geöffnet und zum Vorschein kamen Sterne und ferne Planeten.
Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, und der Tag an sich war viel, viel angenehmer, als Disney.

Leider mussten wir uns nach unserem kleinen Ausflug in den Weltall beeilen, um nicht zu spät nach Hause zu fahren, da die Strecke weitere 4 Stunden benötigte.
Nach dem Wochenende angekommen, war ich leider irgendwie kaputt und auch krank, weshalb dieser Eintrag so spät wurde. Ich habe mich lieber ausgeruht, um die kurzen Ferien gesund zu verbringen.

Liebe Grüße, Emilia :)
Hoffentlich wird mein nächster Eintrag nicht schon wieder so spät! Tut mir Leid noch mal!

Mittwoch, 25. Februar 2015

Mount Dora

Heya, ihr Süßen!
Wie ihr es schon von meiner Gastfamilie kennt, waren wir wieder einmal campen vom 18.02. bis zum 23.02. Diesmal in Mount Dora, einer kleinen, ländlichen Stadt in mitten Floridas.

Wie ihr es schon vermutlich von meinen anderen Campingtrip Berichten kennt, wurde ich auch dieses mal, mehr oder weniger, von der Schule befreit. Es ist viel Arbeit den Camper auf und ab zu bauen, weshalb es sich mehr lohnt einige Tage wegzugehen, anstatt nur ein Wochenende. Da die Schule hier anders aber funktioniert als in Deutschland, werde ich alle Hausaufgaben aufholen müssen, sobald ich wieder in Boca bin.

Sehr früh am Morgen haben wir einen Abstecher in Dunkin Donuts gemacht, haben uns Donuts geholt (Gosh, ich liebe diesen Shop und ich empfehle jeden zukünftigen, amerikanischen Austauschschüler dorthin zu gehen!) und sind dann weitergefahren. Während mein Gastvater zu unserem Campground gefahren ist, um alles aufzubauen, sind meine Gastmutter, Gastgeschwister und ich nach Downtown Disney gesegelt, wo man sich die Zeit in Souvenirläden vertreiben kann.
Das Erste, was wir aufgefallen ist, war die zuckersüße Stimmung, welche in der Luft wie Zuckerwatte schwebte; Disneysongs wurden abgespielt, altbekannte Charakterfiguren sah man lächelnd an den Wänden stehen und man fühlte sich wieder wie eine kleine Prinzessin. Ich glaube, genau dies ist das Besondere an Disney. Es spielt keine Rolle, wie alt man ist; man findet immer wieder den Weg zurück. Nachdem reichlich eingekauft und von dem Prinzen auf dem weißen Ross geträumt wurde, haben wir uns wieder auf unserem Weg zum Campground gemacht.








Als wir angekommen sind, erstreckte sich vor unseren Augen eine wunderschöne Waldlandschaft und ein endloser See. Es war nicht wie das erste Mal, in welchen wir am Ende der Welt waren und man jedes mal Angstzustände bekam, wenn man nachts auf die Toilette musste. Der Campground war alles andere als leer, jedoch nicht von allen Seiten besetzt. Der Campingplatz war auch wesentlich kleiner als der in Chassahowitzka. Es gab überall Bäume, die mit spanischen Moos besetzt waren, einen Boardwalk, ein Holzweg inmitten des Sumpfes, umrandet bei exotischen und mir unbekannten Pflanzen, auf welchen man spazieren konnte und natürlich einen Pfad durch den Wald.

Es war so schön kurz vor der Abenddämmerung wandern zu gehen, die Stille zu genießen und nichts anderes zu machen, als wieder diese frische Luft einzuatmen, die man in der Großstadt nicht finden kann. Es war stiller. Nicht wurde durch Autohupen unterbrochen, man hörte keine Fernsehgeräusche, keine schreienden Kinder, kein etwas, was die Stimmung vermieste. Man konnte eher seine eigenen Gedanken Räder schlagen hören, das eigene Herzklopfen und die Natur; singende Vögel, raschelnde Blätter und das beruhigende Geräusch des Sees hinter dem Rücken. Obwohl ich keine richtige Campingperson bin, und doch meine eigenen vier Wände bevorzuge, konnte ich auch einmal entspannen. Für die Außenwelt war ich für einige Tage nicht erreichbar. Einfach verschollen.
Es war so anders, wieder tagträumen zu können, wenn man durch die dichten Wälder lief, am Boardwalk entlang schlenderte und nichts anderes tat, als den eigenen Gedanken nachzugehen. Vielleicht mag es sich für euch verrückt anhören, aber ihr müsst es auch einmal probieren. Einfach mal die Augen schließen, durchatmen und den Rest der Welt vergessen. Blendet für einige Sekunden die Menschen um euch herum aus, vergesst, dass sie existieren. Vergesst die Schule, die Hausaufgaben, die ihr noch machen müsst und die Klausuren, für die ihr Nächtelang lernen werdet. Nur für zehn Minuten. Oder auch nur für fünf. Wenn ich das gemacht habt, dann wisst ihr, wie entspannend die Wildnis sein kann.
















Vorallem aber, was mir aufgefallen ist, war es viel, viel kälter. Nachts fiel die Temperatur unter den Gefrierpunkt, und wir schliefen mit zwei paar Hosen und Jacken. Es hört sich merkwürdig für Florida an, oder? Vor allem, da man sich immer die Palmen, den Strand und die unausgesprochene und manchmal wirklich nervende Hitze vorstellt. Aber ja, es gibt auch hier einen (nennen wir es) Winter.
Es war nur günstig, dass wir am Mittwochabend nach Downtown Mount Dora gingen, wo ich mir sogleich eine Mütze und einen Schal kaufte, um nicht in der Kälte Floridas zu erfrieren.
Die Stadt selbst ist so klein und niedlich, dass man sich sogleich in sie verliebt. Alle Geschäfte, kleine Souvenirläden und Häuser sind dicht bei einander gebaut wurden, die Fassaden wurden erneuert, aber man kann ihnen immer noch die Spuren der Zeit anmerken. Die Häuser sind rustikal, altmodisch und - eben wie alles hier - ländlich. Hier gibt es selbst ernannte Kleidungsmärkte, keine Einkaufszentren oder Malls, wie man sie aus der Stadt kennt. Wenn man auch zu Publix oder Marshells fahren möchte, muss man aus der Stadt raus. Hier kennt jeder jeden, nichts ist ein großes Geheimnis und die Stadt wird von Touristen um schwirrt - wie Blumen von Bienen. Es riecht in allen Ecken nach selbstgemachten Keksen und Kaffee.
Weiter außerhalb der Stadt, auf dem Land, gibt es größere und prachtvolle Häuser, Villen oder sogar kleine Schlösser. Auf dem Land kostet alles nur zum halben Preis, man kann sich mehr leisten und man hat das starke Gefühl, dass auch die Menschen hier viel netter sind, während man in der Großstadt nur auf griesgrämige Grimassen antrifft. Das einzige Problem in einer Kleinstadt; großes Geld kann man nicht machen. Alle Geschäfte werden von Kindern und Enkelkindern übernommen. Eine Karriere kann man in Mount Dora nicht starten, aber man kann zumindest das Leben genießen.









Am Freitagmorgen sind wir zu den De Lion Springs gefahren um einschließlich selbstgemachte Pfannkuchen mit Blaubeeren und Schokotropfen zu essen. Richtig genießen konnten wir es jedoch am Ende, als wir nicht mehr mit den Zähnen knirschen mussten. Der Anblick raubte dennoch uns den Atem; das kleine Frühstücksrestaurant war in einer alten Mühle gebaut worden. Diese befand sich wieder an einem See, in welchem zu der Winterzeit das Zuhause der Seekühe ist. Eingeschlossen wird die Mühle und der See von Wäldern.








Auch sind wir zu einer kleinen Insel am Nachmittag gefahren, auf welche wir mit einem Schiff hinüber getragen werden mussten. Anstatt zum Camper zu fahren, haben wir dort unseren Tag mit einem Picknick in den Wäldern verbracht. Gesehen haben wir wilde Gürteltiere und auch Nester von Habichten oder Falken. Sogar unser Bootsmann hat versucht ein Gürteltier, welches wir Boris benannt haben, zu fangen. Leider war Boris aber doch schon weg, bevor er ihn auch nur berühren konnte. 



 


Am Sonntag, da meine Gastmutter Geburtstag hatte, sind wir in ein 4,5 Sterne Frühstückscafé frühstücken gegangen. Und man, schmeckte das verdammt gut! Anstatt wirklich fein essen zu gehen, hatten meine Gasteltern beschlossen den Tag anders zu verbringen. Ein nettes Frühstück und den Rest des Tages verbrachten wir auf dem Flohmarkt, an welchem auch Steve teilnahm.
Ich habe euch doch schon bestimmt erzählt, dass mein Gastvater eine ausgeprägte Leidenschaft fürs Sammeln pflegt. Er liebt alte Volkswagen-Hippie-Busse, aber auch alte Spielzeuge aus vergessenen Zeiten. Dies war auch der Grund, weshalb wir in Mount Dora campen waren. Jeden Tag war Steve von morgens bis mittags, oder sogar früh am Abend, dort geblieben und hat seine Lieblinge und Schätze verkauft. Im Haus meiner Gasteltern stehen ebenfalls mehrere Vitrinen überfüllt mit alten Spielzeugen. Für mich wäre es auf keinen Fall gar nichts, aber mein Hobby ist es nicht!
Vorfinden konnte man auf dem Markt natürlich alles; von alten, schönen Möbeln, Spielzeugen, Kleidern bis zu exotischen Kunstwerken, Essen oder auch Büchern war alles dabei. Man glaubt gar nicht, für was alles Menschen ihr Geld ausgeben; Mannsgroßen, aus Stahl gebauten Dinosauriern, verwesenden Meerjungfrauen bis zu Damenunterwäsche aus dem 19.Jahrhundert. Wer hat schon vermutet, dass auch so etwas heiß begehrt ist?


Am Montag, der letzte Tag in Mount Dora, haben wir den Camper über zwei Stunden lang wieder abgebaut und sind dann nach Boca zurück gefahren.
Wie ihr sehen könnt, war es ein gelungener Campingausflug, kein großes Abenteuer. :)


Liebe Grüße, Emilia