Donnerstag, 11. September 2014

One Month past...
11.September...

Hallihallo an Alle!
Unglaublich, dass ich das schon sagen darf; ein Monat – oder besser gesagt 28 Tage - ist schon vorbei und nun werde ich nur noch 9 Monate und 2 Wochen in den Vereinigten Staaten von Amerika bleiben. Ich weiß, es hört sich unglaublich witzig an. Dieser eine Monat war wirklich ein unglaublicher Monat, denn immerhin sind so viele Dinge passiert!
An diesem besonderen und vor allem merkwürdigen und gleichzeitig auch traurigen Tag möchte ich alle an den 11.September 2001 erinnern. Heute in der Schule haben wir uns ein Video mit erschreckenden Bildern angesehen. Eins kann ich euch sagen; ich kann durch diese halbe Stunde einen Teil, einen Charakterzug, der Amerikaner mehr verstehen. Durch diese Katastrophe sind die Vereinigten Staaten wirklich vereinigt worden. Was ich meine? Nach diesem Tag begannen viele Amerikaner Fahnen in ihren Häusern aufzuhängen, Armbänder mit den Nationalfarben zu tragen, und ihre Städte mit der Fahne zu schmücken. In jedem Klassenraum meiner Schule hängt eine Fahne, heute wurde sogar der Pledge of Allegiance aufgesagt. Ebenfalls gab es eine Schweigeminute für alle verstorbenen Personen. Und glaubt mir, egal wen ihr in den Staaten fragt, was er oder sie an diesem Tag gemacht hat; jeder wird es euch bis ins kleinste Detail erzählen können. Es war ein Schicksalsschlag für die vereinigten Staaten. Es ist so unglaublich und ebenfalls rührend, und doch schmerzt es irgendwo in der Seele.
Ich verstehe deshalb auch, weshalb die Kontrollen so drastisch verschärft wurden.
Dieser Tag war oder ist für meinen Teil noch wirklich merkwürdig und im Grunde spielte es für mich keine Rolle, dass ich schon 3 Wochen zur Schule ging und beinahe einen Monat in den Staaten saß. Der Tag war nur verregnet, denn ich kann mich nicht entsinnen die Sonne auch nur einige Sekunden gesehen zu haben. Die Stimmung war auch irgendwie bedrückend. Ich kann nicht sagen, ob es allein wegen der Arbeit war, die alle Stufen schreiben mussten, oder ob es wirklich an dem 11 September lag.

Doch ich möchte nicht mehr lange um den heißen Brei reden. Mir geht es auf jeden Fall mega gut hier und nun möchte ich euch ein wenig von der Schule berichten. ;)

Schule;



Physical Education – Ich dachte nicht, dass ich das jemals einmal sage, aber ich liebe die Sportstunden, auch wenn sie größtenteils draußen praktiziert werden und es sehr warm ist!Wir spielen Basketball und Volleyball. Letztens haben wir Volleyball gespielt; Mädchen gegen Jungen. Ein Junge namens Andrew war Moderator in seinem Team, hat alle Spieler angefeuert, nebenbei mit sich selbst geredet und eher für sich selbst gespielt. Er hat niemanden anderen in seinen Team spielen lassen. Das nenne ich einmal Multi-Tasking! Es war ein reines Freundschaftsspiel, und irgendwie witzig und nett.
Trotzdem bin ich gewechselt. Beim Basketball ist mir einfach wieder aufgefallen, dass ich nun einmal immer diejenige sein werde, die sich vor dem Ball fürchtet. Zwar werde ich weiterhin Sport machen, da ich nun Volleyball gewählt habe, aber es wird nicht mehr draußen statt finden, sondern in der Turnhalle. Und das ist wesentlich angenehmer!
Creative Writting – eine sehr entspannte Stunde. Jeden Tag müssen wir eine Seite unseres „Tagebuchs“ füllen. Das Thema ist unserer Lehrerin egal und wir können alles beschreiben, was wir möchten. Es sind zum Teil Aufgaben dabei, die mich wirklich zum Lachen bringen; Eine Geschichte über Adjektive schreiben oder sich selbst als einen Gegenstand präsentieren. Wir können Musik hören und unseren Freunden schreiben, während wir unsere Aufgaben erledigen. Nur ab und zu müssen wir der Lehrerin zu hören, wenn sie einmal das Verlangen verspürt uns eine neue Aufgabe zu präsentieren.
Biology – ein bisschen nicht mein Typ, aber man kann es wirklich überleben! Ich hatte am Anfang große Schwierigkeiten, da jedes gefühlte zweite Wort total fremd für mich war. Zwar hatte ich den ganzen Stoff schon einmal in Deutschland, jedoch ist die Übersetzung und das Lernen dieser Übersetzungen ein wenig kompliziert. Die Lehrerin rappelt alles hinunter, wir müssen nur aufschreiben, was an der Tafel steht und es dann auswendig lernen. Richtig erklärt wird hier nichts, denn dafür muss man sich selbst schon hinsetzen und pauken.
Auch die Tests schreiben wir nicht, sondern tippen die Antworten (A,B,C,D) in einen kleinen Computer ein, der unsere Antworten dann zu unserer Lehrerin sendet.
English – Ich glaube, Englisch wird einfacher, als es am Anfang war. Mein Lehrer ist sehr verwirrend, vor allem weil er noch schneller spricht als meine Biologielehrerin. In den letzten Stunden haben wir ein Buch besprochen, was ich nachlesen musste, da ich in den Ferien nicht hier war. Ich wurde zwar nicht nachgetestet, und das Buch habe ich auch nur mit Hilfe von Googel Wikipedia verstanden, aber richtig drin in der Sprache bin ich noch lange nicht. Zwar fallen mir die Wörter viel leichter ein und manchmal vergesse ich die deutsche Bedeutung, jedoch ist es ein großer Unterschied zum Anfang. Mittlerweile kann ich fast jeden verstehen, mit der Ausnahme von Wasserfall-ähnlich-sprechenden Leuten.
Geometry – meine sehr geehrte Mathelehrerin, ich danke Ihnen für die wundervolle Vorbereitung! Dank Ihnen durfte ich letztens sogar meiner jetzigen Mathelehrerin vorschlagen, wie es schneller ginge, etwas auszurechnen. Also, in Geometrie langweile ich mich manchmal sogar. Trotzdem muss ich alles mitschreiben und aufpassen. Es ist ein unglaublicher Unterschied zu Deutschland! Die Dinge, die wir hier in der 10 Klasse haben, haben wir in Deutschland zum Teil schon in der 6 Klasse durchgemacht.

Lunch – Mittagessen; ihr könnt euch hier im Grunde Mittagessen kaufen, wenn ihr möchtet. Ich bringe mein Lunch meistens von Zuhause mit. Ihr könnt verschiedene Süßigkeiten kaufen, aber auch warmes Essen, wie Bagels oder Chicken Sandwiches (diese schmecken übrigens wie Chickenburger von McDonalds). In der Cafeteria gibt es auch andere Dinge, doch ich esse meistens draußen, da ich in den Klassenräumen immer zu Tode erfriere, da die Klimaanlagen hier immer an sind.

World History – ich liebe diese Stunde! Wieso? Mein Lehrer ist ein klein wenig merkwürdig. Vielleicht auch etwas sehr merkwürdig, aber noch einigermaßen in Ordnung. Letztens ist er zu mir gekommen, und hat mich zum ersten Mal beim Namen genannt. Normalerweise nennt er alle „Honey“, „Sweetie“ oder „Mein Sohn“. Er kam also zu mir und hat sich bei mir für meine Note in meinem Test bedankt: „Emilia, ich danke dir, dass du in meinem Kurs bist und dein Test war fabelhaft. Danke.“ Am Anfang wusste ich nicht genau, was ich darauf antworten sollte.
Zurzeit nehmen wir ein Teil Griechenlands und Italiens durch.
Piano Lesson – darf ich angeben?Ich kann die Melodie von Titanic spielen. Mit einer Hand. Ich habe mir das selbst beigebracht, als ich Langweile Zuhause hatte und meine Gastfamilie verstreut war. :D Wir lernen verschiedene Stücke, kleine Lieder, die wir dann unserer Lehrerin Miss „D“ vorspielen müssen. Wenn wir allerdings nur einen halben Tag Schule haben (Alle Kurse, jedoch nur 30 Minuten), können wir mit unseren Handys spielen oder „Glee“ gucken.

Nebenbei bin ich jetzt dem Photography Club beigetreten. Zum einen möchte ich natürlich mehr Freunde finden und einfach meinen Freundeskreis vergrößern, zum anderen würde ich liebend gerne lernen, wie man gute Fotos schießt, denn in dem Falle bin ich wirklich eine Niete!Wir würden verschiedene Ausflüge machen, zum Strand zum Beispiel, oder einfach nur in der Schule bleiben und verschiedene Sportarten photographieren; Cross Country, Football oder Basketball.
(Ja, ich habe nachgefragt. Cross Country würde euch gefallen, Mädels :D)

Eigentlich hatte ich auch vor dem Drama Club beizutreten, aber noch stehen keine Daten fest, wann dieser stattfindet. Ich hoffe zum größten Teil, dass es an einem Tag geht, an dem nicht der Photography Club ist.

Meine Gastfamilie!
Mensch, Leute! Ich liebe meine Gastfamilie. Ich verstehe mich unbeschreiblich gut mit meinen Gastgeschwistern. Zachary hat mir letztens eine Blume mitgebracht. Nebenbei haben wir darüber gescherzt, dass er mich doch zum Homecoming begleiten könnte, wenn ich keinen Begleiter finden sollte. Meine kleine Schwester ist manchmal so niedlich! Als ich letztens meine Sachen bügeln musste, hat es ihr so gefallen, dass sie es ebenfalls gelernt hat und meine Sachen am nächsten Tag mitgebügelt hat. Mit meinem Gastpapa lässt es sich super über Religion reden, vor allem da er die gleiche Meinung wie ich vertritt und wir in vielen Punkten die gleiche Ansicht haben. Und meine Gastmama? Sie kam gerade sehr ernst zu mir – ich habe sie noch nie so ernst gesehen – sprach mit einer tiefen Stimme: „Emilia.“ und gab mir dann eine ganze Packung amerikanischer Kekse. Und sie weiß, dass ich nicht aufhören kann zu essen, wenn ich diese Sachen sehe. Aber ich versuche trotzdem Sport zu machen, obwohl ich mich lieber in Burritos oder Bagels baden könnte!
An alle zukünftigen Austauschschüler; wisst ihr, was das Problem ist? Zu viel Essen und zu wenig Platz im Magen, wo ihr alles platzieren könntet! Für das Essen hier könnte ich meine Füße abschneiden. Oder mich nie wieder auf die Waage stellen.... :D
Meine Gastfamilie ist wirklich mega lieb und ich wünsche Euch allen die gleichen Erfahrungen, die ich hier mache.

Okay, das war's fürs Erste, Guys!
Vielleicht poste ich noch am Wochenende etwas, wenn ich die Zeit habe, nach einem gemeinsamen Shoppingausflug mit Lillian. :) Jaa, ich habe Freunde!

Liebe Grüße, Emilia

Samstag, 6. September 2014

Die Beinahe-Wellenreiterin

Dies hier ist die kleine Geschichte einer Beinahe-Wellenreiterin.

An dem morgen war ich totmüde und aufgeregt gleichzeitig. Es war die gleiche Aufregung, die ich damals verspürt habe, als mein großes Abenteuer startete. Es war die Angst und Vorfreude vor dem Neuen und Unbekannten, die mich hinaus auf's Meer jagte. Ich war irgendwo tief in mir nervös und unglaublich glücklich. Auch wenn ich diese Gefühle noch nicht ganz gespürt habe, da ich erst einmal meinen knurrenden Magen beruhigen musste.
Um 5:30 Uhr saß ich halb am Schlafen in der Küche und versuchte irgendwie meine Gedanken zu ordnen. Ich war wirklich gespannt, was mir der Tag bringen und wie genau alles ablaufen würde.
Am 06.09.2014 hatte ich meine erste Surfstunde. Zusammen mit meiner Gastfamilie bin ich dann zum Delray Strand gefahren und wir haben uns für die Surfstunde angemeldet. Zuvor mussten wir uns im Internet registrieren. Die Surfstunden waren umsonst, jedoch verdammt früh am Morgen, weshalb wir um halb sieben schon im Geschäft standen und auf die restlichen Teilnehmer warteten. Es war ein Laden voller Anziehsachen – so bunt und schillerend wie die Fische in dem weiten Ozean. Einfach unglaublich. Ihr würdet diesen Laden auf Händen tragen, wenn ihr könntet!
Nachdem dann endlich alle angekommen waren, gingen wir mit ca. 40 Surfanfängern zum Strand. Meine Gastgeschwister wollten ebenfalls surfen lernen, wobei mein kleiner Bruder kurz davor war zu kneifen. Debbie hatte ihn mit irgendeinem Mittel doch dazu gebracht nicht zu verschwinden. Das Erste, was wir dann am Strand machten, war die Theorie. Unsere Surflehrer erklärten uns genau, wie und was wir mit unseren Boards anstellen mussten, wie wir uns bewegen mussten. Es wurden Regeln erklärt, welche wir einhalten sollten, um uns zu schützen und damit wir nicht verletzt werden, wenn wir von unserem Board is Wasser sausen. Nebenbei veranstalteten wir Trockentraining am Strand. Wir übten, wie man mit den Armen paddelt, wie man aufsteht und natürlich wie man das Brett wendet. Wir studierten ein, in welchem Winkel man seine Knie beugen sollte und alles andere Wichtige. Sofort darauf ging es ins Wasser.

Und dies hier ist der Teil, meine lieben Freunde, in welchem die schöne Geschichte ein trauriges Ende nimmt;
Es ist viel, viel schwieriger, als es aussieht. So leicht und unbeschwert die Surfer sich auf den Wellen bewegen, so härter und anstrengender ist es in Wirklichkeit! Surfing lehrt euch sehr, sehr viele Dinge. Man kann seine Kräfte einschetzen, man weiß, wie weit man gehen darf und kann. Man lernt nicht nur geduldig zu sein, sondern auch den richtigen Moment zu ergreifen. Surfing ist gut für die Gesundheit und die gesündeste Droge der Welt. Man strengt jeden einzelnen Muskel an. Surfing ist eine unglaubliche, aber auch schwierige Sache. Es ist sehr schwierig am Anfang, aber nicht unmöglich.
So sehr ich auch versucht habe aufzustehen, ich konnte mich nicht überwinden. Ich konnte mich nicht aufs Brett stellen. Ich bin natürlich einige zahlreiche Male ins Wasser geflogen. Zwar habe ich mich nie verschluckt, aber am Ende des Tages konnte ich immer noch das Salz schmecken. Ich weiß nicht, weshalb ich mich nicht getraut habe, aber ich habe es einfach nicht geschafft. Am Ende war ich deprimiert und traurig. Ein kleines Stückchen zerstört. Ich bin nicht gewöhnt ans Wasser, ich kann weder die Wellen fühlen, noch spüren, wann die richtige Welle kommt. Und ich bin zu blöd, um mich aufs Brett zu stellen. Zu langsam – ich Schnecke. Dann sah ich auch noch meinen Gastbruder wie leichfüßig er bis zum Strand die Wellen ritt.
Und genau da – in genau diesem Moment – machte es 'Klick' bei mir. Wozu bin ich hier? Weshalb bin ich eine Austauschschülerin? Um die gleichen und selben Sachen zu machen wie in meiner Heimat? Nein. Niemals. Never.
Es ist das unbeschreibliche Gefühl, diese Motivation und der blosse Willen, der zählt. Noch bin ich zu schwach, um mich auf's Brett zu hiefen. Also steht einiges an; ich beschloss zumindest bis zum nächsten Mal Zuhause zu trainieren – wie man aufsteht. Das, was ich brauche, ist Stärke. Stärke und Mut. Ich sah so viele Menschen an diesem Tag, die mir wortwörtlich die Worte und Taten vor die Augen führten. Ich bin hier, um mich auszuprobieren, um neue Sachen zu entdecken und zu lernen. Und eine Sache ist ganz klar Surfing. Ich möchte so gerne über die Wellen gleiten. Schweben. Tanzen. Ich möchte auf die perfekte Welle warten, meinetwegen auch Stunden. Ich möchte immer wieder das Salz schmecken. Ich möchte sitzend auf meinem Surfboard die untergehende Sonne betrachten.
Ich möchte eine Surferin sein.


Es ist das gleiche Gefühl, als ich vor zwei Jahren nach Hause kam und meine Eltern angekreischt habe, ich würde sicherlich irgendwo ein Auslandsjahr machen und nichts und niemand könnte mich aufhalten. Ich war verrückt und total begeistert von der Idee. Und ich wollte es unbedingt. Und das Gefühl ist nicht verschwunden. Es hat sich nur in etwas verwandelt, was ich noch nicht definieren kann.
Als mein großes Ziel habe ich mir vorgenommen, sobald ich erlernt habe zu surfen, mir etwas aus dem überteuerten und maßlos genialen Store zu gönnen, denn die Anziehsachen dort sind genial. Es ist ein Ziel. Es ist mein Ziel. Ich möchte darauf hinarbeiten. Doch bevor ich mir es leisten kann mein gesamtes Taschengeld zu vertrödeln, steht mein Training an. Erst die harte Arbeit, dann das Vergnügen. Und vielleicht werde ich irgendwann einmal so gut sein, um auch auf dem Brett stehen zu können.

Liebe salzige Grüße, Emilia

Sonntag, 31. August 2014

Richie Rich rich!

„Money, money, money
Must be funny
In the rich man's world
Money, money, money
Always sunny
In the rich man's world“
                                                                      ABBA



Es tut mir Leid, dass ich schon früher nichts gepostet habe! Ich bin hier ziemlich im Stress die letzte Woche gewesen wegen der Schule. Ich versuche so bald wie möglich die neuen Beiträge hochzustellen, sobald ihr diesen neuen Artikel gelesen habt. :)
Natürlich verrate ich nicht, um was es geht.
Wie ihr sieht handelt mein heutiger Bericht von Geld.

Am Samstagmorgen um 7.30 Uhr hat mich meine kleine Gastschwester aufgeweckt. Meine Gastfamilie und ich würden an diesem Morgen außer Haus frühstücken. In den nächsten fünfzehn Minuten meines Lebens bin ich wie von einer Wespe gestochen durch das Bungalow gesprintet und habe alle meine nötigen Sachen zusammengesamelt. Debbie und Steve waren mit Freunden verabredet in einem Bagel laden. Bagels sind runde Brötchen mit einem Loch in der Mitte. Mit Ei, Schinken und Käse serviert sind sie das Beste, was ich bisher in den Staaten gegessen habe! Ich liebe diese Dinger! Ich bin total verrückt nach ihnen, wenn ich ehrlich sein soll. Das Brötchen schmeckt ganz anders als in Deutschland und es gibt verschieden Variationen. Süß, knusprig, herzhaft, scharf oder auch einfach normal. Manche tendieren dazu einen süßen Bagel zu essen. Natürlich habe ich alles ausprobiert, aber der normale ist mir am Liebsten. Und darf ich euch etwas gestehen? Alleine bei dem Gedanken knurrt mein Magen das ganze Haus zusammen....

 

 

 

Dort angekommen habe ich dann Christina, Chris und den 4-Jährigen Sohn Max kennengelernt. Nach unserem Frühstück sind wir dann noch zu ihnen gefahren. Chris und Christina haben zwei Häuser. Eins mit einem Pool und eins ohne. Sie leben im Reichenviertel der Stadt Boca Raton. Chris ist Anwalt und Christina arbeitet in einer Investmentfirma.
Es gibt sehr, sehr viele Menschen, die das nötige Kleingeld besitzen, um sich eine Villa leisten zu können. Von diesen Häusern kann man wirklich nur träumen!
Ihr müsst euch das so vorstellen; Ihr fahrt die Straße entlang. Auf der rechten Seite ist das Meer und einige Häuser. Auf der linken Seite sind wieder Häuser, jedoch ohne einen Ausblick auf den Ozean. Auf der linken Seite kann man ein Haus zwischen 900 000 und 4.5 Millionen kaufen. Das Haus von Christina beträgt ca. 1 Millionen. Es hat nicht die große Quadratmeteranzahl und ist schlicht gehalten, dennoch wunderschön. Die teuersten Häuser haben manchmal auch einen Lagerplatz für ein oder mehrere Boote, da der Fluss an den Häusern angrenzt. Debbie, Hannah und ich waren in einem der Häuser, da gerade Garagenverkauft herrschte. Ich kann euch versichern, allein die Küche und das dazu angrenzende Esszimmer waren größer als meine Wohnung in Deutschland! Ist das verrückt, oder normal?

 

 


 

 

 

Auf der rechten Seite der Straße sind jedoch die Häuser, welche an den Strand angrenzen und einen unübertrefflichen Ausblick auf die Wellen bieten. Wenn ich Geld habt, nicht wisst, was ihr kaufen wollt; spendet doch einfach 12 Millionen Dollar! Diese Villen sind wirklich diese Häuser, welche Starts und Sternchen hier besitzen. Unter anderem sind meine Gastmama und ich letztens an Oprah Winfrey's Haus vorbeigedüst. Hier leben weitere berühmte Prominente. Ich habe bis jetzt noch keinen entdeckt, den ich hinterher rennen müsste. Der Preis hierbei beträgt von 10 Millionen bis oben hin ist wirklich alles offen!
So schön auch die Häuser sind, ich würde niemals in eins dieser Häuser ziehen. Wieso? Ganz einfach; die Menschen, die hier Kohle besitzen und sich den Hintern sogar damit abputzen könnten, sind arrogant. Manche denken, sie wären ewas Besseres und vor allem Wertvolleres. Sie wissen, was sie haben. Sie wissen, was sie können. Sie haben das Geld, um sich das leisten zu können, wovon ich nicht einmal träume. Ich sage nicht, dass alle Menschen in Florida so sind, manche sind auch wirklich gut erzogen und haben eine offene Meinung, jedoch ist ein Teil der Einwohner hier in diese Richtung gekehrt. Meine Gasteltern besitzen ein 200 m² großes Haus und sie sind nicht endlos reich. Die Menschen in der Siedlung sind netter, oder erscheinen zumindest höflicher.
Ein kleines Haus würde mir persönlich ausreichen. Ich brauche weder einen Platz für meine Yacht, noch für meine dreizehn Porsche. Auch hatte ich noch nie das Bedürfnis mir eine eigene Karte zu zeichnen, um mich in meinen eigenen vier Wänden nicht zu verlaufen. :D

Den restlichen Nachmittag haben wir im Pool verbracht. Nebenbei bin ich um die zwei Stunden geschwommen, um mein Frühstück wieder abzunehmen und mir einen Sonnenbrand einzufangen.
Am Nachmittag aßen wir noch eine Pizza und fuhren dann auch nach Hause. Vielleicht liege ich hier falsch, doch mein Gastvater und ich waren der selben Ansicht; wir haben während des Besuchs ganz oft auf den kleinen Sohn Max achtgegeben. Mit nur einem Wimpernzucken hat er wirklich alles bekommen, was er wollte. Wir beide fanden es nicht gut, haben die ganze Zeit jedoch geschwiegen. Was sollten wir denn schon Großartiges sagen? Steve und ich sind schließlich zu dem Punkt gekommen, dass es besser ist, nicht reich zu sein. Vielleicht hat es sehr, sehr viele Pluspunkte, aber Geld allein macht nicht glücklich. Und so wie wir den kleinen Max kennengelernt haben; wenn er erwachsen ist, wird er nicht wissen, wie man Geld verdient, solange er nun alles zugeschoben bekommt. Ein reiches Leben kann sehr schön sein; reisen, Autos, ein großes Haus, alles, was man haben will.
Aber vielleicht denkt ihr einfach in Zukunft anders darüber nach. Mich hat es zu der Ansicht bewegt, dass es einfach einfacher ist ohne so viel Geld aufzuwachsen und die wichtigsten Dinge im Leben zu schätzen. Denn wenn ihr stirbt, könnt ihr nicht euer gesamtes Vermögen in den Himmel mitnehmen.


Liebe Grüße, Lia :)

Sonntag, 24. August 2014

Florida – the Sunshine State

„Manche Dinge sehen wir nur, wenn wir das Meer überqueren und nehmen sie nicht zur Kenntnis, wenn wir sie stets vor Augen haben.“
- Lateinischer Spruch






Ich glaube dieser Bericht wird in euch das Bedürfnis wecken mich entweder zu besuchen, oder mich umzubringen. Ich verweile eher auf meiner zweiten Theorie. Doch, ließt erst einmal, bevor ihr euch für eine der Dinge entscheidet. :D


Am Samstagsmorgen kam die Familie meiner Gastmutter Debbie. Ihre Schwester wollte sie besuchen, da sie sich zuletzt im November gesehen hatten. Wir im Haus waren alleine fünf Leute, als ihre Familie kam, waren wir insgesamt 11. Christina und ihr Ehemann Michael und ihre vier Töchter: Micheala (10), Isabella (9), Christiala (8) und Gabriella (4). Michael und Christina würden in John's Haus übernachten, während wir zu neun Personen hier schlafen würden. Eine kleine Übernachtungsparty stand bevor. Zwar war ich am Tag davor noch nicht ganz begeistert von der Idee, aber ich habe geschwiegen. Am Abend war es jedoch unglaublich cool mit 5 Mädchen auf dem King-Size-Bett zu sitzen und mir von meinem 7-Jährigen Gastbruder die Haare kämen zu lassen. Doch zurück zum Anfang:


Am morgen herrschte keine Aufregung im Haus meiner Gasteltern, jedoch wurde schon alles fleißig vorbereitet; Essen und die Betten. Immerhin musste das Haus einigermaßen in Ordnung aussehen, bevor irgendjemand kommen konnte.
An diesem Tag wollten wir unbedingt ans Meer fahren, da Debbie's Familie am kommenden Dienstag schon wieder nach New York aufbrechen würde. Sogar für mich würde es das erste Mal Sonne & Strand bedeuten, denn immer wenn wir fertig vor der Tür standen, hat es angefangen zu regnen. Und wenn es in Florida anfängt zu regnen, ist alles vorbei. Die Menschen gehen nach Hause und draußen geht die Welt unter. Aus diesem Grund stand ich am Samstag auch verdammt früh auf um mich fertig zu machen, alles mögliche in meine Tasche zu packen, und ich erschien schon in Badesachen in der Küche. Ich war so aufgedreht; klares, blaues Wasser und ein makeloser, weißer Strand, so wie in meinen Träumen.
Meine Gastmom begrüßte mich grinsend, bereitete die Zutaten für's Mittagessen vor und wir kochten ein wenig zusammen. Salat und Gurken schneiden, das Fleisch vorbereiten – und ich kann immer wieder nur beteuern; meine Gastfamilie ernährt sich extrem gesund.
Nachdem alles erledigt war, gingen meine Gastmom, Hannah und Zach schon einmal los. Im Haus ihres Bruders John würden wir dann auch auf den Rest der Familie treffen. An diesem Tag habe ich wirklich alle kennengelernt!
Und sie sind alle zuckersüß, vor allem die kleinen Kinder. Debbie's Familie ist nicht wirklich groß; ihre Eltern hatten keine Geschwister, sie hat weder Onkels, noch Tanten, keine Cousinen und keine Cousins. Nachdem ihre Eltern verstarben, zog sie ganz nach Florida.
Fertig mit Sack und Pack fuhren auch mein Gastdad Steve und ich los, nachdem die restliche Arbeit wie Aufräumen und Putzen erledigt war. In John's Haus war es unglaublich.... laut. So viele kleine Mädchen, die überall herumsprangen und sangen und tanzten. Aber es war nicht nervig, im Gegenteil, es war unglaublich niedlich.
Für mich war dies als Einzelkind immer schon spannend ganz viele Kinder, Gastgeschwister, um mich zu haben. Zwar lebte ich immer mit den Gedanken, dass es anders sein würde, vielleicht nerviger und anstrengender, aber dies bewies sich in dem Fall als total falsch. Ich glaube, die Erziehung ist hier definitv anders, als in Deutschland. Strenger und religiöser.
Doch die erste Enttäuschung stand an. Wir würden nicht wie geplant zum Strand fahren, sondern erst einen Park mit Schildkröten besuchen. Steve hatte dies anscheinend vergessen. So machten wir uns mit der ganzen Familie auf in den Schildkrötenpark. Ich war zwar nicht am Boden zerstört, jedoch irgendwie schon enttäuscht.
 
Nachdem wir gefühlte Stunden in dem Souvenirshop verbracht haben, haben wir dann auch endlich die Schildkröten besichtigen können. 
 
Nebenbei trafen wir auch noch Freunde meiner Gastfamilie, wobei Regean, die 15-Jährige Tochter, und ich natürlich Nummern austauschten.
Für alle baldigen Austauschschüler; es ist schwer, sehr, sehr schwer, am Anfang Freunde zu finden, aber im Laufe der Zeit findet ihr so viele, dass ihr aufhört sie zu zählen. Fragt immer nach Nummern, denn das macht das Leben viel, viel leichter.
Die Schildkröten waren natürlich mega süß und man wollte sie sofort mit nach Hause nehmen, auch wenn ich nicht ganz verstand, weshalb sie angebunden waren. Die Begründung meiner Gastmutter war, dass sie sich verletzten könnten, wenn sie die ganze Zeit gegen die Beckenwand schwimmen würden.
Nebenbei waren wir ebenfalls im Schmetterlingsgarten, wobei nur ca. 2 Schmetterlinge an uns vorbeigeflogen sind. 
 
 
 
Zurück im Haus meiner Gasteltern aßen wir schnell unser Lunch und dann, endlich, brachen wir zum Strand auf. Ich glaube, ich hatte die ganze Fahrt ein Lächeln im Gesicht. Wir sind nicht zum Boca Raton Strand gefahren, da man für diesen Strand bezahlen müsste. Endlich am frühen Abend am Strand angekommen, hatte ich ein paar der überweligsten Gefühle, die ich bisher hier erlebt hatte.


Das Wasser schlug wunderschöne, große Wellen. Es war tiefblau – einfach atemberaubend, wie ich es vorher nie kannte. Es war ein Blau, in dem man sich verlieren wollte. Endlos schwimmen, bis man kein Land mehr sieht.
Es war warm. Das Wasser war warm. Man ist in das Wasser gegangen und man hat keinen Kälteschock bekommen, denn es war herrlich angenehm. Jeder einzelne Tropfen war wie eine Jacke, die sich zart um die Schultern schmiegt. Der Ozean war so schön, so eiskalt berauschend, dass jeder, wirklich jeder, sofort hineingerannt – getanzt – wäre. Der Strand war breit, breiter, als alle Strände, die ich besucht habe. Der Sand, dieser hatte nicht die Farbe von Sand. Er war grau und im Sonnenlicht strahlend weiß. Hinter uns waren einige Bäume und Büsche, die einen starken Kontrast dazu bildeten. Ich glaube, nicht nur die Geräusche der Brandung, die sich wie meine Lieblings Lieder anhörten, oder auch der starke Geruch nach Salz und Fisch und federweichen Sandkörnern, haben mich dazu bewegt, dass ich eins dachte; Ich wollte nicht weg. Nicht von diesem Ort, nicht von diesem Strand. Ich glaube, in genau dem Moment, in welchem sich meine beiden Welten verbanden, bin ich zu dem wichtigsten Punkt gekommen. Vielleicht werde ich später darüber anders denken, doch bis jetzt steht eins für mich fest; ich werde zurückkehren. Irgendwie. Irgendwann. Ich werde nicht in Deutschland bleiben. Niemals. Sterben kann ich überall, wieso sollte ich auf den Tod in Deutschland warten?
Eins war mir klar an diesem Tag; ich hatte mich in dem Meer verliebt, so wie ich mich in Florida verliebt hatte.
 


 

 
 
 
 


Am nächsten Tag sind wir ebenfalls ein weitere Mal zum Strand gefahren. Obwohl ich nur wenige Minuten im Sonnenlicht mich gebräunt und eher die meiste Zeit im angenehm kühlen Wasser verbracht habe, bin ich braun geworden – und zwar mega mässig Florida-braun.
Habt ihr jetzt einen Grund, weshalb ihr mich gerne umbringen würdet? Welcher Austauschschüler kann von sich behaupten, ein ganzes Jahr am Strand verbracht zu haben? :D
Nachdem ich unzählige Male Body Surfing betrieben habe, stand eine weitere Sache für mich fest; ich will surfen lernen. Samstagmorgens gibt es sogar Free Lessons – kostenlose Lernstunden von 7.00 – 9.00. Ich war begeistert von der Idee und hoffe, nächste Woche einen Report darüber schreiben zu können, doch davor muss ich alles natürlich mit meinen Eltern klären.
(Hallo, Mama und Papa. Ihr bekommt später einmal eine Email mit allen Informationen, die euch auch versichern, dass ich die Surfingstunden überlebe. :))

Leider mussten wir dann Strand verlassen, da ich am Nachmittag meine Liaison Familie antreffen würde. Eine Liasion Familie ist eine Familie, mit der ich zu Not sprechen kann, falls ich Probleme mit meiner richtigen Host Familie haben sollte. Sie würden mich aufnehmen, den Konflikt klären. Jeden Monat würde meine Liasionmom Roberta vorbeikommen und nachschauen, ob alles in Ordnung wäre. In Starbucks Café haben wir uns für eine Stunde hingesetzt, geredet und sie haben mir einige Tipps zum weiteren Überleben gegeben, wobei Roberta alle Kosten auf sich genommen hat. Roberta und ihre Töchter Julia (18) & Nicole (15) hatten letztes Jahr ein Gastkind aus Deutschland bei sich und haben dieses Jahr entschlossen eine Ersatzfamilie zu sein.
Das Treffen war so unglaublich toll! Ich konnte so viele nützliche Dinge erfahren, Tipps bekommen und mich sogar mit Julia zum Strand für den nächsten Freitag verabreden. Ich kann das Gefühl schwer beschreiben, aber vor dem Treffen war ich überhaupt nicht aufgeregt. Ich hatte in der ersten Woche so viele Menschen getroffen, so viele verschiedene Typen von Personen kennengelernt, dass ich mich nicht mehr vor neuen Kontakten scheute. Es ist einfach nur fabelhaft, und ich wünsche jeder Person genau die gleichen Gefühle zu erleben und die selben Erfahrungen machen zu können. Ihr fühlt euch so sicher in dem, was ihr macht, was ihr tut, wie ihr fühlt.
Es ist unglaublich und jeder Mensch verdient es.




Überraschung, Surprise, Niespodzianka!
Mal wieder steht eine weitere kleine Überraschung vor der Tür, wobei ihr hierbei fast vor Freunde angefangen habe zu weinen: da ich ja nun 11-Klässlerin bin und nicht wie vorher angenommen habe 10-Klässlerin, darf ich offiziel – ich, Emilia Nowak, 1.62 m groß und ich sage euch nicht, wie viel ich wiege – zum Prom 2015 gehen!
Wisst ihr, was das bedeutet? Ich mache nicht nur die Homecoming Woche und alles mit, trage ein unfassbar geiles Kleid, nein, ich habe zwei unfassbar geile Kleider und zwei unfassbar tolle Bälle! Wie ihr sieht, steigt meine Stimmung und sinkt sie, aber diesmal bin ich wirklich, wirklich überrascht. Und ich genieße es - jede einzelne Sekunde.
Und falls ihr Ideen für Kleider habt; bitte schreiben, schicken, posten, mailen! Aber ihr tut es ja nie! :D

Liebe Grüße, Lia

Mittwoch, 20. August 2014

Schule, Schule, Schule....


Auch für mich hat die Schule nun angefangen. Es ist ein Teil des Austauschjahres die amerikanische Schule zu besuchen, Freunde zu finden und verschiedenen Clubs beizutreten. Auf diesem Weg soll man nicht nur äußerlich die Kultur kennenlernen, sondern man soll sich so sehr integrieren, dass man ein Teil davon wird; so, wie von einer Austauschschülerin erwartet.


Am Montag sind meine Gastmutter Debbie und ich zur Schule gefahren, um mich zu registrieren, da niemand jemals auf Debbie's Anrufe reagiert hat. Ich war mehr als panisch. Ich war so etwas wie überirdisch panisch und deshalb auch kaum hungrig am Morgen. Ich habe sehr lange und viel darüber nachgedacht, denn mal wieder, schon wie einst beim Flug, verstreute sich in mir das Gefühl von Angst. Jeder einzelne muss sich vorstellen, dass es eine Schule ist, auf der ich niemanden kannte. Nebenbei kann ich auch nicht alles verstehen, vor allem nicht, wenn alle Menschen so schnell sprechen, als würden ganze Wasserfälle aus ihren Mündern fließen. Ich war ein kleines bisschen – oder auch ein wenig mehr – verloren an dem Tag.
Meine zukünftige Schule sollte die Spanish River Community High School werden – ca. 2500 Schüler, 9,10,11,12 Stufe, und nur eine aus Deutschland kommende Austauschschülerin – ich. 







 

In der Bücherrei waren gerade einmal zwei Personen, als Debbie und ich hineingegangen sind. In den nächsten 5 Minuten hatte man das Gefühl, dass man von Schülern, die weder ihre Kurse, noch sonst irgendetwas besaßen, überflutet wurde. In weniger als 10 Minuten war die ganze Bücherei mir mindestens 100 Leuten gefüllt. Zum Glück kam nach einer halben Stunde meine Guidance Counslerin. In Deutschland gibt es so etwas nicht. Die Guidance Councler helfen einem beim Auswählen der Classes, der Kurse, und beraten jeden in jeglicher Weise.
Meine erste Überraschung stand an – mit meinen 16 Jahren war ich zu jung um in die 11 Klasse zu gehen. Die Wut stauchte sich so stark in meinen Magen an, dass ich das Gefühl hatte dieser Frau, die vor mir mit den roten Lippen und der ebenfalls roten Brille, einfach meine Meinung zu sagen, denn für mich schaute es aus, als würde sie mich als zu dumm erklären, um in eine höhere Stufe gehen zu können. Deshalb bin ich nun in der 10. Genauso als wäre ich in Deutschland geblieben. Ich glaube, die Enttäuschung stand mir bis zur letzten Sekunde ins Gesicht geschrieben. Nach diesem kleinen Disaster durfte ich endlich meine Kurse wählen. Im Endeffekt bekam ich alles, was ich haben wollte, obwohl Theater leider nicht auf meiner Liste war:


  • Mathematik – Geometrie
  • Welt Geschichte
  • Englisch+
  • Biologie+
    Diese Fächer musste ich wählen.


  • Team Sport
  • Kreatives Schreiben
    (Liebe Grüße an Asif und Kim)
  • Piano
    (Ja, ich lerne, wie man Piano spielt)


Ich hätte Sport nicht wählen müssen, doch ich wollte sicher gehen, dass ich zumindest einen Teil zur meiner Gesundheit (und dem Versuch nicht zu zunehmen) beisteuere. Ich versuche definitiv noch in das Cheerleaderteam zu kommen, auch wenn ich gehört habe, dass man vorher ein Camp in den Sommerferien für Cheerleader belegt haben muss. Damit war es auch mit meinen Kursen und die Schule konnte beginnen.

 









Eigentlich hätte die Schule an diesem Tag schon für mich angefangen, doch zum Einen waren meine Kurse noch nicht eingetragen, und zum Anderen hatte die Schule einige Probleme mit meinen Impfungen. Aus diesem Grund durfte ich noch einen Tag länger Zuhause bleiben. Wenn man die Impfungen nicht vorzeigen kann im Impfpass, muss man zu seinem Arzt gehen und alles nachimpfen lassen; so sind nun einmal die Gesetze hier. Aus diesem Grund (und tausend anderen Gründen) unterrichtet meine Gastmom meine Gastgeschwister Zuhause, so wie viele andere Elternteile. Am Montag sind wir ein viertes Mal zum Arzt gefahren, damit dieser die Papiere im richtigen Format ausdrucken kann und wir sie der Schule überreichen können.
Selbst meine Gastmutter war sauer. Nicht auf mich, aber auf den Arzt. Mein Gastvater hat alle Menschen sogar als "bescheuert" und "total verrückt" bezeichnet. Nachdem aber jeder Papierkram fertig war, konnte am Dienstag endlich die Schule beginnen.


Um meine Gefühle genau beschreiben zu können, braucht man nicht viel: Angst und PP – PanikPinkeln. Nachdem ich meinen Stundenplan abgeholt habe, musste ich meine Klasse finden. In der ersten Stunde habe ich Sport. Bevor man jedoch Unterricht hat, schaut man sich auf einen kleinen, flackernden Fernseher die News des Tages an.
Dort traf ich auf eine andere Austauschschülerin aus Frankreich. Sie war ebenfalls total verängstigt und wusste auch nicht weiter. In der ersten Woche tut man meistens gar nichts während der Sportstunden – man bekommt höchstens erklärt, welche Sachen man tragen darf und welche nicht. In Sport gilt die goldene Regel; weißes oder graues T-Shirt und eine blaue oder schwarze Hose. Nachdem die erste Stunde überlebt war, konnte es gleich weitergehen mit dem Überlebenstraining.
Die nächste Stunde war 'Kreatives Schreiben'. Meine Lehrerin, Mrs. Gabay, ist unglaublich nett. Sie hat mir sofort gesagt, was ich brauchen würde. Dieser Kurs beschäftigt sich hauptsächlich mit künstlerischen Sachen, Gedichte schreiben und über uns selbst diskutieren. Ab Montag werden wir ein tägliches Tagebuch schreiben und können uns unser Thema selbst aussuchen. Ich fühle mich zwar unwohl, aber ich versuchte einfach das Beste daraus zu machen.
Da ich in den höheren Klassen in Biologie und Englisch bin, war dieser Teil meines ersten Tages sehr, sehr kompliziert. Ich habe beide Kurse mit 11 und 12 Klässlern, natürlich besuchen unter anderem 10 Klässler und Freshmen, sogenannte 9-Klässler, manche meiner Kurse. Das Gefühl einfach nur da sitzen zu können und nichts zu verstehen, ist schrecklich. Und ich meine wirklich schrecklich. Biologie war einfach nur eine andere Sprache, aber nicht einmal ein Wort konnte ich indentifizieren. Nachdem die Stunde zu Ende ging, kam meine Lehrerin zu mir und fragte mich, wie es mir ginge. Ich habe ihr die Wahrheit gesagt, da ich total verloren war. Sofort hat sie sich meine Emailadresse aufgeschrieben und mir den Stoff nach Hause geschickt, damit ich für den Test, der nächste Woche ansteht, lernen kann. Dies würde man niemals von deutschen Lehrern erwarten. An sich war jeder Lehrer wirklich nett zu mir und ich konnte mich nicht beschweren, denn eine bessere Verpflegung gibt es einfach nicht.
Mathe (Geometrie) war ein totales Disaster. Ich konnte zwar jeder einzelnen Zeile perfekt folgen, doch ich kam um die halbe Stunde zu spät. Ich habe mich sofort entschuldigt. Das Problem war, was inzwischen jedoch geklärt ist, dass mir niemand gesagt hat, wann meine Pause beginnt. Man hat zwei verschiedene Pausen, A und B. In meinem Fall habe ich B, da ich in einem anderen Gebäude bin. Die Lehrerin war mir nicht einmal böse, sondern hat mich sogar ausgefragt, ob es mir wirklich gut ginge und aus welchem Land ich denn komme.
Nachdem ich auch diese Stunde irgendwie überstanden hatte, stand meine nächste Stunde, Welt Geschichte, an. Genau dort hat mein Lehrer das Fass zum Überlaufen gebracht. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie unglaublich nett die Lehrer hier sind. Ich meine nicht damit, dass unsere Lehrer in Deutschland schlecht wären, es ist einfach nur eine andere Atmosphäre. Anstatt mich zu ignorieren, oder mich rauszuschicken, da ich ein paar Minuten zu früh kam, nannte mich mein Lehrer "Honey" oder "Sweetie". Das tun die meisten Lehrer hier.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Freunde gefunden. Vielleicht lag es daran, dass es mein erster Tag in der amerikanischen Schule war, aber die Schüler hier scheinen so gar nicht an einen Austauschschüler interessiert zu sein. Manche sind wirklich arrogant und begutachten dich, als wärst du etwas Schlechteres. Nur mit Mühe konnte ich mich zusammenreißen.
Meine nächste und somit auch letzte Stunde war Piano. Es ist ein großer Raum mit bloß einem Klavier, aber im Hinterraum sind 22 weitere Keyboards versteckt. Und genau dort, an diesem Ort und in diesem Kurs, den ich eigentlich nicht gewählt hatte, und auch nicht wollte, fand ich meine ersten Freunde. Alyssa und David. Nachher kam auch noch Noah dazu, der sich neben mich setzte. Nach der Schule gingen meine Hostmom und ich einkaufen, um all möglichen Kram zu kaufen. Im Endeffekt bezahlte ich 30 $ für alle Papiere und Ordner.
Als ich jedoch bei den Hausaufgaben saß, konnte ich nicht mehr. Ich war so unglaublich einsam. Ich habe nicht meine Familie vermisst, jedoch meine Freunde. Es ist vielleicht schwer vorstellbar, doch wenn ihr an einer neuen Schule seid, an welcher ihr natürlich keinen kennt, eure Kurse nur zur Hälfte wisst und auch nur einen kleinen Teil davon versteht, verzweifelt ihr. Noch dazu war ich noch mehr deprimiert, da ich keine richtigen Freunde gefunden hatte. Zwar schrieb mir David noch am Abend, ich solle mir keine Gedanken machen, aber da war es schon zu spät. Ich war wirklich in Tränen ausgebrochen. Es war einfach so viel Stress an einem Tag, dass mir alles wehtat und ich so schnell es ging ins Bett wollte, um die Stunden hinter mich zu bringen. Es ist alles so anders. Die Uhrzeiten, der Lunch (das Mittagessen), die Menschen, die Lehrer, die Klassen. In jeder Klasse hat jeder Lehrer ein eigenes, kleines Pult, als wäre diese oder dieser ein Präsident. Und überall hängen amerikanische Fahnen. 

 

Sogar die Stufen haben eigene, verschiedene Namen!


Übersicht zu den Stufen;
  • Seniors – Schüler aus der 12 Stufe
  • Juniors – Schüler aus der 11 Stufe
  • Sophomore – Schüler aus der 10 Klasse
  • Freshmen – Schüler aus der 9 Klasse


Natürlich habe ich gehofft, dass die nächsten Tage besser werden. Und das werden sie. Zu 100 %.




Überraschung!
Am morgen darauf, am Mittwoch, hat sich ein Freund meinen Stundenplan angesehen. Ich bin gar kein Sophomore, eine Schülerin der 10 Klasse, sondern ein Junior, eine Elftklässlerin – so wie ich es wollte. Im Verlauf der ersten Stunde bin ich deshalb auch wie ein Hase durch die Gegend gesprungen und habe meine französische Austauschschülerin halbwegs zu Tode gequaselt. Auch verlief der zweite Tag an meiner neuen Schule ganz, ganz anders. Die Menschen waren viel netter und ich habe viele Personen kennengelernt. Zu Lunch saß ich sogar mit einem Senior und Alyssa in der Cafeteria. In Sport traff ich auf weitere Schülerinnen und in Weltgeschichte sitze ich nun neben Lillian.
Ich bin dabei eine richtige High School Schülerin – eine Shark – zu werden und mich in meine High School zu verlieben, denn der Tag hat mir gezeigt, dass es so wundervolle Tage geben kann, wie man es sich nur selten vorstellt. Ich konnte sogar die Lehrer mit ihrem viel zu schnellen Sätzen verstehen!

 


Ganz liebe amerikanische Grüße,
Lia


Ps.: Falls ihr Fragen habt, bitte schickt sie mir an austausch14@gmail.com – ich hatte vor ein kleines Video zum Einwöchigen zu drehen, aber da mir niemand Fragen stellt, bin ich verloren! Facebook, WhatsApp sind auch möglich. ;)

Samstag, 16. August 2014

Die ersten Fakten


Meine lieben Freunde der Nacht!
Während ihr euren Schlaf nachholt und im Land der Träume versinkt, bin ich gerade dabei einen neuen Blogeintrag auf Papier zu bringen.


Nachdem ich Donnerstag total kaputt und sprachlos aus dem Flieger gestiegen bin, und wirklich, ich konnte kaum sprechen, hatte ich erst am Freitag und am Samstag die Zeit meine neue Heimat zu begutachten. Deshalb gibt es hier einige neue Erkenntnisse. Ich hoffe, sie gefallen euch! Viel Spaß!

Ich glaube, es ist am Besten, wenn ich einfach mal die ganze Lage beschreibe und ein wenig von meinem Alltag erzähle. Die erste Hürde an diesen Morgen war die Dusche. Wieso, fragt ihr euch bestimmt. Ich hoffe, ich kann jedem weiteren Austauschschüler, der zufällig bald ein Jahr in den USA verbringen wird, helfen. Die Duschen sehen folgendermaßen aus; ihr habt einen Knopf, den ihr ganz nach links drehen müsst, damit warmes Wasser kommt. Dies habe ich allerdings so spät bemerkt, dass ich schon beinahe Eiswürfel aus meinem Ohr hätte ziehen können. Aber dies passierte erst, als mir nach 10 Minuten einfiel, wie man überhaupt das Ding benutzt. Also; ganz nach LINKS drehen! Die nächste Hürde war Zähneputzen. Diesmal wusste ich ebenfalls nicht, wie man überhaupt Wasser laufen lässt. Gefühlte 30 Minuten habe ich alles ausprobiert; gedrückt, gedreht, bis ich entdeckt habe, dass man den Knopf auch ziehen kann. Wie ihr sehen könnt, das Abenteuer fängt schon bei kleinen Dingen an. :)

Da eins der Badezimmer nur selten benutzt wird, habe ich das große Glück es "Meins" nennen zu können. Ebenfalls habe ich ein eigenes Zimmer mit Schreibtisch und einem Hochbett. 

 


Das Haus meiner Gasteltern ist mega groß. Mein Bruder hat ein eigenes Zimmer, genau wie meine Schwester. Wir haben einen überdimensionalen großen Fernseher in dem Wohnzimmer, eine Küche und noch ein Esszimmer. Nebenbei haben wir einen kleinen, grünen Garten. Hier ist jeder Rasen perfekt grün, obwohl man eigentlich wegen der Hitze etwas anderes erwartet hätte. Selbst einen kleinen Fitnessraum mit Sportgeräten gibt es hier. Da ich auf keinen Fall durch den Flughafen rollend zurückkommen möchte, hat meine Gastmutter Debbie mir sofort angeboten, ohne das ich hätte etwas sagen müssen, die Sportgeräte zu zeigen. Die Wohngegend ist bekannt für ihre Sicherheit, weshalb auch meine Gasteltern weder das Haus, noch das Auto abschließen. Natürlich war ich ein bisschen entsetzt, aber ich fand es auch bewundernswert, denn in Deutschland hätte man viel zu viel Angst beklaut und beraubt zu werden.

 







 

 

 
Auch das Frühstück verlief anders, als erwartet. Gestern hatte ich French Toast mit Erdbeeren, heute morgen Spiegelei. Zum Mittag gab es einmal Teigtaschen mit Spinat und einmal Sandwiches mit Käse / Schinken, und dazu noch Kartoffelchips. Diese Speise ist hier sehr beliebt, auch wenn man sich erst daran gewöhnen muss. Nur am Freitagabend hatten wir Pizza, da wir eigentlich vorhatten zum Strand zu fahren, der von meinem Haus aus höchsten 15 Minuten entfernt ist. (Jaa, ein wenig eifersüchtig muss ich euch leider schon machen. Aber das zeigt nur, dass ich euch wirklich mag. :P) Wenn es in Florida anfängt zu regnen, dann ist alles vorbei. Ich meine wirklich alles ALLES. Die Leute gehen nach Hause und erledigen ihre Dinge. Es sind keine leichten Sommergewitter, wie ihr es aus Deutschland kennt, nein, hier geht die Welt halbwegs unter und die Straßen werden überflutet. Die Schwüle dagegen ist unglaublich! Ihr geht nach Draußen und ihr seid nass. Ihr schwitzt nicht, sondern ihr seid einfach nur nass, als hättet ihr gerade geduscht. Doch zurück zu dem Essen, bevor ich hier euch noch ganz verwirre. :D
Deshalb sagt niemals, Amerikaner essen nur Hamburger! Es kommt wirklich darauf an, auf welche Gastfamilie ihr stößt, denn meine versucht immer gesund zu essen. Aus diesem Grund hatte ich seid drei Tagen auch keine Süßigkeit im Mund. (Ihr könnt mir gerne Schokolade schicken, denn hier schmeckt die Schokolade gar nicht!)

An diesem Tag stand so einiges auf der Liste; zu erst musste ich einen Physicaltest beim Doktor erledigen, um meine Schule überhaupt besuchen zu können. Hier in den Staaten braucht man einige der Impfungen, um an einer High School angenommen zu werden. Aus diesem Grund unterrichtet meine Gastmutter meine Gastgeschwister Zuhaue. Sie ist der Meinung, dass man nicht alle diese Impfungen braucht. An sich werden zu viele Drogen verkauft, die die Menschen eher schwächen, als stärken. Natürlich kann ich ihre Meinung nachvollziehen, aber gerne Zuhause unterrichtet zu werden, wäre niemals mein Traum.
Hannahlora, Debbie und ich sind heute ebenfalls zu einem der Stores (Geschäfte) gefahren, doch davor musste Debbie Geld abheben. Wir haben eine Tankstellenbank besucht. Es sieht aus wie eine Tankstelle, doch anstatt von Benzin habt ihr einen großen Behälter. Was genau passiert, kann ich leider auch nicht sagen. Dieser Behälter wird in die Bank hineingesaugt und am Ende wird er zurückgeschickt mit dem, was ihr braucht. Auf die Frage, weshalb man so etwas baue, sagte mir meine Gastmutter, dass Amerikaner zu faul seien, um auszusteigen. Manche aber, die zum Beispiel entweder einer Behinderung unterliegen, oder dem Alter entsprechend lieber im Auto bleiben möchten, nütze dieses Erfindung sehr, sehr viel. Es geht einfach schneller und ersparrt so manche Nerven.

Als ich einen der Läden nach dieser Aktion betreten habe, dachte ich mir nur eins; WOW. Es gab dort wirklich jede menge Sachen zu sehen; von Fernsehern, die nicht einmal in einen LKW hineinpassen würden, bis zu gebratenen Hühnchen. Ihr könnt dort sogar Kleidung und Kosmetiksachen kaufen, was ich im Endeffekt auch getan habe. Als wir dann nach draußen gegangen sind, in die brennende Schwüle von Florida, fielen mir Einkaufswagen auf, die Mitten im Weg standen. Hier kann man die Wagen irgendwo stehen lassen. Die Menschen werden hier sogar dafür bezahlt, um diese wegzuräumen. Das ist typisch amerikanisch. 




 



 
Nachdem dies erledigt war, habe ich nur noch schnell mein Handy USA tauglich gemacht, damit ich mit neuen Menschen in Kontakt treten kann, wenn ich am Montag zum ersten Mal zur Schule gehen werde.
Falls ihr meine neue Handynummer braucht, schreibt mir bitte. Ich habe einen Vertrag für 35 Dollar und kann so viel schreiben und telefonieren in den Staaten, wie ich will. Aber leider kann ich nicht mehr nach Europa telefonieren, weshalb mir nur noch mailen und skypen bleibt. Bitte versucht es zu verstehen. Danke.


Wo war ich stehen geblieben? :)
Am Abend haben wir "Marley und ich" geschaut. Falls ihr gerne wissen wollt, wie der Flughafen von Fort Lauderdale aussieht, oder wie schön Boca Raton von Oben ist, schaut euch den Film an. Genau dort kann man sogar sehen, an welcher Stelle mich meine Gastfamilie abgeholt hat.

Ebenso haben wir am Abend sehr viel geredet, über die deutsche und die polnische Kultur, über meine Freunde und über Dinge an sich. Hierbei muss ich zugeben, dass ich nicht alles im Englischen verstehe. Amerikaner quaseln manchmal sehr, sehr schnell. Die Freundin meiner Gastmutter sprach so unglaublich schnell (und laut), dass ich nur ein paar Einzelheiten verstanden haben. Das Sprechen an sich fällt mir nur manchmal schwer, da ich nicht alle Worte kenne, sie aber langsam immer mehr lerne. Vielleicht könnt ihr euch nicht daran erinnern, wie ich das Alphabet gelernt habt, aber als ihr euren ersten Text, euer erstes Gedicht oder eure erste Geschichte gelesen habt, war das nicht ein wunderschöner Moment?
Und genau so fühle ich mich. Zwar kann ich es immer noch nicht glauben, dass ich in Florida sitze und eine Austauschschülerin bin, aber es ist wie ein Geschenk. Versetzt euch in die Lage, ihr bettelt eure Eltern um ein Haustier an; um einen Hund. Eure Eltern sagen euch "Nein". Ihr könnt eure Lage nicht ändern und die Situation wendet sich nicht. Eure Eltern sind weiterhin der Meinung, ihr seid zu unreif, zu klein, vielleicht sogar zu dumm um für einen Kötter zu sorgen. Fest in dem Glauben, dass eure Eltern nicht einmal der Teufel persönlich zu einem Wundern bewegen kann, kommt ihr nach Hause und sieht auf einmal einen kleinen Welpen in eurem Zimmer sitzen, der euer Lieblingskissen angeknabbert hat. Was wäre eure Reaktion? Würdet ihr aus dem Fenster springen, weil ihr nicht glaubt, dass es echt ist, oder würdet ihr euch denken: "Ja, es ist ein Traum – ein Traum, aus dem ich nicht aufwachen möchte."?
Denkt darüber nach. Denn genau so fühlt sich jeder Tag eines Austauschschülers an.


In Liebe, Emilia
Ps: Ich werde versuchen Etwas über meine Schule in Erfahrung zu bringen, mehr Informationen, damit ihr am Montag etwas zu lesen habt. Erst einmal hofft für mich, dass ich den Tag überstehe. Am Sonntag hat mein Gastpapa Geburtstag und ich habe mein Arrival Camp :) Was sind eure Pläne? Hat irgendwer Lust mir davon zu erzählen? Ich bin für alles offen!

Freitag, 15. August 2014

Der Anfang des Abenteuers

"And I'll make a wish, take a chance, make a change
And breakaway

Out of the darkness and into the sun
But I won't forget all the ones that I loved
I'll take a risk, take a chance, make a change
And breakaway"

Kelly Clarkson, Breakaway


Als eine Schülerin, die normalerweise in Deutsch immer aufgepasst hat, sollte ich die Reihenfolge der Dinge beachten und sie genauso aufführen – sachlich und präzise – wie sie eben sind. Aber das würde nicht der Wahrheit entsprechen und ich möchte Euch keinesfalls anlügen.

Um 0.45 Uhr am 14. August sprang ich wortwörtlich aus dem Bett. Nicht deshalb, weil ich aufgeregt und überaus glücklich war, sondern weil mein Magen die physikalischen Gesetze vernachlässigte.
Ihr müsst wissen, dass wir Austauschschüler uns schon auf unser Abenteuer freuen, doch irgendwann kommen wir zu dem Punkt und erleben einen gewissen Moment, in welchen wir uns fragen, was für eine Scheiße wir dort eigentlich treiben. In genau diesem Moment befand ich mich. Ich sah nicht nur die positiven und rosaroten Dinge, die auf mich bestimmt irgendwann zukommen würden. Das Einzige, was ich wirklich sah, war, wie ich einen Weg finden würde, unser Auto zu klauen, das einem Ort zu verstecken, an dem meine Eltern es später finden würden und mir eine plausible Ausrede einfallen zu lassen, wie Diebe so geschickt ein Auto klauen können. Ich realisierte nicht zum ersten Mal, dass das Leben keine Stopptaste bietet, welche man nach Lust und Laune drücken kann. Das Leben würde in Dortmund weitergehen – ohne mich. Ich habe mich nicht gefreut. Panik, Angst, Nervosität breitete sich eher in mir aus. Und mit diesem Schmerz kämpfte ich den ganzen Morgen lang.
Nachdem ich ein paar Trauben allerdings heruntergewürgt und meine von Tränen geschwollenen Wangen überschminkt hatte, wobei ich mich im Badezimmer einschloss und vor lauter Aufregung vergass, wie man die Badezimmertür wieder öffnete und ich die nächsten zwei Minuten eine Herzattacke überlebte, fuhren wir zwei Stunden zum Frankfurter Airport. Mama, Papa, Onkel Mirek, Delia und (leider) ich.

 

Mein Flug nach New York sollte um 8.30 Uhr starten. 3,5 Stunden sollten wir uns vorher auf dem Flughafen befinden. Mit 80 AFSern (den Austauschschülern) und noch dazu 5 AFS-Mitarbeitern waren wir nicht wenige, die sich auf die Reise ihres Lebens vorbereiteten. Doch bevor wir irgendwohin fliegen konnten, wurden unsere Namen abgehakt, unsere halben Flugzeugtickets ausgehändigt und die letzten 10 Minuten des Verabschiedens trafen an. Wie auf Komando weinten wir wie aus Kübeln und Taschentücher wurden durch die Luft geschmissen. Natürlich habe ich geweint, denn man kann ganze 10 Monate nicht in 10 Minuten unterbringen.

Nachdem wir eingecheckt und unsere Koffer weggebracht hatten, hatten wir nun unsere Tickets und somit fing der ganze Spaß erst einmal richtig an. Gefühlte 100 Mal mussten wir unseren Reisepass kontrollieren lassen, damit auch wirklich alles – und mit alles meine ich jeden Buchstaben – stimmte. Irgendwann konnten wir auf ungestellte Fragen die Antworten liefern.

Im Flugzeug endlich angekommen, wurde unser bisher größter Wunsch erfüllt; Essen. Wir bekamen das, was wir angegeben hatten. Vegetarisch oder nicht vegetarisch. Wir bekamen die verschiedenste Auswahl an Getränken; Cola, Sprite, Fanta, Tee, Wasser, Kaffee, Apfel- oder Orangensaft. Dazu ein Brötchen und Marmelade und Butter. Obst und Gemüse, und natürlich einen kleinen Nachtisch – Kuchen. Das Hauptgericht waren eine Wurst und ein Omlet mit Kartoffeln, sowohl waren auch Pilze auf dem Teller. Zum Mittag hatten wir ebenfalls das Glück mit Essen beliefert zu werden; wie immer Obst und Gemüse, ein Brötchen, und Kuchen. Und alles war mit im Preis enthalen. So lecker das Essen auch aussah, so konnte ich kein Bissen davon runterschlucken. Die Nervosität lag mir im Magen und obwohl ich fast am Verhungern war, war es einfach nur quälend.


 

Da wir mit einer der größten Fluggesellschaften (Singapore Airlines) flogen, konnten wir uns nicht beschweren. Zur Auswahl standen viele Dinge, die mich ablenken konnten, es doch nicht geschafft haben. Filme, wie "die Schöne und das Biest", Musik, sogar alle Soundtracks aus dem Film "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", verschiedene Serien oder man schlief einfach nur, was ich auch im Endeffekt getan habe, da ich wahrscheinlich sonst im Stehen eingeschlafen wäre. Immer wieder habe ich mir die Anzeige angesehen, wie weit wir nun waren und wie viele Stunden wir nach New York noch brauchen würden.

 

 Im Flugzeug hatte ich einen weiteren, erleuchtenden Moment. Heimweh hatte ich keinen, langsam bereitete sich das Gefühl von Vorfreude aus. Endlich am Boden zu sein und zu wissen, wie es weiter geht. Denn dort oben am Himmel hatte ich keine Informationen, wie ich zu meiner Gastfamilie kommen würde, welchen Flug ich nehmen würde und was mit mir passierte.
Neben acht Stunden Flug, schloss ich neue Freundschaften und tauschte Nummern aus – so wie es sich für eine Austauschschülerin eben gehört.
(Liebe Grüße an Maria, falls sie das lesen sollte :))

In New York angekommen, wurden wir erst einmal alle durch verschiedene Schalter gejackt, damit die fürsorglichen und immer aufpassenden Amis uns ein weiteres Mal durchchecken konnten. Obwohl meine Blase damals schon am Platzen war, mussten wir eine geschlagene Stunde warten, bis wir unsere Koffer abholen durften. Falls ihr euch fragt, was wir eigentlich mitnehmen durften; einen Koffer mit bis zu 23 Kilo, einen Laptop in einer Laptoptasche und Handgepäck bis zu 7 Kilo. Als wir nach 1,5 Stunden mit dem Indentifizieren fertig waren, wurden wir unseren neuen Flügen und AFS USA zugeteilt.
Schock. Meines. Bisherigen. Lebens.
Da ich die einzige Auserwählte war, die in dem kleinen Örtchen Boca Raton leben würde, musste ich von New York aus nach Fort Lauderdale, wo mich meine Gastfamilie auch abholte, alleine fliegen. Ich checkte ein weiteres Mal mit vier anderen Austauschschülern, die allerdings nach Orlando flogen, ein, brachte mein Gepäck weg und folgte den gelben Pfeilen zum Gate 22. Die zwei restlichen Stunden verbrachte ich damit ein Schokobrötchen zu essen und Wasser zu trinken, tausend Male auf's Klo zu gehen und zu warten. Nebenbei rief ich meine Eltern an, um ihnen zu versichern, dass ich lebte und schrieb meinen Freunden. Als der Flug dann endlich los ging, war ich ruhig. Die Wartezeit und meine Müdigkeit hatten mich bis zum letzten Zeh ausgepowert und nichts war mir lieber, als endlich von meiner Gastfamilie empfangen zu werden. Nach drei Stunden Flug und nachdem ich Leute gefragt hatte, wo ich nun mein Koffer abholen konnte, wurde ich auf halben Wege von meiner Gastfamilie abgefangen, herzlich mit Umarmungen und Blumen begrüßt und danach fuhren wir endlich – nach 24 Stunden Reise – in mein neues Zuhause für 10 Monate. Zuhause rief ich dann meine Eltern an, wobei ich wieder anfangen musste zu heulen, packte nur die wichtigsten Sachen zum Schlafen aus und begab mich dann in mein neues Bett.

Meine Gefühle von Nervosität, Panik, Angst, Schrecken und dem Gefühl, nicht gehen zu wollen, veränderten sich schlagartig. Ich war bereit für etwas Neues, für etwas Waghalsiges, für etwas, was mein Leben und meine Sicht für immer ändern würde. Ich hatte kein Heimweh. Das Gefühl von Freude übergoss mich sehlichst und ich schlief ein.

 

In Liebe, Emilia
Ps: Bald kommt wieder ein neuer Eintrag, muss ihn nur noch zu Ende schreiben. :))